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Digitalisierung in vier Phasen

Ich spreche recht häufig mit Unternehmern darüber wie diese die Digitalisierung angehen. Oftmals stelle ich dabei fest, dass es für dieses Thema irgendwie keinen rechten Fahrplan gibt. Eigentlich erstaunlich, denn der Mittelstand unterliegt schon immer ständigen Veränderungsprozessen.

Unternehmern die mich fragen, erkläre ich die vier Phasen, die für mich bei der Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen:

  1. Frühphase
    In dieser Phase befinden sich die allermeisten mittelständischen Unternehmen. Sie wissen zwar, dass Digitalisierung ein Thema ist und haben sich dazu auch schon Gedanken gemacht. Sie konnten aber keinen richtigen Punkt finden, an dem sie beginnen können.In der Frühphase identifizieren mittelständische Unternehmen den aktuellen Stand. Dazu braucht es einen Projektverantwortlichen mit Erfahrung in Veränderungsprozessen und analytischen Fähigkeiten. Es kann auch nicht schaden, wenn diese Person sich für alles was die Digitalisierung umfasst interessiert und zum Beispiel gute Kontakte zu Startups hat.
  2. Konzeption
    Sie haben gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern eine erste Version einer Digitalstrategie entwickelt. Um diese Strategie griffiger zu machen und vor allem um sehr viel konkreter zu werden, geht es nun an die Konzeption.In der Konzeptionsphase geht es darum, die ersten Ideen (formuliert in Strategien) zu konkretisieren und in Arbeitspakete aufzuteilen. Eine Gewichtung dieser Pakete macht durchaus Sinn. Suchen Sie sich für den Anfang die Dinge heraus, die bei wenig Aufwand maximalen Erfolg versprechen. Dann kommen Sie schnell zu guten Ergebnissen!
  3. Transformation
    Digitalisierung ist für jedes Unternehmen erfolgskritisch. Insbesondere die Tatsache, dass die Digitalisierung grundsätzlich ein Umdenken in der Unternehmenskultur sowie der Unternehmensorganisation erfordert, zeigt wie wichtig es ist, in der Phase der Transformation starke und erfahrene Mitarbeiter im Team zu haben.Diese haben Sie bereits in den ersten beiden Projektphasen identifiziert. Haben Sie vielleicht sogar eine ganz bestimmte Person im Auge, die in Zukunft alle Veränderungsprozesse im Zusammenhang mit digitalen Projekten koordinieren könnte? Dann herzlichen Glückwunsch! Vielleicht haben Sie Ihren CDO gefunden! 😉
  4. Zukunftssicherung
    Sie haben die ersten drei Phasen durchlaufen und bereits einige Veränderungen mit auf den Weg gebracht. In diesen Phasen konnten Sie wichtige Mitarbeiter identifizieren, haben Ihr Unternehmen bis in die Tiefe durchleuchtet und neue Erkenntnisse gewonnen. Außerdem steht Ihre Digitalstrategie mit vielen Wegmarken.Damit die begonnene Arbeit zu einem nachhaltigen Wandel führt und damit Digitalisierung in Ihrem Unternehmen in Zukunft vollkommen selbstverständlich wird, geht es in der Phase der Zukunftssicherung darum, die begonnen Dinge zu Ende zu führen und immer neue Handlungsfelder zu identifizieren.Oftmals stelle ich fest, dass es bereits viele sehr gut aufgestellte Mitarbeiter gibt, die große Lust daran haben an der fortlaufenden Digitalisierung mitzuwirken. Es gilt nun, unter diesen Mitarbeitern diejenigen zu identifizieren, die in Zukunft das Thema Digitalisierung weiter vorantreiben. Außerdem benötigen Sie für die Zukunft einen CDO (wenn Sie ihn oder sie nicht schon gefunden haben) als festangestellte Führungskraft, die den Überblick behält und abteilungsübergreifend Projekte identifiziert, anstößt und begleitet.

Sicherlich ließen sich diese 4 Punkte noch erweitern. Mein Ziel ist es aber, möglichst knapp zu erläutern, was meiner Meinung nach die 4 wichtigen (und oftmals immer wieder zu wiederholenden) Schritte sind, wenn ein mittelständisches Unternehmen Digitalisierung betreiben muss oder möchte.

Wenn Sie Fragen dazu haben, melden Sie sich gerne bei mir. Ich freue mich über jedes Gespräch zu diesem Thema! 🙂

“Drei Strategien braucht es” – Wie Unternehmen ihr Überleben in der Digitalisierung sichern

In der Zeit Online vom 13.02.2017 findet sich ein interessanter Artikel, den sich jeder mittelständische Unternehmer einmal durchlesen sollte. Einfach nur, weil er viele wichtige Informationen enthält. Nach der Lektüre von “So sichern Unternehmen ihr Überleben” kann dann gerne dieser Artikel weiter gelesen werden. 😉

Daniel Rettig schreibt in diesem Artikel darüber, warum selbst Innovationsführer heute Gefahr laufen einfach vom Markt zu verschwinden und wie Unternehmen genau dieses Schicksal vermeiden können. Als Beispiel für ein solches innovatives Unternehmen das mehr oder weniger plötzlich vom Innovationsführer zum absoluten Verlierer wurde dient Yahoo. Yahoo wird nun schließlich und endlich aufgesplittet und umbenannt. Weg vom Fenster nach dem man lange Jahre wesentliche Innovationskraft gewesen ist.

