Beiträge

2. Teil: Sind zentrale Bestellplattformen für Lieferdienste sinnvoll?

Diese zweiteilige Artikel-Serie entsteht, weil mich eine Diskussion bei Facebook zum nachdenken über Verkaufsplattformen für lokale Anbieter von Produkten und Dienstleistungen angeregt hat. Ursprung der Diskussion war die Aussage, dass ein Pizzabäcker der über Lieferando seine Produkte anbietet vor dem Problem steht, dass seine Kunden mittlerweile ausschließlich diesen Bestellweg nutzen. Dies kostet den Pizzabäcker jeweils bis zu 20% Provision, die er natürlich eigentlich lieber als zusätzliche Marge verbuchen möchte. Am Ende dieses Beitrages gibt es eine konkrete Liste mit Schritten die jeder lokale Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen für sich nutzen kann.

Hier die Diskussion bei Facebook im Detail:

Pizza Mann um die Ecke nutzt die Bestellplattformen im Internet und zahlt bis zu 20% an Lieferando & Co. Am Ende wird…

Posted by Rainer Weichbrodt on Montag, 14. September 2015

Newsletter-Marketing

Der nächste Schritt besteht darin, die Kommunikation mit der Kundschaft anzukurbeln und in der eigenen Hand zu halten. Ich bin im generell ein großer Fan von Newsletter-Marketing. Ganz besonders für lokale Angebote ist dieses Instrument großartig! Wie kann ein Pizzabäcker schnell einen relevanten Verteiler aufbauen? Denkbar ist auch hier ein Rabatt. Nämlich für jeden Kunden der sich für den Newsletter registriert. Oder man überlegt sich ein Geschenk für jeden neuen Abonnenten. Etwa ein Rezept für einen guten Pizzateig. So lässt sich schnell ein relevanter Verteiler aufbauen, mit dem man in Zukunft kommuniziert und alle weiteren Schritte angehen kann.

Eine eigene Community erschaffen

Denn die zentralen Bestellportale argumentieren oftmals, dass der Austausch zwischen den Kunden ein wichtiger Punkt sei. Als Kunde könne man sich auf das Bewertungssystem verlassen und würde so weniger Reinfälle erleben. Dieses Argument zählt für Kunden die den Geschmack der Pizza schon kennen nur bedingt. Trotzdem sollte man auch als lokal ansässiger Pizzabäcker den Community-Gedanken nicht aus dem Auge verlieren. Wer es schafft Kunden zu Fans zu machen, ist ganz weit vorne.

Was tut man aber als Pizzabäcker um diesen Gedanken voran zu treiben? Hier steht der Pizzabäcker vor einer Entscheidung durch die er viel erreichen kann. Er wird aber ggf. in Zukunft auch viel mehr Arbeit mit der Kommunikation mit Kunden haben. Denn eine Community sollte nicht unmoderiert bleiben und ist auf keinen Fall ein Selbstläufer.
Wenn sich ein Pizzabäcker dazu entschließt, seine Kunden nicht nur zu begeistern sondern diese Begeisterung auch für die Neukundengewinnung aktiv zu nutzen, steht er vor der Wahl. Welches Netzwerk soll er nutzen um seine Kunden zu organisieren? Ich plädiere für Facebook. Dort würde ich eine Gruppe (keine Fanpage!) einrichten und versuchen aktiv Mitglieder zu gewinnen. Dies geschieht über den eigenen Mailverteiler. Aber – und das ist ein Punkt der Geld kostet, also gut durchgerechnet werden sollte – ohne aktives Marketing wird es kaum gehen. Hier bietet Facebook mit den verschiedenen Werbemöglichkeiten großartige Instrumente um potentielle Kunden aus dem eigenen lokalen Umfeld zu Gruppenmitgliedern zu machen. So wächst die Community schneller und bietet einen höheren Mehrwert.

Dabei aber bitte nicht vergessen: Zentrales Kommunikationsmedium sollte weiterhin der eigene Newsletter sein. Ziel muss es sein, Gruppenmitglieder zu Abonnenten zu machen und so die Kommunikation selber in der Hand zu haben!

Die Bedeutung der eigenen Webseite

Eigentlich bin ich kein Freund davon, mehr als eine rein informative Webseite zu empfehlen. Das gilt besonders für lokale Einzelhändler, die immer wieder die Tendenz haben sich im Onlineshop-Betrieb zu versuchen anstatt sich auf andere Themen zu konzentrieren.

