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Digitalisierung. Ein gefundenes Fressen für Populisten.

Angela Merkel kandidiert für eine vierte Amtszeit. Kritiker sagen, dass die innenpolitische Agenda fehle. Dabei lässt sich seit einigen Monaten beobachten, wie Merkel sich dem Thema “Digitalisierung” nähert. Anfangs noch recht vorsichtig, mittlerweile aber mit einem Tempo das mir zeigt, dass die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft auf der Agenda der Kanzlerin schon heute eine wichtige Rolle spielt. In Zukunft wird der Stellenwert noch viel höher sein als er dies heute schon ist.

Kanzlerin Merkel hat also begriffen, dass die Digitalisierung eine Herausforderung ist, die groß gedacht werden muss. Eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft und nicht nur für einzelne Industrieunternehmen, Konzerne oder Mittelständler.

„Die Digitalisierung ist ein solcher Umbruch wie die Zeit des Buchdrucks und die Zeit von der Agrarwirtschaft zur Industrialisierung“

Das sagt Angela Merkel.

Für viele von uns ist das nicht unbedingt eine bahnbrechende Erkenntnis. Aber ich finde es beruhigend, dass nun nicht mehr nur diejenigen über Digitalisierung sprechen, die sich schon lange damit beschäftigen. Digitalisierung ist Chefsache. Nicht nur in Unternehmen, sondern eben auch in der Politik.

Was haben aber nun die “Populisten” aus der Überschrift damit zu tun, dass die politische Agenda der Bundeskanzlerin und Kanzlerkandidatin Merkel von der Digitalisierung geprägt sein wird? Die Digitalisierung wird einen gesellschaftlichen Umbruch mit sich bringen, der zunächst einige Menschen zurück lassen wird. Dies wird spätestens im Wahlkampf zum Thema werden und natürlich ganz besonders die Populisten unter den Politiker freuen.

Für diejenigen die ausschließlich mit den Ängsten von Menschen spielen. Die vermeintlich einfache Lösungen für große Probleme anbieten und die echte Argumente durch lautes Getöse ersetzen, wird eine politische Agenda die offen die Herausforderungen der Digitalisierung angeht ein gefundenes Fressen sein.

Die großen Volksparteien und auch kleine Parteien wie die Piraten, haben die Aufgabe den Wandel gut zu erklären. Risiken aufzeigen ist wichtig. Aber auch Chancen skizzieren und einen Weg zeichnen, der zu einem Ziel führt das gesellschaftlich akzeptiert ist. Mit Argumenten dagegen halten, wenn die populistischen Kandidaten laut schreiend den Untergang Deutschlands heraufbeschwören. Das ist alles nicht einfach.

Besonders für Angela Merkel wird es schwer. Ich persönlich glaube, dass der Partner CSU nicht in der Lage sein wird zu verstehen, was Digitalisierung bedeutet. Die Dimensionen der Digitalisierung in der Wirtschaft mögen Seehofer und Co. noch verstehen. Die Gesamtgesellschaftlichen Umbrüche erfassen diese Politiker aber nicht. Wahrscheinlich erfasst noch nicht einmal Angela Merkel, die das Thema letztendlich auf die Agenda gehoben hat, was der digitale Geist für unsere Gesellschaft bedeutet.

Wir müssen nicht nur über Arbeitsmarktpolitische Dinge sprechen. Nicht nur über die Notwendigkeit, unsere Bildung digitaler zu machen. Denn diese Bausteine sind letztendlich nur sehr kleine Bausteine. Durch die Digitalisierung geht heute schon alles viel schneller. Wir sind daran gewöhnt, viele Dinge spontan und direkt erledigen zu können. Unser Kommunikationsverhalten hat sich komplett verändert. Wir haben das Gefühl, dass wir unsere Meinung offener und wirkungsvoller kund tun können.

Diese Veränderungen sind schon heute Realität. Die Gesetzgebung, gesellschaftliche Akzeptanz und das Bewusstsein welche Konsequenzen sich daraus zwangsläufig ergeben hinken dem aber deutlich hinterher. Das ist die eigentliche Herausforderung vor der Angela Merkel steht, wenn sie im nächsten Jahr wiedergewählt wird.

