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Brauchen Einzelhändler Apps?

tree-240471_1280-300x212-300x212In diesem Artikel beschäftige ich mich mit dem Thema Apps im Einzelhandel. Ganz konkret mit dem Nutzen von Apps für den lokalen Einzelhandel. Ein Schwerpunkt bei der Betrachtung liegt dabei auf inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften. Was bringen also mobile Lösungen dem Einzelhandel? Welche Lösungen sind denkbar und macht es wirklich Sinn eine eigene App einzusetzen und für sich zu nutzen? Was haben die Kunden von einer App? Oder ist deren Nutzen gar nicht so wichtig? Viele Fragen, die ich gerne beantworten möchte.

Inhalt

  1. Zahlen, Daten, Fakten: Bringen Apps mehr Umsatz, höhere Kundenbindung und generell ein leichteres Einzelhandelsleben?
  2. Muss jeder Händler seine eigene App haben oder machen Kooperationen Sinn?
  3. Sind Apps also die Heilsbringer für den lokalen Handel?

Zahlen, Daten, Fakten: Bringen Apps im Einzelhandel mehr Umsatz, höhere Kundenbindung und generell ein leichteres Einzelhandelsleben?

Glaubt man den Zahl, so kann ich zumindest die beiden ersten Fragen (die nach mehr Umsatz und höherer Kundenbindung) mit einem klaren JA beantworten. Frage Nummer drei lasse ich einfach mal im Raum stehen 😉 …

Studien zu Potentialen und der aktuellen Lage von Apps im Einzelhandel

Wie so vieles was den digitalen Wandel im Einzelhandel betrifft, steht auch dieses Thema schon recht lange im Fokus diverser Untersuchungen. Im Grunde genommen weisen alle in eine und dieselbe Richtung: Apps sind wichtig, helfen dabei den Umsatz zu halten oder zu steigern, haben das Potential On- und Offline Handel sinnvoll zu verknüpfen und werden von vielen Kunden gewünscht.

Ein Studie, ich habe diese bereits in meinem Beitrag zum WLAN im Einzelhandel erwähnt, besagt sogar, dass in Deutschland der Einzelhandelsumsatz um bis zu 7 Milliarden Euro höher sein könnte, wenn Einzelhändler mehr auf Dinge wie WLAN und Apps setzen würden. Andere Studien belegen die aktuell sehr schwache Verbreitung von Apps im lokalen Handel. So zitiert zum Beispiel mobile-zeitgeist.de aus einer Studie die belegt, dass so gut wie keiner der Top25 Einzelhändler aus Deutschland Apps in nennenswerter Art und Weise nutzt. Einzelhandelskonzerne aus dem Ausland sind hier wesentlich weiter und nutzen viele der gegebenen Möglichkeiten.

Diese Zahlen erschrecken um so mehr, wenn man weiß das 84% der Konsumenten ihr Smartphone beim shoppen nutzen. Dabei haben allerdings die allerwenigsten spezielle Händler-Apps auf ihren Smartphones installiert. 60% der Befragten haben weniger als zwei, 21% sogar gar keine Händlerapp installiert. Diese Zahlen geben einen wichtigen Hinweis, auf die richtige strategische Entscheidung für eine bestimmte Art von Apps. Dazu komme ich im nächsten Kapitel aber noch im Detail.

Alle hier genannten Zahlen wurden in Studien erhoben, die sich lediglich auf Smartphone Nutzer bezogen haben. Können Sie sich vorstellen, was passiert wenn Smartwatches und andere Wearables erst einmal eine stärkere Durchdringung erreicht haben? Meiner persönlichen Meinung nach, wird dieser Schritt endgültig dazu führen das Apps bzw. mobile generell im lokalen Einzelhandel eine enorme Rolle spielen. Und auch dazu, dass diejenigen die diesen Trend nicht sinnvoll umsetzen letztendlich vom Markt verschwinden.

Warum so schwarz sehen?

Ganz einfach. Weil die Nutzung mobiler Lösungen für den lokalen Einzelhandel einer der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft sein wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass Apps im Einzelhandel von vielen Kunden gewünscht werden. Diese müssen auf eine sinnvolle Art ein- und umgesetzt werden und es sollte keinen Trend hin zu vielen kleinen einzelnen Apps geben. Der richtige Weg, mobile Angebote zu machen sieht anders aus als sich das viele Einzelhändler heute denken mögen. Er ist aber dadurch auch günstiger umzusetzen!

iphone-676767_1280-300x201Muss jeder Händler seine eigene App haben oder machen Kooperationen Sinn?

Damit kommen wir direkt zu meiner Kernthese. Und ich sage es gleich vorweg: Eine App ist für mich nur ein einzelner Baustein in der Strategie den digitalen Wandel des Einzelhandels erfolgreich zu bestreiten. Dieser Baustein sollte ernst genommen werden, aber trotzdem nicht alle Energie verschlingen!

Diese Aussage sowie die oben zitierten Zahlen zum Nutzungsverhalten von Händlerapps, lassen nur einen Schluss zu: Kein lokaler Einzelhändler braucht eine eigene App! Apps im Einzelhandel machen tatsächlich wesentlich mehr Sinn, wenn sie Sammelangebote beinhalten. Eine App sollte kooperativ gestaltet und betrieben werden. Alle Einzelhändler einer Stadt, eines Stadtteils oder einer Einkaufsstraße sollten sich zusammen tun und überlegen, wie ein sinnvolles Angebot aussehen sollte.

Was sind sinnvolle Kooperationsmöglichkeiten?

Diese Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten. Für wirklich handfeste Aussagen muss jeweils eine Betrachtung des Einzelfalls vorgenommen werden. Beispiele können aber sicherlich helfen, erste Anhaltspunkte zu liefern.

Stellen Sie sich einfach einmal die Brückstraße in Dortmund vor. Hier gibt es einige Geschäfte, ein bisschen Gastronomie und das Konzerthaus. Eine gute Mischung, die mir persönlich immer wieder Spaß bereitet (zugegeben: Das Konzerthaus interessiert mich nicht so sehr). Auf der Straße fehlt allerdings das, was in ganz Dortmund fehlt: Ein frei verfügbares und öffentlich zugängliches WLAN. Aber daran kann man ja arbeiten ;-).