Im Artikel wird dann weiter beleuchtet, warum Konzerne scheitern. Ich meine, viele dieser Gründe lassen sich auch auf den Mittelstand (und der interessiert mich persönlich viele eher als jeder anonyme Konzern) übertragen und sollten zur Vorsicht mahnen. Gute Arbeit und die Weiterentwicklung von Inoovationen sind nicht das, was in Zeiten des digitalen Wandels alleine helfen wird. Aber kommen wir zu den Gründen aus denen nicht nur Konzerne scheitern.

  1. Unternehmensführung und Strategen setzen auf Produkte, die der Kunde einfach nicht haben möchte.
    Kann passieren, sollte aber nicht zum scheitern eines ganzen Unternehmens führen. Mit Methoden die in der Startup-Welt angewandt werden, mit guter Planung und mutiger Umsetzung und vor allem mit der Einstellung, dass man nicht alles zu 100% fertig entwickeln muss bevor man es seinen Kunden anbietet, kann an schlimme Fehler vermeiden. Das hilft, nicht zu viel Geld zu versenken bevor man feststellt, dass eine Produktidee vllt. total innovativ und toll ist, aber von Kunden nicht angenommen wird.
  2. Talente. Wenn sie nicht bleiben, hat auch der Mittelstand ein riesen Problem.
    Talente zum Bleiben zu bewegen ist das eine. Talente die man im eigenen Unternehmen finden kann zu identifizieren ist für Mittelständler aber genau so wichtig. Besonders zu digitalen Themen schlummert oftmals extrem viel Wissen und Innovationskraft an Stellen an denen es Unternehmer nicht vermuten. Manchmal werden diese Talente rechtzeitig erkannt. Oftmals verlassen sie das Unternehmen und machen ihr eigenes Ding oder helfen dem Mitbewerber dabei, die Digitalisierung zu einem Erfolg zu machen. Schade.

Nur zwei Beispiele die dazu führen können, dass mittelständische Unternehmen ihren Status als Innovationsführer, Hidden Champion oder Weltmarktführer verlieren. Derlei gibt es noch viele. Aber hier schon wieder das Beispiel Nokias als Weltgrößtem Hersteller von Handys zu bemühen, der das erste iPhone nur müde belächelte und nichts tat, wäre dann doch zu müßig.

Was auch neu ist und sicherlich noch zu einigen sehr bösen Überraschungen im Mittelstand führen wird: Konkurrenz erwächst nicht von Seiten der üblichen Mitbewerber. Die Digitalisierung führt dazu, dass Konkurrenz und Innovation plötzlich von Seiten kommen, die man zunächst nicht ernst nimmt. Wenn man als Unternehmer merkt, dass es hier durchaus ernst zu nehmende Entwicklungen gibt, ist es vielleicht schon zu spät.

Aber welche Strategien helfen nun dabei, das Überleben des eigenen Unternehmens zu sichern und weiterhin vorne mit dabei zu sein? Da wäre zum einen die Frage nach dem heute angewandten Geschäftsmodell. Oftmals handelt es sich um ein oder zwei Geschäftsmodelle auf die mittelständische Unternehmen setzen. Das ist nicht so viel und verdient Aufmerksamkeit. Große digitale Unternehmen setzen auf vielfältige Geschäftsmodelle. Nehmen wir Amazon. Der ehemalige Buchversender hat erst sein bestehendes Geschäftsmodell erweitert und sich dann überlegt, dass es durchaus auch Sinn macht Rechenzentren zu betreiben sowie eigene Video- und Musik Streamingdienste zu etablieren. Mehr als ein Geschäftsmodell. Von den Geschäftsmodellen die man Amazon heute zuordnen kann, gibt es mit den Streamingdiensten oder der eBook-Bibliothek sogar einige die Teile des ursprünglichen Geschäftsmodells (Verkauf von Büchern, CDs und DVDs) kanibalisieren. Amazon tut dies trotzdem. Weil es besser ist selber das eigene Geschäftsmodell zu zerstören, als anderen diesen Job zu überlassen.

Eine weitere erfolgreiche Strategie könnte es sein, quasi fortlaufend innovativ zu sein. Besonders treffend gibt diese Notwendigkeit das Zitat von Andy Grove wieder: “Unternehmerischer Erfolg bereitet die Saat der eigenen Zerstörung.” und weiter (AUFGEPASST!) “Erfolg führt zu Selbstzufriedenheit, und die führt zu Fehlern.” Ich glaube, dass genau dies oftmals das Problem ist. Inhaber und Entscheider in mittelständischen Unternehmen sind es gewohnt, einen Status Quo zu managen. Aber nicht innovativ zu denken und ggf. aktiv daran mitzuwirken das eigene Geschäftsmodell zu zerstören und neu zu erfinden.

Mir hat mal der Inhaber eines großen mittelständischen Unternehmens gesagt, dass er gar nicht wisse was alle immer mit diesen Start Ups hätten. Deutschland habe doch mit dem Mittelstand die Innovationskraft überhaupt und der gesamte Mittelstand basiere auf Innovation. Ja. Vor 30, 40 oder 50 Jahren. Heute laufen Unternehmer Gefahr, von völlig unerwarteter Seite überholt und ausgebremst zu werden.

Also. Mein dringender Aufruf: Liebe Mittelständler. Legt los, denkt drüber nach welches Geschäftsmodell in Zukunft für euch zusätzlich das richtige sein könnte, lasst innovatives Handeln eurer Mitarbeiter nicht nur zu sondern fördert dieses, gebt Gas und seid immer auf der Hut. Der Angriff wird kommen. Wann? Keine Ahnung. Aber das er kommt ist sicher. Ob er euch überraschen wird und wie hart es euch trifft, hängt von euch ab!