Ich befürchte, der Wahlkampf wird schmutzig. Denn neben den Herausforderungen die unser unverantwortliches Handeln in der Welt mit sich bringt, wird die Digitalisierung ein weiterer Angriffspunkt für Populisten sein. Das böse Gespenst der Digitalisierung wird heraufbeschworen. Ängste werden ausgenutzt. Aber echte Lösungen bieten diese Menschen (wie immer) nicht an.

Bots beeinflussen Wahlen

Der Wahlkampf in den USA ist in aller Munde. Ich kann mich nicht erinnern, dass schon einmal ähnlich intensiv über einen US Wahlkampf berichtet wurde wie über diesen. Das ist aber gar nicht mein Thema im heutigen Artikel. Ich möchte mich auf einen bedenklichen Teil der Digitalisierung von Wahlkämpfen im Allgemeinen beziehen. Nämlich darauf, dass zunehmend sogenannte Bots das Ruder der digitalen Kommunikation in der Öffentlichkeit übernehmen.

Prominentestes Beispiel dieses Trends scheint der Brexit zu sein. Kurz vor der Abstimmung zum Austritt des Königsreichs aus der EU, suggerierten die Trends in den sozialen Medien, dass die Stimmung pro Brexit sei und beeinflussten so eventuell noch unentschlossene Wähler. Diese Tatsache wird durch eine Untersuchung von Tweets belegt, die allerdings nichts darüber aussagt ob der Einsatz von Chatbots in diesem Fall die Entscheidung Pro oder Kontra Brexit beeinflusst hat. Letztendlich ist es denkbar, dass eine große Anzahl an Tweets Pro Brexit mehr Brexit Gegner an die Wahlurnen gelockt und ggf. Brexit Befürworter eher dazu bewogen hat auf dem Sofa sitzen zu bleiben anstatt zu wählen (denn das Ergebnis steht ja so oder so fest). Denkbar ist aber auch, dass sich unentschlossene Wähler gar nicht erst zur Wahl begeben haben, weil sie der Meinung gewesen sind das ihre Stimme (egal wie sie abstimmen) kein Gewicht mehr hat.

Auch im aktuell stattfindenden US Wahlkampf scheinen Bots eine Rolle zu spielen. Das Online Tool Twitteraudit will berechnet haben, dass ca. 1/3 der Twitter-Follower von Donald Trump Bots sind. Demnach scheinen 4,6 Millionen Follower des umstrittenen Kandidaten automatisiert zu twittern. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass Trumps Stimme bei Twitter “lauter” zu sein scheint als die seiner Gegnerin Clinton.

Aber auch Hillary scheint über eine beträchtliche Zahl (Schätzungen sprechen von 3,1 Millionen) Bots zu verfügen. Diese haben während des ersten TV Duells der beiden Kandidaten dafür gesorgt, dass ein sehr alter Tweet von Trump, in dem er nahelegt das die Erderwärmugn nicht real sein sondern eine Erfindung Chinas, zum am meisten retweeteten Tweet wurde.

Was bedeutet das aber nun für unsere Meinungsbildung? Wie gefährlich ist der Trend, Wahlbots einzusetzen tatsächlich? Und beeinflusst er den Ausgang von Wahlen?

Wenn wir darüber nachdenken, wie die digitalen sozialen Medien heute die Meinungsbildung beeinflussen, dann wird uns sicherlich schnell klar das dieser Trend durchaus die Gefahr birgt, dass sich unsere Meinung maßgeblich auf der Propaganda von Bots bildet. Journalisten nutzen oft – jedenfalls für kurzfristige Analysen und berichte, die sozialen Medien und verfolgen dort Trends die sie dann wiedergeben. Das ist vollkommen natürlich. Es führt allerdings dazu, dass ggf. die Nachrichten eher wahrgenommen werden die von besonders vielen Bots verbreitet werden. Denn so einfach erkannt man auf die schnelle gar nicht, welche Nachrichten automatisiert verfasst wurden und hinter welchen Meinungen tatsächlich ein Mensch steckt.