Um zu meinem Beispiel zu kommen: Die Händler und Gastronomen der Brückstraße könnten sich zusammen tun und darüber entscheiden wie eine App für die gesamte Brückstraße aussehen könnte. Dabei sollten zunächst die gemeinsamen Ziele besprochen und festgelegt werden. Sagen wir einmal, diese Ziele sind in diesem Fall folgende:

  • Attraktivität des Angebotes auf der Brückstraße hervorheben
  • Individuelle Präsentation der verschiedenen Einzelhändler und Gastronomischen Einrichtungen
  • Die Kundenbindung soll durch sinnvolle Instrumente erhöht werden

Die Attraktivität des Angebotes auf der Brückstraße versuchen verschiedene Händler und auch die Marketinggemeinschaft bereits durch Webseiten, Blogs und Social Media hervorzuheben. Ergänzend dazu könnte eine App einen weiteren Kanal zur Bündelung dieser Aktivitäten darstellen. In diesem Fall geht es nicht so sehr darum, eigene Inhalte nur für die App zu produzieren. Vielmehr könnte bereits vorhandener Content genutzt werden um ihn über die App weiter zu verbreiten.

Die verschiedenen Einzelhändler und Gastronomen möchten sich natürlich auch individuell präsentieren können. Dazu stimmen die Beteiligten den Rahmen ab. Dieser kann dann in einem Menüpunkt der App abgebildet werden. Alle Beteiligten erhalten die Möglichkeit sich mit einem Bild und einem kurzen Text vorzustellen. Außerdem wird auf das jeweilige Webangebot, den Blog oder Profile in sozialen Medien verlinkt.

Kundenbindung ist ein wichtiges Stichwort. Hierbei kann der Einsatz von Apps im Einzelhandel richtig gut helfen. Denn über den sinnvollen Einsatz einer (gemeinsamen) App auf einer Einkaufsstraße, lassen sich tolle Maßnahmen in Form von Gutscheinaktionen, etc. umsetzen. Denkbar wäre zum Beispiel eine Osterei Suchaktion zu Ostern (ach!). Jedes versteckte Ei verfügt über einen Barcode, der mit der App gescannt werden muss. Wer eine bestimmte Anzahl Eier gefunden hat, erhält einen Preis in Form eines Einkaufsgutscheins oder etwas ähnliches.

Sie sehen anhand dieser drei Punkte sicherlich noch weiteres Potential für Apps im Einzelhandel. Ich persönlich habe noch mindestens 1.000 weitere Ideen!

yes-238372_640-300x212Es muss also wirklich keine eigene App sein?

Nein!

Wie bereits gesagt: Zahlen belegen, dass Nutzer von Smartphones nur sehr wenige Händlerapps installieren. Diese bieten einfach einen viel zu geringen Mehrwert für den Nutzer. Eine App die gemeinsam von vielen Händlern aufgesetzt wird, hat das Potential eine breitere Nutzerschicht zu erreichen!

Außerdem kommt noch hinzu, dass eine App Verwaltungsaufwand bedeutet. Wenn jeder individuell diesen Aufwand betreibt, ist niemandem geholfen. Sinnvolle Kooperationen machen hier absolut Sinn!

Ein dritter Grund der eindeutig gegen ein komplett eigene App spricht, sind die Kosten. Es gibt tolle Modelle mit denen Einzelhändler eine App umsetzen können. Diese kosten aber, wenn sie sinnvolle Einsatzmöglichkeiten bieten sollen, immer recht viel Geld. Dabei ist es egal ob es sich um reine Kaufangebote handelt oder um Angebote die auf einer monatlichen Nutzungsgebühr basieren.

Apps im Einzelhandel machen also aus vielen verschiedenen Gründen nur in Kooperation Sinn. Es ist mir wichtig, dass Sie dies nach lesen dieses Beitrages verinnerlicht haben 😉 …

Sind Apps also die Heilsbringer für den lokalen Einzelhandel?

Na ja. Das ist wie mit allen Dingen die man so tut. Tut man sie gut, dann bringen sie einen ein Stück weiter. Setzt man sie falsch um, bringen sie nur sehr wenig. DEN Heilsbringer gibt es für den lokalen Einzelhandel nicht!

Der digitale Wandel ist eine Herausforderung der man als Einzelhändler nicht mit einem einzigen Mittel begegnen sollte. Eine App kann aber ein wichtiger Baustein sein, der Ihnen dabei hilft gemeinsam mit Ihren Kunden den einzig richtigen Schritt in Richtung sinnvoller Digitalisierung Ihres Geschäfts zu gehen!

Also. Apps im Einzelhandel machen Sinn. Definitiv. Sie sind aber nicht das Allheilmittel!

Wenn Sie Fragen zu diesem Artikel und zu anderen Themen des digitalen Wandels im Einzelhandel haben, wenden Sie sich gerne telefonisch (0151/27536121) oder per eMail (d.arntjen@steadynews.de) an mich.

Wochenrückblick: Der digitale Wandel in der Kalenderwoche 41

owl-50267_1280Der digitale Wandel ist ein Thema, dass (zum Glück) immer mehr an Bedeutung zunimmt. Immerhin betrifft dieser Wandel uns alle in fast allen Lebensbereichen. Aus diesem Grund möchten wir jede Woche einen aktuellen Blick auf die zurückliegende Woche werfen und zusammen fassen, welche Beiträge, Videos, Artikel und Meinungen zu diesem wichtigen Thema veröffentlicht wurden.

Dieser Wochenrückblick erscheint mit ein paar Tagen Verspätung. Technische Probleme führten zu dieser Verzögerung.

Handelsblatt – Google beteiligt sich an deutschem Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Als ich diesen Artikel las, habe ich mich gefragt ob das wirklich wichtig ist und was Google mit diesem Investment für Ziele verfolgt. Wichtig ist es. Und zu den Zielen muss man wahrscheinlich nicht viel sagen. Einfach lesen.

Digitaler Wandel wird zum größten Unternehmensrisiko. 21% der im Rahmen einer Studie befragten Unternehmen durchliefen in den letzten Jahren eine Unternehmenskrise die durch den Wandel des Geschäftsmodells verursacht wurde. Das sagt schon alles! Na ja, den Rest sagt der verlinkte Artikel.

Auch Logistiker sind betroffen: Der digitale Wandel trifft Logistiker mit voller Wucht.

Der lange Marsch der Versicherer in die digitale Transformation. Meiner Meinung nach sagt vieles in dem Beitrag nicht unbedingt gutes über den aktuellen Stand von Versicherern in Sachen digitaler Wandel. Aber lesen Sie selbst.

Das war er also. Der verspätete Wochenrückblick auf die digitale KW 41.

 

Echtes Smarthome aus Dortmund von bee

Am vergangenen Freitag durften wir von den SteadyNews und weitere Gäste einer exklusiven Vorführung des SmartHome Systems von bee aus Dortmund Beiwohnen. Stefan Rower, Inhaber und Geschäftsführer (sein Interview mit den SteadyNews findet sich hier) und Alexander Kurrath erläuterten uns zunächst die Unterschiede zwischen SmartHome und ControlledHome um dann eindrucksvoll vorzuführen, was mit dem System von bee alles möglich ist.

Der digitale Wandel im Eigenheim

Der digitale Wandel macht auch vor privatem Wohnraum und Büroräumlichkeiten nicht Halt. Deutlich zu erkennen ist diese Tatsache anhand einer Betrachtung der vielen Angebote an SmartHome Lösungen. Wahrgenommen werden dabei meistens die Lösungen der großen Konzerne, wie zum Beispiel die von RWE. Weniger prominent und trotzdem wesentlich Leistungsfähiger sind dabei die vielen Angebote mittelständischer Unternehmen.

Ein mittelständisches Unternehmen, das eine SmartHome Lösung entwickelt, ist die bee GmbH aus Dortmund. Eigentlich tritt bee als Systemhaus auf und ich hätte nicht direkt vermutet, dass sich hier auch große Kompetenz in Sachen Hausautomation finden lässt. Das diese Kompetenz vorhanden ist, haben Stefan Rower und Alexander Kurrath während des Termins aber eindeutig und nachdrücklich belegt.

Was ist ein SmartHome?

Das Prinzip eines „echten“ SmartHome ist die Zusammenarbeit von Sensoren und Aktoren. Sensoren erkennen bestimmte Zustände und Aktoren führen im Vorfeld festgelegte Maßnahmen automatisch aus. Das Eingreifen eines Menschen ist nicht mehr notwendig, wenn einmal alle möglichen Zustände erfasst und mit Aktionen versehen wurden. Natürlich können bestimmte Zustände trotzdem jeder Zeit angepasst werden. Das eigene Haus soll ja nicht das alleinige Mitbestimmungsrecht über seinen Zustand haben 😉 …

Stefan Rower beschreibt das was für ihn ein „ControlledHome“ und somit das Gegenteil eine SmartHomes ist so: „Hierbei wird lediglich die Möglichkeit geboten, auf bestimmte Systeme im Haus – beispielsweise die Rolläden – mit einem Smartphone oder einer Fernbedienung zuzugreifen und so den gewünschten Zustand herzustellen. Sensoren die Zustände erfassen und weitergeben gibt es nicht. Smart ist das nicht wirklich.“

Anhand konkreter Beispiele hat uns Stefan Rower erklärt, warum er diese Abgrenzung so deutlich vornimmt.
Nehmen wir eine Terrassenmarkise mit elektronischem Antrieb. Diese kann über entsprechende Funkschalter in ein SmartHome System der bee GmbH eingebunden werden. Gäbe es nun nur diese Markise und die Möglichkeit per Funk auf Sie zuzugreifen, müsste der Bewohner eines Hauses bei zu starkem Wind selber handeln und den Befehl zum Einfahren der Markise geben. Die SmartHome Lösung von Bee automatisiert diesen Vorgang vollständig, in dem ein Windsensor den starken Wind registriert, diese Information an das System weiterleitet und somit veranlasst das die Markise eingefahren wird. Das Eingreifen eines Bewohners ist hier nicht notwendig.

Auch Bestandsimmobilien lassen sich mit SmartHome ausrüsten

Auch Bestandsimmobilien lassen sich mit SmartHome ausrüsten

Hohe Flexibilität und unendlich viele Szenarien

Im Grunde genommen lässt sich durch die SmartHome Lösung von bee fast jedes denkbare Szenario abdecken. Von Sensoren die starken Lichteinfall registrieren und im Sommer die Rolläden zur Beschattung automatisch herunter fahren über das automatische schließen von Rolläden, wenn Abends um 22.00 h niemand zu Hause aber noch ein Fenster offen ist bis hin zum Auslösen aller Rauchmelder wenn ein Fenster bei Abwesenheit der Bewohner geöffnet wird. Alle diese Szenarien hat Stefan Rower eindrucksvoll vorgeführt. Mich persönlich hat dabei besonders beeindruckt, dass in die Auswahl der Szenarien sogar der eigene Onlinekalender eingebunden werden kann. Ist dort beispielsweise eine längere Abwesenheit über das Wochenende eingetragen, verhält sich das Haus so als ob die Bewohner anwesend sind.

Das gesamte SmartHome System der bee GmbH basiert auf den Standards des Zwave Konsortiums. Im Zusammenspiel mit quelloffener Software sowie einigen Anpassungsschritten durch die Profis von bee entsteht ein intelligentes System. Dieses lässt sich auch für bestehende Installationen nachrüsten und Schrittweise erweitern.

In Zeiten von BigData: Datensparsamkeit ist ein großer Vorteil

Alexander Kurrath hat im Gespräch eine Tatsache ganz besonders hervorgehoben: „ Im Gegensatz zu vielen SmartHome Lösungen großer Konzerne, verlassen bei unserer Lösung nur dann Daten das Haus wenn der jeweilige Anwender das möchte. Für den vollen Funktionsumfang ist es nicht notwendig irgendwelche Daten in der Cloud abzulegen oder an einen Hersteller zu senden. Die einzige Ausnahme bildet der Zugriff auf das System von Unterwegs. Ist dies gewünscht, bleiben die Daten aber trotzdem in der Hand der Bewohner.“

Befindet ein Bewohner sich im Haus, kann er neben der Bedienung über sein Smartphone auch ein zentrales Bedienelement nutzen um das Haus zu steuern. Von dort sind alle wesentlichen Punkte erreichbar ohne dass erst eine App gestartet oder das Smartphone ständig griffbereit gehalten werden muss. Auch dieses Bedienelement wurde von bee selber entwickelt. Es basiert auf einem SoC-System inklusive angeschlossenen Touchscreen. Das Gehäuse entsteht individuell im 3D Drucker.