Gewinnt also in Zukunft der Kandidat der den besten Algorithmus zur Verfügung stehen hat? Wie kommt man als Kandidat an möglichst viele Bots, die die eigenen Aussagen verstärken und ggf. sogar untentschlossene oder gar gegnerische Wählergruppen suggestiv beeinflussen? Hier scheint Geld (noch) keine größere Rolle zu spielen. Denn unbestritten ist, dass im US Wahlkampf zunächst das Team von Donald Trump verstärkt Bots erfolgreich einsetzte. Und Trump ist nicht der Kamdidat mit dem höchsten Wahlkampf Etat.

In der Zukunft ist allerdings durchaus denkbar, dass ein Teil des jeweiligen Wahlkampfbudgets in die Entwicklung und den Betrieb entsprechender Bot-Netzwerke investiert wird. Wie wir uns alle denken können, spielt besonders bei der Entwicklung und Weitereintwicklung digitaler Technologien Geld eine Wesentliche Rolle. Wer viele besonders intelligente und somit teure Entwickler beschäftigt, hat schnell die Nase vorn.

Aber hat Geld nicht immer schon unsere Wahlentscheidungen beeinflusst? Und verlagert sich dieser Trend nicht einfach nur von einer großen Anzahl gedruckter Plakate, aufwendigen Kampagnen und Kommunikationsmaßnahmen hin zu digitalen Instrumenten? Ja, aber das gilt nur dann wenn jedem Nutzer klar ist, welcher digitale Account zu wessen Bot Netzwerk gehört oder ggf. doch von einem Menschen betrieben wird. Dies zu erkennen ist aber im Grunde genommen für den einfachen User nicht möglich. Somit handelt es sich um Beeinflussung in einem Maße, dass normale Wahlkämpfe so nicht kennen.

Wie könnten wir alle diesem Trend entgegen wirken? Der eigentlichen Handlung von Wahlkämpfern haben wir sicherlich nichts entgegen zu setzen. Was wir aber tun können, ist uns immer wieder bewusst zu machen das heute vieles möglich ist und das wir immer alles mit gesundem Menschenverstand hinterfragen und einordnen sollten. Niemals sollten wir uns in diesen Zeiten von einer oder wenigen Nachrichtenquellen abhängig machen. Eine gesunde Einordnung braucht viele Quellen. Das was uns in der Vergangenheit die freie Presse ein Stück weit abgenommen hat, müssen wir Medienkonsumenten selber immer stärker in die Hand nehmen.

Unsere Presselandschaft sollte genau solche digitalen Trends wie es der Einsatz von Bot-Technologien ist, zum Anlass nehmen endlich breite digitale Kompetenz abseits des Versuchs neue Vertriebswege zu erschließen aufbauen. Und unsere Politiker sollten, im Interesse der Demokratie, endlich alles Digitale ernsthaft in unsere Bildungslandschaft und sämtliche Maßnahmen zur gesellschaftlichen Aufklärung aufnehmen. Nur dann haben alle Wähler die Chance, in Zukunft dem Versuch digitaler Einflussnahme etwas entgegen zu setzen!

 

 

Stagnationsgesellschaft oder Innovationsgesellschaft?

“Wir stehen an einer Weggabelung, ob wir Innovationsgesellschaft bleiben oder Stagnationsgesellschaft werden“. Das sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an diesem Samstag während des dritten sogenannten Deutschlandkongresses von CDU und CSU in München. Es ist wichtig, dass auch die Politik (endlich) die Ernsthaftigkeit des aktuellen Wandels begreift und diesen als Gesellschaftliche Herausforderung annimmt.

Von daher können wir alle froh sein, dass in so ziemlich jeder Partei über den digitalen Wandel gesprochen wird. Aber stehen wir tatsächlich noch an der von Herrn Dobrindt als so entscheidend benannten Weggabelung? Oder sind wir nicht vielmehr schon darüber hinaus geraten und befinden uns aktuell auf dem Kurs zur Stagnationsgesellschaft?

Diese Frage stellt sich mir persönlich im Grunde genommen jeden Tag. Ich treffe viele tolle und innovative Menschen. Menschen die begriffen haben, dass sich unser Zusammenleben, die Art wie wir arbeiten, und im Grunde genommen unser ganzes Leben durch die Digitalisierung entscheidend verändern wird. Auf der anderen Seite treffe ich mindestens genauso viele Menschen, denen nicht bewusst zu sein scheint, wie viel schneller der Wandel sich in Zukunft noch vollziehen wird und auf welche Lebensbereiche sich dieser auswirkt.