Technik für jeden

Technik für jeden

SmartHome von bee. Eine Lösung nicht nur für Technikverliebte Menschen

Für mich persönlich war der Besuch bei der bee GmbH ein großer Spaß. Als Technikverliebter Mensch, freue ich mich immer wenn es interessante neue Dinge zu sehen und auszuprobieren gibt. Aber auch die weniger Technikaffinen Menschen am Tisch hatten das eine oder andere Aha-Erlebnis und konnten sehr gut erkennen, dass es sich bei gut gemachter Hausautomation nicht um Spielerei sondern um Nutzen bringende Technologie und die sinnvolle Umsetzung von Digitalisierung handelt.

Für Rückfragen zum System steht Stefan Rower gerne zur Verfügung. Am besten funktioniert dies per eMail (s.rower@bee.de) oder telefonisch (0231 / 58719 – 44).

Verschläft Deutschland die Digitalisierung der Gesellschaft?

Manchmal geht es einfach nicht anders. Da müssen dann auch mal Journalisten auf die Pauke hauen. So geschehen am 28.08.2015 in der Welt. Unter dem Titel “Was bei Deutschlands Digitalisierung schief läuft” fasst Stefan Dörner (unter anderem) am Beispiel von DE-Mail zusammen, was ich “ungesund lange andauernden Tiefschlaf” nennen würde.

Inhalt

  1. Bleiben wir beim Beispiel: De-Mail – aber auch andere
  2. Was sind die Ursachen dafür?
  3. Und wie lässt sich das ändern?

Bleiben wir beim Beispiel: De-Mail – aber auch andere

De-Mail, von Experten als nicht zielführend und technisch weder aufregend noch besonders innovativ gekennzeichnet, hat einen langen Weg hinter sich. Von der Idee elektronische Kommunikation sicherer 8und somit rechtssicher) zu machen bis zur Umsetzung hat es sehr sehr lange gedauert. Zwischenzeitlich wurde auf Basis von Annahmen ein kompliziertes Verwaltungs- und Gesetzes-Konstrukt erschaffen, dass am Ende vollkommen an den Bedürfnissen der anvisierten Nutzer vorbei geht. Wenn sich ein StartUp diese Art der Produktentwicklung und Umsetzung leisten würde, dann wäre ganz schnell Feierabend!

Mir persönlich offenbart De-Mail nicht nur erhebliche Kompetenzmängel auf. Das gesamte Verfahren zeigt auch, dass die Strukturen unserer Behörden im digitalen Zeitalter einfach nicht mehr die notwendige Geschwindigkeit aufbringen um mit dem Wandel der Welt mithalten zu können. Es fehlt also nicht alleine an digitaler Kompetenz, sondern die Probleme sind struktureller Natur. Für mich ist diese Tatsache viel schwerwiegender als fehlendes Wissen.

Auch die anderen, von Stefan Dörner benannten Beispiele offenbaren große Schwächen. Ich bin dabei nicht unbedingt der Meinung, dass die beschriebenen Probleme mit dem öffnen von Autos per App in diese Kategorie gehören. Auch US-Unternehmen verfahren bei der Entwicklung neuer Produkte häufig nach dem Prinzip, den Kunden als Beta-User zu mißbrauchen.

Bei Beispiel der Netz-Infrastruktur bin ich dann aber wieder beim Autor. Ich selber lebe recht ländlich in einer 20.000 Einwohner Stadt. Seit etwas über einem Jahr mache ich die Erfahrung, dass langsames Internet manchmal richtig doof sein kann. Am alten Wohnort durch eine 50MBit Leitung verwöhnt, komme ich seitdem mit maximal 16MBit aus. Und ich leide… Dabei haben wir hier ja noch Glück, denn es gibt “um die Ecke” durchaus auch Gegenden die können von 2stelligen MBit Werten nur träumen.

Auch wenn so langsam Fahrt in diese Sache kommt, bin ich entsetzt. Dieses Thema sollte eigentlich schon lange vom Tisch sein! Zu erfolgreichem digitalen Wandel gehören Datennetze die mit den neuen Anforderungen umgehen können. Da gibt es gar nichts zu diskutieren. Aber das hat unser politischer Apparat mittlerweile auch bemerkt. Leider sehr spät. Hoffentlich nicht zu spät…

Neben diesen Beispielen aus dem besagten Artikel, könnten wir wahrscheinlich ewig lange Zeit damit verbringen weitere Beispiele zu benennen und zu diskutieren. Die Ursache für viele dieser Beispiel ist aber immer dieselbe.

Was sind die Ursachen dafür?

Eine wesentliche Ursache für den doch sehr langsam von Statten gehenden digitalen Wandel in Deutschland ist meiner Meinung nach eine große Stärke der Vergangenheit. Wir sind hier in Deutschland die absoluten Planungs-Asse. Bevor wir handeln, planen wir alle haarklein durch. Und genau damit haben wir eines der Probleme entdeckt! Die Zeiten sind zu schnelllebig geworden. Die Entwicklung überholt uns immer dann, wenn wir (speziell unsere Behörden) noch die Dinge planen die anderswo schon lange gelöst wurden. Das ist nicht gut.

Eine weitere Ursache ist meiner Meinung nach der Dschungel an Behörden. Schon alleine die Gründung eines Unternehmens das innovative Ideen nach vorne bringen möchte, ist ein riesiger Aufwand. Zeit-, Geld und Nerven die lieber in die Entwicklung neuer Ideen und die Perfektionierung bestehender Dinge investiert werden sollten. Hier muss ganz dringen etwas passieren um Gründern die Arbeit zu erleichtern und mehr Freiräume für Innovationen zu schaffen. Dann klappt das auch mit der digitalen Transformation.