Was mir daran Angst macht? Das häufig diejenigen, die vermeintlich mehr Einfluss auf die Gestaltung von Wirtschaft, Politik und gesellschaftlichem Zusammenleben haben, am wenigsten ins Bewusstsein rufen, dass Digitalisierung nicht nur eine weitere industrielle Revolution ist. Diese Menschen haben lange Zeit die Digitalisierung überhaupt nicht wahrgenommen. Heute können sie nicht mit ihr umgehen. Das ist so lange nicht weiter schlimm, wie sich das Handeln bzw. nicht Handeln dieser Personen nicht auf andere auswirkt. Die Natur der Sache scheint es aber zu sein, dass eben diese Menschen mit ihren Entscheidungen großen Einfluss auf die Gesamtgesellschaft nehmen.

Die positiv gestimmten Menschen, mit denen ich mich darüber austausche, sehen das Ganze nicht so verbissen. Sollen doch die Unternehmen, deren Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände das Thema nicht schnell genug begreifen, verschwinden. Wirtschaft ist stetiger Wandel. Immer schon verschwinden große und kleine Unternehmen vom Markt und werden ersetzt. Das ist auch nicht falsch. Ich sehe das sogar ganz ähnlich. Wer nicht mithalten kann, hat es nicht “verdient” weiter am Markt zu sein.

Der Unterschied zu den Wandlungsprozessen, wie wir sie bis vor kurzem gekannt haben, ist aber ein ganz entscheidender. Heute geht alles viel schneller. Gesetzgeberische Vorgaben, Politik und Gesellschaft haben aktuell wenig Chancen sich tatsächlich mit dem Wandel zu beschäftigen. Dazu sind Entscheidungswege zu lang. Außerdem fehlt es oftmals an notwendigem Fachwissen.

“Früher” ging ein Unternehmen eher langsam vom Markt. Mitbewerber und neue Marktteilnehmer konnten sich entsprechend darauf einstellen. Politiker konnten gemeinsam mit Gewerkschaften sozialverträgliche Lösungen schaffen, die sicherstellten das viele der freigesetzten Arbeitnehmer schnell wieder neue Arbeit finden konnten. “Heute” vollzieht sich der Wandel schneller. Wir sind kaum noch in der Lage zu folgen. Hinzu kommt, dass gerade die Institutionen die an den wichtigen Entscheidungen mitwirken lange Zeit den Wandel nicht wahrgenommen oder verleugnet haben.

Wir können nur hoffen, dass es noch nicht zu spät ist. Dass die Automobilindustrie wirklich erkannt hat, was die Zeichen der Zeit sind. Dass Energieversorger in der Lage sind, den Wandel mitzugehen und das unser wirtschaftliches Rückgrat – der Mittelstand – lernt Innovation schneller zu betreiben. Der Mittelstand war immer schon innovativ. Er war aber noch nie sonderlich schnell wandlungsfähig. Dies führt dazu, dass ich heute sehr oft Aussagen zur Innovationsfähigkeit des Mittelstands höre, die wohl eher als Beruhigungspille für den Mittelstand selber dienen sollen.

Dann heißt es, der Mittelstand sei seit einer Ewigkeit der innovativste Teil der weltweiten Wirtschaft. Und auf dieser vermeintlichen Tatsache ruht man sich dann aus. Das diese Aussage richtig ist, bestreitet niemand. Nur heute gilt sie nicht mehr! Innovation kommt von ganz anderer Seite. Und das mit viel höherer Geschwindigkeit als sich das ein klassischer Mittelständler vorzustellen vermag.

Aber Kopf hoch. Digitalisierung bedeutet für den einzelnen viel Spielraum für Individualismus. Das gilt auch für Arbeitsverhältnisse bzw. Arbeit als Lohnerwerb generell. Was wir heute noch als prekär empfinden, wird in einer zukünftigen Gesellschaft vielleicht das Arbeitsmodell sein mit dem wir leben. Viele kleine Jobs und mehr Selbständigkeit. Immer verbunden mit der Tatsache, dass wir austauschbarer werden und Arbeitsrechtliche Errungenschaften an vielen Stellen nicht mehr greifen. Damit sind wir bei einer weiteren Institution die dringend das Thema Digitalisierung als Punkt auf die Agenda setzen muss. Nämlich unsere Gewerkschaften! Wie können wir in diesen wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sicherstellen, dass wir nicht wieder auf ein Niveau wie in Frühindustrieller Zeit zurück fallen?