Leider war es das aber noch nicht. Es gibt noch mehr Gründe, die uns daran hindern den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten. Ein Beispiel möchte ich hier noch bringen.
Unsere großen Konzerne (das hat Stefan Dörner im Artikel bereits angedeutet) schlafen recht tief und fest. Fehlentwicklungen oder nicht perfekt zu Ende entwickelte Produkte sind dabei das eine. Das verschlafen völlig neuer Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen wiegt aber wesentlich schwerer.

Mittlerweile gibt es zwar sehr viele große Konzerne die erkannt haben, dass Sie von StartUps lernen können und müssen. Das kommt meiner Meinung nach aber sehr spät und hat unsere Handlungsfähigkeit in Sachen digitalem Wandel in den letzten Jahren extrem eingeschränkt. Leider.

Es wird gut. Gemeinsam sind wir stark.

Es wird gut. Gemeinsam sind wir stark.

Und wie lässt sich das alles ändern?

Es passiert gerade viel Gutes. Mit Go-Digital ist ein Förderprogramm in der Modellphase, dass KMU dabei helfen soll den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern. Das Programm ist wirklich gut gemacht und gedacht. Es kann meiner Meinung nach dazu beitragen, Kompetenzen in Unternehmen zu tragen, damit diese am Ende in der Lage sind den digitalen Wandel erfolgreich zu vollziehen. Also ein guter Punkt.

In vielen Konzernen hat ebenfalls ein Umdenken begonnen. Mit der RWE war im August beim StartUp Kickern ein Sponsor an Bord, der sich intensiv damit auseinander setzt neue Geschäftsmodelle und innovative Ideen zu finden. Damit ist die RWE nicht alleine und ich denke, dass dies ein wichtiger Pflasterstein auf dem langen Weg des digitalen Wandels sein wird. Denn nur durch “Neu denken” werden wir neue Strukturen entwickeln und so wieder mit dem Rest der Welt mithalten können.

Generell beobachte ich in den letzten Monaten das “digitaler Wandel” nicht mehr als etwas böses gesehen sondern als Chance begriffen wird. Das war vor einem Jahr in vielen Köpfen noch ganz anders besetzt und dieses Denken hat dazu geführt, dass man sich nicht gerne mit diesen Veränderungen auseinander gesetzt hat. Also auch hier: Das ist eine super Entwicklung!

Ich habe gar kein Patentrezept und kann somit die Frage nach dem “Wie” auch nicht abschließend beantworten. Aus meiner Sicht (und ich beschäftige mich wirklich viel mit diesem Thema) ist viel Gutes in Bewegung. Manches davon erlebe ich als viel zu langsam ablaufenden Prozess. Andere Dinge erkenne ich und bin erstaunt, wie gut sie laufen. Alles in allem bin ich positiv eingestellt.

Ich glaube allerdings auch, dass wir den Prozess des digitalen Wandels nur erfolgreich bestreiten können, wenn wir gemeinsam daran arbeiten. Konzepte entwickelt man eben immer dann am besten, wenn viele Köpfe aus der Praxis zusammenkommen und einvernehmlich Lösungen suchen. Die Umsetzung darf dann gerne jeder für sich vornehmen und ausprobieren wie es am besten funktioniert. Am Anfang stehen aber kreative Prozesse und gemeinsame Anstrengungen.

Diesen Prozess möchten wir begleiten. Aus diesem Grund planen wir eine Reihe von Veranstaltungen die sich rund um die Digitalisierung drehen. Dazu haben wir uns 5 Oberbegriffe “ausgedacht” die wir als grobe Orientierung nutzen möchten: Marketing, Vertrieb, Führung, Geld & Recht, Innovation. Dabei soll es nicht nur um Digitales an sich gehen, sondern auch um den Wandlungsprozess selber. Ich persönlich bin sehr gespannt darauf, was sich daraus entwickelt.

Interview mit Dortmunder Unternehmen: Alexandra Staniura – Boutique Macao

Alexandra Staniura führt ihre Boutique Macao in der Dortmunder Brückstraße seit 24 Jahren mit großem Erfolg. Im Interview mit Dennis Arntjen berichtet sie von ihrer Strategie den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten und erzählt uns so einiges über erfolgreichen Einzelhandel in Dortmund.

Dennis Arntjen:
Was genau ist der Schwerpunkt Ihres Einzelhandelsgeschäftes und wie versucht ihr euch zu unterscheiden?

Alexandra Staniura:
Im Grunde genommen, lässt sich das sehr leicht auf das Wesentliche reduzieren. Wie bedienen und beraten unsere Kunden. Dies schließt jeden Aspekt von „Mode“ mit ein und endet eben nicht bei unserem Sortiment.
Dies ist wohl auch der Grund aus dem die Boutique Macao viele Stammkunden hat die schon seit mehr als 20 Jahren zu uns kommen.

Es gelingt uns recht gut, eine persönliche Atmosphäre zu schaffen. Manche Kunden kommen jeden Samstag zu uns und verbringen mehrere Stunden in und um unseren Laden. Viele Kundinnen werden dabei von ihrer ganzen Familie begleitet. Das ergibt jedes Mal eine bunte Mischung die Spaß macht.

Außerdem geben wir uns große Mühe, interessante Events zu gestalten. Diese reichen von der Kosmetikberatung bei uns im Laden bis hin zu einer großen Modenschau die wir einmal im Jahr in unserer Filiale in Dortmund Hombruch durchführen.
Wir kooperieren dabei mit vielen befreundeten Unternehmen, wie zum Beispiel Kosmetikstudios oder einem Friseursalon.

Hinzu kommen diverse Aktivitäten in den sozialen Medien. Relativ neu ist unser Blog http://purelife-macao.de den wir zum einen für die Vorstellung neuer Produkte nutzen, aber eben auch dazu unseren Kundinnen Tipps in Sachen Mode und Lifestyle zu geben.

Dennis Arntjen:
Im Einzelhandel wird aktuell stark über Strategien zur Kundengewinnung und über den Umgang mit dem Onlinehandel diskutiert. Welche Ansätze verfolgen Sie dabei? Wie sprechen Sie Neukunden an und wie schaffen Sie es Kunden zu Wiederholungstätern zu machen?

Alexandra Staniura:
Wir möchten unseren Kunden die Dienstleistungen des klassischen Einzelhandels anbieten. Anders als bei vielen Filialisten steht für uns der persönliche Kontakt zu unseren Kunden im Vordergrund. Wie bereits eingangs erwähnt, verfolgen wir den Ansatz des Bedienens und Beratens.

Um Neukunden zu erreichen, setzen wir sehr stark auf soziale Medien. In diesem Punkt sind wir absolut offen für den Wandel. Durch unsere Facebook-Seite sowie unseren Blog sprechen wir eine Vielzahl von Kundinnen und potentiellen Kundinnen an.
Wenn wir zum Beispiel die Berliner Fashion Week besuchen, kommunizieren wir dies bereits im Vorfeld und binden unsere Kundinnen auf der Suche nach neuen Trends direkt mit ein. Daraus ergeben sich viele wichtige Kontakte und vor allem die Möglichkeit, unsere Kundinnen mit interessanten Inhalten anzusprechen.

IMG_0628Unseren Blog nutzen wir dazu, interessante Inhalte rund um unsere Boutique Macao zu verbreiten. Darüber hinaus geben wir auch Tipps aus den Bereichen Beauty und Lifestyle. Um das ganze abzurunden, bringen wir mit eher persönlichen Themen wie zum Beispiel unseren Hunden auch eine persönlich Note in den Blog.
Diese Mischung funktioniert und wird gut angenommen.

Von unseren verschiedenen Events habe ich ja eben bereits berichtet. Im Mai haben wir ein Blogger Event auf die Beine gestellt, zu dem wir diverse Fashion-Bloggerinnen eingeladen haben. Unser Ziel war es mit der Szene ins Gespräch zu kommen und Macao zu promoten.
Die Veranstaltung war aus meiner Sicht nicht nur ein großer Erfolg, sondern hat außerdem super viel Spaß gemacht. Die anwesenden Fashion-Bloggerinnen waren total offen und herzlich.

Dennis Arntjen:
„Buy Local“, also alle Maßnahmen Kunden verstärkt zum Einkauf bei lokalen Einzelhändlern zu bewegen,  ist aktuell das große Stichwort im Einzelhandel. Was tut ihr in dieser Hinsicht und wie unterstützt euch die Stadt Dortmund bei diesen Bemühungen?

Alexandra Staniura:
Das was wir tun, passiert ganz automatisch und beinhaltet bisher keine speziell ausgearbeitete Strategie. Wir kooperieren mit anderen Dortmunder Unternehmen aus den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle. Unsere Events sind einfach interessanter und werden besser angenommen, wenn wir diese gemeinsam mit anderen Unternehmen gestalten.

Als Inhaberin eines Einzelhandelsgeschäftes stehe ich jeden Tag in meinem eigenen Laden. Dadurch weiß ich recht genau, was sich hier in der Straße abspielt und welche Kooperationen deshalb sinnvoll sind. Das ergibt sicher alles ganz automatisch im Tagesgeschäft.

Was die Unterstützung durch die Stadt Dortmund angeht, kann ich nicht sagen, dass aus dieser Richtung viele Angebote kommen. Ich bemühe mich aber auch nicht aktiv darum, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen.

Dennis Arntjen:
Als Einzelhändlerin sind Sie stark von der Attraktivität der Innenstadt bzw. des jeweiligen Stadt-teilzentrums abhängig. Was bietet Ihnen Dortmund in diesem Punkt? Welche Schwächen und Risiken sehen Sie am Standort Dortmund?

Alexandra Staniura:
Schwächen und Risiken sind starke Worte. Sicherlich gibt es in der Brückstraße viele kleine und große Herausforderungen für Einzelhändler. Diese hängen aber nicht unbedingt mit Dortmund zusammen sondern sind auch in Städten wie Köln oder Berlin zu finden.

Dortmund bietet uns eine bunte Mischung, die gerade in der Brückstraße gut zu erkennen ist. Das begreife ich als positiv und bereichernd. Dadurch ergeben sich für mutige Einzelhändler viele Chancen, die wir einfach nutzen müssen.

Mein Laden ist eben nicht umsonst seit 24 Jahren hier in der Brückstraße zu finden.

Dennis Arntjen:
Sehen Sie eine Chance darin, für Dortmund von zentraler Stelle aus eine Plattform zur Verfügung zu stellen auf der sich alle Dortmunder Einzelhändler präsentieren könnten? Die Onlinecity Wuppertal ist hier ein prominentes Beispiel.

IMG_0633Alexandra Staniura:
Macao wird ein klassischer Einzelhändler bleiben. Das heißt aber nicht, dass ich eine zentrale Plattform für Dortmund nicht als Chance begreifen würde.

Um die Boutique prominent zu präsentieren und potentielle Kunden darauf aufmerksam zu machen, das es uns gibt halte ich eine solche Plattform für ein gutes Instrument. Als weiteren Vertriebskanal würde ich das aber nicht sehen wollen.

Dennis Arntjen:
Welche Schwächen behindern den Dortmunder Einzelhandel nach Deiner Meinung? Gibt es Risiken die beseitigt werden müssen um Dortmund als Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Städten und Regionen besser zu positionieren?

Alexandra Staniura:
Es gibt immer Dinge zu verbessern und Punkte an denen man arbeiten kann. Einzelhandel ist eine stetige Entwicklung und wer im Einzelhandel erfolgreich sein will muss mit der Zeit gehen.

In Dortmund ist das nicht anders. Wir haben hier unsere kleinen und großen Probleme. Aber – das habe ich ja eben auch schon gesagt – diese unterscheiden sich nicht so sehr von den Herausforderungen anderer Städte.

Viel lieber möchte ich über die positiven Dinge sprechen und darüber, welche Chancen wir Dortmunder Einzelhändler haben und nutzen sollten.

Dennis Arntjen:
Welche Unterstützung wünschen Sie sich konkret für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Einzelhandels-geschäftes und die Stärkung des Standortes Dortmund?

Alexandra Staniura:
Speziell für die Brückstraße würde ich mir mehr Aktivität wünschen. Konzepte wie Streetfestivals in Berlin oder Events wie zum Beispiel Modenschauen können die Frequenz an Besuchern in der Brückstraße sicherlich noch erhöhen.