Viele Fragen auf die ich nicht unbedingt Antworten habe. Drüber nachdenken lohnt sich aber. Und möglichst oft deutlich machen, dass wir schon ein kleines Stück in die falsche Richtung gegangen sind und dringend umkehren sollten, kann auch nicht schaden! Vielleicht hört es ja jemand!

Bedingungsloses Grundeinkommen und der digitale Wandel

Als Eva im Januar die Blogparade zum Bedingungslosen Grundeinkommen gestartet hat, mögen Sie sich als fleißiger Leser der SteadyNews die Frage gestellt haben, was das nun mit digitalen Themen zu tun hat und warum Eva das tut. Mittlerweile dürfte vielen von Ihnen aus den zahlreichen interessanten Beiträgen hier und auf anderen Blogs klar geworden sein, dass diese beiden Themen geradezu untrennbar miteinander verbunden sind.

Der digitale Wandel ist die größte Veränderung unserer Gesellschaft seit langem. Oftmals lese ich sogar, dass es sich dabei um die allergrößte Veränderung seit bestehen moderner Gesellschaften handelt. Ich muss ehrlich sagen, dass auch ich zu dieser Einschätzung neige und mich gedanklich sehr oft und mit zunehmender Intensität mit den Konsequenzen dieses grundlegenden Wandels auseinander setze. Die Weltelite diskutiert aktuell neben der Frage danach, wie wir es schaffen, die vielen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, zu integrieren (oder wie wir es schaffen diese Menschen dort zu lassen wo sie herkommen 🙁 ) auch darüber, wie sich die Gesellschaft in Zukunft wandeln wird. Es ist die Rede von der vierten industriellen Revolution, und auch das Bedingungslose Grundeinkommen spielt eine Rolle. Kritiker sagen zwar, dass dieses Grundeinkommen unter den falschen Gesichtspunkten diskutiert wird, und dass die Eliten unserer Weltwirtschaft nicht dieselben Ziele verfolgen wie andere Befürworter, aber trotzdem wird immerhin über dieses Thema diskutiert und miteinander gestritten, welches der richtige Weg ist.

Warum aber sprechen sich selbst Experten für ein Grundeinkommen aus, denen man nachsagt, dass sie sich wenig Sorgen um den einzelnen Menschen machen, sondern lediglich die Interessen großer Konzerne verfolgen? Die Antwort ist kurz und knapp: Angst! Die längere Form der Antwort lautet: Experten machen sich Gedanken darum, wer in Zukunft noch die Produkte der Konzerne und Unternehmen kauft, wenn immer weniger Menschen arbeiten und Geld verdienen.

Denn genau dies ist ein wesentlicher Punkt, wenn wir über die Digitalisierung sprechen. Es werden sehr viele Arbeitsplätze wegfallen. Nach Schätzungen von Experten alleine 7,1 Millionen innerhalb der nächsten 5 Jahre. Und lediglich ca. 2 Millionen dieser Arbeitsplätze werden durch neue ersetzt. Mit den Arbeitsplätzen fallen auch Löhne und Gehälter weg, die dann nicht mehr für den Konsum eingesetzt werden. Dies wiederum schadet der Wirtschaft, die weniger verkaufen kann und somit nicht das gewohnte Wachstum verzeichnen wird. Ein echtes Problem, wie viele der 2.500 Teilnehmer in Davos meinen.

Ist das nun alles reine Panikmache, und hat sich nicht in den letzten Jahrhunderten immer jeder Wandel als positiv herausgestellt? Haben nicht auch die Gesellschaften im Zuge der vergangenen drei industriellen Revolutionen große Herausforderungen zu bestehen gehabt, und sind diese nicht immer stärker geworden? Ja, diese Aussagen stimmen. Sie treffen aber wahrscheinlich nicht auf den aktuell stattfindenden Wandel zu. Dieser ist meiner persönlichen Einschätzung nach so tiefgreifend, dass wir ernsthaft über grundlegende Veränderungen nachdenken müssen. Es ist nicht damit getan, zu hoffen, dass genug neue Arbeitsplätze entstehen werden, um das gewohnte Modell einfach weiter zu leben. Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob Arbeit in Zukunft noch das zentrale Mittel sein darf, mit dem wir das stetige Wachstum und unseren Reichtum ankurbeln.

In Davos wird das Bedingungslose Grundeinkommen unter dem Gesichtspunkt der Sicherung eines Existenzminimums diskutiert. Dies geht nach meiner Meinung nicht weit genug und wird die auf uns zukommenden Herausforderungen nicht lösen, sondern nur abschwächen. Ein Grundeinkommen muss – wenn es dazu beitragen soll, den gesellschaftlichen Wandel zu ermöglichen – geeignet sein, jedem Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dies schließt mehr ein, als Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf.

Aber warum ist es wichtig, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft so viel Grundeinkommen erhält, dass er theoretisch gut davon leben kann, ohne arbeiten zu gehen? Ganz einfach, weil dies ein sehr effektiver Schritt ist, die Schere zwischen Arm und Reich nicht größer werden zu lassen. Die Sicherung eines reinen Existenzminimums würde dazu führen, dass in Zukunft große Teile der Gesellschaft vom öffentlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen würden. Dieser Teil der Gesellschaft würde lediglich dazu dienen, der Wirtschaft ein “Grundrauschen” an Umsatz zu ermöglichen. Dabei ist egal, ob diese Menschen in der Lage wären zu arbeiten, aber sich mit dem Minimum zufrieden geben, oder ob sie eigentlich gerne durch Arbeit ein höheres Einkommen erzielen möchten, aber aus verschiedenen Gründen keine Arbeit in der neuen Arbeitswelt bekommen.

Ermöglicht das Bedingungslose Grundeinkommen aber die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, wird sich die Gesellschaft dahingehend entwickeln, dass Arbeit von vielen Menschen nach anderen Kriterien bewertet wird. Nicht der Tausch von Zeit gegen Geld wird dann der wichtigste Maßstab sein, sondern andere Kriterien (Selbstverwirklichung, Nutzen für die Gesellschaft, etc.) werden stärker in den Fokus gerückt. Dies wiederum wird vielleicht dazu führen, dass der Umbau unserer Gesellschaft effektiver von Statten gehen wird.

Was ist Arbeit heute – neben der Möglichkeit Geld zu verdienen – für unsere Gesellschaft? Nach meiner Beobachtung ist sie oftmals zentrales Bewertungskriterium für den Wert eines Menschen. Nur wer Arbeit hat, wird so richtig ernst genommen. Zwar werden diejenigen, die (aus welchem Grund auch immer) auch ohne Arbeit am gesellschaftlichen Leben teilhaben können beneidet, aber so richtig ernst genommen werden diese Personen oftmals nicht. Wer keine Arbeit hat und auf Unterstützung durch den Staat angewiesen ist, wird heute oftmals als faul betrachtet. Und wer faul ist, scheint in unserer Gesellschaft weniger Wert zu sein als diejenigen die Arbeiten gehen.

Da es durch die Digitalisierung in den nächsten Jahren immer mehr dieser Menschen geben wird, die einfach nicht arbeiten, wird es also auch immer mehr von denjenigen geben, die nach den aktuellen Maßstäben der Gesellschaft weniger Wert sind als andere. Dies – und nicht der Verlust von Kaufkraft durch den Wegfall von Arbeitsplätzen – wird die größte Herausforderung sein, die wir in den nächsten Jahren zu meistern haben. Die Grundlage des Wertes, den ein Mensch für die Gesellschaft hat, muss eine andere werden! Aus meiner Sicht ist das Bedingungslose Grundeinkommen fast die einzige Möglichkeit, diesen Wandel positiv zu gestalten.

Was meinen Sie? Ist das Bedingungslose Grundeinkommen für den Wandel der Gesellschaft wichtig? Oder steht uns gar kein so großer Wandel bevor, wie ich befürchte? Reicht ein sehr geringes Grundeinkommen oder muss dieses auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen? Sollen also auch diejenigen, die in Zukunft gar nicht mehr arbeiten, teilhaben dürfen?

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