Wobei ich auch sagen muss, dass die Verantwortlichen unserer Werbegemeinschaft einen guten Job machen und einiges bewegen.

Generell bin ich immer für möglichst viele Kooperationen. Dabei helfen mir meine persönlichen Kontakte. Aber sicherlich würde auch eine Möglichkeit der Vernetzung verschiedener lokaler inhabergeführter Einzelhandelsunternehmen dabei helfen, mehr gemeinsame Aktivitäten zu gestalten.

Dennis Arntjen:
Vielen Dank Frau Staniura, für dieses interessante Gespräch.

Interview mit Dortmunder Unternehmen: Julian Hans und “Der Hans”

http://steadynews.de/allgemein/interview-mit-dortmunder-unternehmen-armin-hingst-gestaltmanufakturJulian Hans, Inhaber und Gründer von „der Hans“ hat zum 01. April diesen Jahres sein Ladenlokal in der Kaiserstraße eröffnet. Die Idee: Hochwertigen regionalen Lebensmitteln eine Bühne verschaffen und Geschichten rund um die verschiedenen Produkte erzählen. Im Interview mit Dennis Arntjen berichtet Julian ausführlich über sein Konzept, weitere Pläne und die Herausforderungen, die der lokale Einzelhandel generell meistern muss.

Frage 1: Was genau ist der Schwerpunkt Deines Einzelhandelsgeschäftes und wie versuchst Du Dich zu unterscheiden?

Julian Hans: Der Schwerpunkt von „Der Hans“ ist der Verkauf regionaler Lebensmittel. Ich garantiere meinen Kunden, dass die Lebensmittel auf jeden Fall aus Dortmund und der direkten Umgebung stammen.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Nämlich immer dann, wenn ein bestimmtes Lebensmittel nicht in der direkten Umgebung erzeugt wird, aber nach meiner Meinung auf jeden Fall in das Sortiment gehört. Dies betrifft zum Beispiel Gewürze oder Kaffee.
In diesen Fällen garantiert „der Hans“ eine absolut transparente Lieferkette – unterstrichen durch den persönlichen Kontakt mit den meist ebenfalls jungen Start-Ups, die jene Produkte vertreiben. Bei unseren Kaffees bedeutet dies zum Beispiel, dass sie im Nachbarviertel vor Ort geröstet werden.

Wir haben kein Produkt im Sortiment, dessen Erzeuger wir nicht persönlich kennen. So kennen wir die Menschen und Geschichten hinter den Lebensmitteln und können diese unseren Kunden vermitteln.

Darin unterscheiden wir uns deutlich von anderen Lebensmittelhändlern. Dort werden zwar oft Lebensmittel vertrieben, die aus der Region stammen. Allerdings ist der Begriff „Region“ nicht abschließend definiert und sehr erweitert worden. Für manche Regionalsiegel bedeutet „regional“ schlichtweg eine Produktion „auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland“. Milch, die in Dortmund vertrieben wird und irgendwo in NRW erzeugt wurde, ist für mich nicht unbedingt ein regionales Produkt. Die Transportwege sind dann einfach zu lang und der Gedanke der mit regionalen Lebensmitteln verknüpft ist, wird dabei verwässert. Bei Milch übrigens nicht nur eine Metapher.

Frage 2: Im Einzelhandel wird aktuell stark über Strategien zur Kundengewinnung und über den Umgang mit dem Onlinehandel diskutiert. Welche Ansätze verfolgst Du dabei? Wie sprichst Du Neukunden an und wie schaffst Du es Deine Kunden zu Wiederholungstätern zu machen?

Julian Hans: Meine ursprüngliche Idee zu „der Hans“ war es, einen reinen Onlinehandel mit regionalen Lebensmitteln für Dortmund zu etablieren. Ein Ladenlokal war zunächst eigentlich gar nicht geplant.

Ich habe dann aber während meiner Recherchen schnell gemerkt, dass Konsumenten an Lebensmittel ganz andere Ansprüche stellen, wenn es um Vertrauen und Nahbarkeit geh. Es kommt, ganz besonders bei regionalen Lebensmitteln, sehr stark darauf an das Vertrauen unserer Kunden zu gewinnen und Garantien aussprechen zu können.

So bin ich dann zu meinem Ladenlokal gekommen. In der Kaiserstraße können meine Kunden die angebotenen Lebensmittel anfassen, riechen und schmecken und natürlich: Fragen stellen. Das schafft Vertrauen.

Der geplante Onlineshop inklusive eigenem Bringdienst steht in den Startlöchern. Es geht bald los! Das bisher gewonnene Vertrauen wird dazu beitragen, diesen Teil des Geschäftsmodells erfolgreich zu machen und noch mehr Kundinnen und Kunden die Vorteile der regionalen Lebensmittel zu ermöglichen.

Ein weiterer Punkt, der dazu beiträgt, Vertrauen zu schaffen ist ebenfalls in Planung. „Der Hans“ zieht demnächst um. Zu finden sind wir dann immer noch in der Kaiserstraße. Das neue Ladenlokal bietet uns aber einiges mehr an Platz. So können wir die Online bestellten Lebensmittel live im Laden einpacken. Unsere Kunden und alle Passanten sehen so, dass wir wirklich nur die frischesten Produkte auf den Weg zu unseren Kunden bringen.

Für die Neukundengewinnung setze ich auf Kreativität in der Kundenansprache sowie die konsequente Nutzung sozialer Medien im Internet.
Beispielsweise habe ich zur Eröffnung des Ladenlokals in einem Radius von 700 Metern rund um das Geschäft ca. 5.000 Obsttüten an alle Haushalte verteilt. Darin lag eine kleine Nachricht mit dem Hinweis auf unsere Eröffnung, einer Erläuterung des Konzeptes sowie einem Gutschein. Dieser konnte im Ladenlokal gegen zwei kostenlose Stücke Obst eingelöst werden.

Heute veröffentliche ich regelmäßig auf Facebook, wenn frische Produkte eingetroffen sind. Das hält die Kommunikation mit meinen Kunden aufrecht und schafft Aufmerksamkeit.

Sobald der Onlineshop gestartet ist, werde ich dort viel mit Produktfotos, Rezepten usw. machen. Da dürfen alle interessierten Dortmunder gespannt auf viele tolle Ideen sein und übrigens auch selbst welche mit einbringen!

Kundenbindung erreiche ich hauptsächlich durch ganz viel Persönlichkeit. Außerdem wird es demnächst ein Bonuspunktesystem geben, mit dem ich aktive Kunden und Wiederholungstäter belohnen möchte.

Um Deine Frage grundsätzlich zu beantworten: Ich begreife Onlinehandel nicht als Konkurrenz oder Bedrohung. Jeder Einzelhändler, egal ob er Lebensmittel vertreibt oder andere Produkte, sollte die Möglichkeiten des Onlinehandels als Chance begreifen.
Möglichkeiten, sich selber und die eigenen Produkte in den richtigen Fokus zu rücken sind reichlich vorhanden. Reine Kopien des Onlinehandels werden aber für den lokalen Einzelhandel sicherlich nicht funktionieren.

Frage 3: „Buy Local“, also alle Maßnahmen Kunden verstärkt zum Einkauf bei lokalen Einzelhändlern zu bewegen,  ist aktuell das große Stichwort im Einzelhandel. Welche Maßnahmen ergreifst Du für Dein Geschäft konkret um diesem Gedanken Rechnung zu tragen?

Julian Hans: Das komplette Geschäftsmodell von „der Hans“ beruht auf genau diesem Gedanken. „Der Hans“ lebt den lokalen Handel. Im Hinblick auf die angebotenen Produkte genauso wie bei der Auswahl der Region in der wir unsere Produkte anbieten.
Auch wenn unsere Kunden in Zukunft online bestellen können und zu Hause beliefert werden, liefern wir unsere Ware ausschließlich im Dortmunder Postleitzahlen Gebiet aus, eben um das Prinzip der kurzen Wege auch dort weiterzuführen.

Unsere Kunden honorieren das schon heute. Ich höre oft Sätze wie „Ich wohne hier, also unterstütze ich doch den lokalen Handel und die Erzeuger der Region!“, „Ich möchte etwas zurückgeben.“, „Schön, dass ich endlich die Möglichkeit habe regionale Produkte an jedem Wochentag direkt in der Stadt einzukaufen. Der Weg zu den Erzeugern in und um Dortmund ist mir nämlich zu lang.“

Ich sehe mich durch solche Aussagen bestätigt. Und „Buy Local“ ist tatsächlich kein frommer Wunsch der Einzelhändler, sondern spricht – wenn das Konzept gut gemacht und glaubwürdig ist – viele Kunden an.

Ich sehe tatsächlich sehr viele Chancen, die lokale Einzelhändler heute noch nicht zu 100% nutzen. Die Tatsache, dass zum Beispiel in der Kaiserstraße bzw. im Kaiserviertel im Grunde genommen das komplette Produktportfolio von Amazon angeboten wird, sollte uns Einzelhändlern Mut machen! Wenn wir unsere Stärken nutzen, untereinander kooperieren und unseren Kunden die Mehrwerte deutlich machen, bestehen wir ganz sicher gegenüber dem Onlinehandel.

Frage 4: Als Einzelhändler seid ihr stark von der Attraktivität der Innenstadt bzw. des jeweiligen Stadt-teilzentrums abhängig. Was bietet euch Dortmund in diesem Punkt? Welche Vorteile siehst Du gegenüber anderen Städten?

Julian Hans: Hier in der Kaiserstraße finde ich mit meinem Ladenlokal das absolut richtige Umfeld vor. Das Viertel passt zum „Hans“ und „Hans“ passt zu den Bewohnern des Viertels.

Die Werbegemeinschaft Kaiserstraße e.V. leistet hervorragende Arbeit und ich glaube, dass der Erfolg jeder Einkaufsstraße von den Aktivitäten der ansässigen Händler abhängig ist.

Eine Sache, die die Stadt Dortmund leisten könnte, wären etwa kostenlose Parkmöglichkeiten für Kurzzeitparker. Manchmal kommt ein Kunde nur schnell in meinen Laden oder zu den Nachbarsgeschäften um eine Kleinigkeit zu kaufen. Dafür ein Parkticket zu ziehen schreckt ab. Eine Art „Brötchentaste“ wie es sie in vielen Städten bereits gibt, wäre also eine tolle Sache!

Frage 5: Welche Schwächen behindern den Dortmunder Einzelhandel nach Deiner Meinung? Gibt es Risiken die beseitigt werden müssen um Dortmund als Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Städten und Regionen besser zu positionieren?

Julian Hans: Ich habe den Eindruck, dass sich die Stadt Dortmund sehr auf die direkten Innenstadtlagen wie die Fußgängerzone und die Thiergalerie fokussiert. Dabei geraten andere Einkaufsstraßen manchmal unter die Räder und frische, neue Konzepte finden wenig Beachtung.

Hinsichtlich meiner Erfahrungen als Gründer eines jungen Unternehmens würde ich mir mehr Unterstützung für Ideen wünschen, die nicht aus der Technologie-Ecke kommen. Auch Ideen wie meine, können für Dortmund etwas leisten und sollten deshalb mit derselben Unterstützung bedacht werden wie Ideen die „das nächste große Ding“ sein könnten.

Frage 6: Welche Unterstützung wünschst Du Dir konkret für den wirtschaftlichen Erfolg Deines Einzelhandels-geschäftes und die Stärkung des Standortes Dortmund?

Julian Hans: Um diese Frage wirklich fundiert zu beantworten, bin ich noch nicht lange genug „dabei“. Bisher bin ich mit dem Erfolg von „der Hans“ sehr zufrieden und ich glaube, dass ich aus eigener Kraft und durch viele kreative Ideen wesentlich mehr bewirken kann, als wenn ich mich ausschließlich darauf verlasse, dass die Stadt irgendetwas für mich tut.

Ich danke Julian Hans für dieses Interview, seine Bereitschaft ausführlich zu antworten und für einen interessanten und aufschlussreichen Abend im Kaiserviertel.

Julian Hans
“Hans bringt Glück”
Kaiserstr. 75, Dortmund-City
Tel.: 0231/ 79932646
E-Mail: info@hansbringtglueck.de