Im Fall unseres Pizzabäckers bin ich da geteilter Meinung. Eigentlich tendiere ich sogar mindestens zu einer Online Bestellmöglichkeit. Und wie kann diese anders aussehen als ein Onlineshop? Aber warum sehe ich das beim Pizzabäcker anders als bei anderen lokalen Geschäften? Weil die Kunden die der Pizzabäcker bedient, nach eigenem bekunden diese Möglichkeit schätzen. Immerhin haben sie zu einem erheblichen Teil über die zentralen Bestellportale online bestellt und würden das wahrscheinlich gerne auch weiterhin tun.
Das bedeutet aber, dass der Pizzabäcker mit seiner neuen Vertriebsstrategie nur dann erfolgreich sein wird, wenn er diese Möglichkeit selber anbietet anstatt sie gegen hohe Provisionen von anderen anbieten zu lassen.

Leider ist ein Onlineshop mindestens am Anfang mit einem sehr hohen Arbeitsaufwand verbunden. Auch der finanzielle Aufwand ist anfänglich recht hoch. Dies muss sehr genau durchkalkuliert und mit den Provisionskosten verglichen werden. Nur wenn sich ein Onlineshop innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes rechnet, sollte dieses Projekt angegangen werden.

pizza-846841_1280Und jetzt? Kann der Pizzabäcker die Bestellplattformen links liegen lassen?

Das ist eine gute Frage. Und es gibt eine klare Antwort: Nein!

Als Instrument für die Neukundengewinnung sollten Bestellportale weiterhin in den Vertriebsmix gehören. Potentielle Kunden gucken wahrscheinlich zuerst im Netz nach neuen Essens Lieferanten. Sei es weil sie mit ihrem bisherigen Lieferanten unzufrieden sind oder weil sie neu hinzugezogen sind. Google und die zentralen Bestellportale werden die ersten Anlaufstellen sein.

Gutes Stichwort übrigens. Was ist mit Google und der Optimierung für Suchmaschinen generell? Sollte dies für einen Pizzabäcker – wenn er sich von zentralen Bestellportalen unabhängig machen möchte – eine Rolle spielen? Auch hier gibt es eine eindeutige Antwort: Ja!

Das Profil bei Google My Business sollte gut gepflegt sein, die eigenen Webseite relevante Inhalte liefern und regelmäßig mit Neuigkeiten versehen werden. Im gesamten Vertriebs Mix stellt Google eine wichtige Umsatzquelle dar, die man nicht vernachlässigen sollte. Unser Pizzabäcker sollte aber auch hierbei den Newsletter für sein Marketing nicht aus dem Auge verlieren und Besucher die per Google zu ihm gelangen möglichst schnell zu Abonnenten machen.

Verstanden. Newsletter-Marketing ist der Schlüssel zum Erfolg.

Richtig. Der gesamte Beitrag dreht sich ja eigentlich nur darum, wie unser Pizzabäcker seine fatale Abhängigkeit von einem Vertriebskanal beenden kann. Dazu empfehle ich ganz eindeutig die Konzentration auf einen anderen Kanal. Nämlich den eigenen Newsletter. Auch hier hat der Pizzabäcker wieder nur einen zentralen Kanal, aber er hat ihn selber in der Hand und steuert so seine Kunden effizient.

Für mich stellt dieser Newsletter wirklich das zentrale Tool dar. Hierüber sollten regelmäßig neue Angebot (wenn möglich exklusiv für Abonnenten) gestreut, neue Produkte angekündigt und Aktionen kommuniziert werden. Alle anderen Vertriebskanäle dienen entweder nur der Unterstützung (Facebook, Google) oder aber dazu die Bestellung endgültig unter Dach und Fach zu bringen (Onlineshop).

Ich würde den Newsletter für unseren Pizzabäcker sogar gar nicht als Marketingtool bezeichnen. Für mich ist dies DAS Vertriebsinstrument und somit ein Verkaufskanal. So sollte er auch gesehen werden, ohne aufdringlich zu wirken. Das Ziel des Newsletters ist es aber ganz klar nicht, nur Interaktion zu bieten. Es geht darum mehr Pizzen zu verkaufen!

Das war sie. Die zweiteilige Serie zum Online Vertrieb eines Pizzabäckers. Haben Sie dazu Fragen oder Anregungen? Die Kommentarfunktion beider Artikel steht dafür offen. Alternativ schreiben Sie eine eMail an dennis@arntjen.me oder rufen Sie direkt an unter 0151/27536121.

1. Teil: Sind zentrale Bestellplattformen für Lieferdienste sinnvoll?

Diese zweiteilige Artikel-Serie entsteht, weil mich eine Diskussion bei Facebook zum nachdenken über Verkaufsplattformen für lokale Anbieter von Produkten und Dienstleistungen angeregt hat. Ursprung der Diskussion war die Aussage, dass ein Pizzabäcker der über Lieferando seine Produkte anbietet vor dem Problem steht, dass seine Kunden mittlerweile ausschließlich diesen Bestellweg nutzen. Dies kostet den Pizzabäcker jeweils bis zu 20% Provision, die er natürlich eigentlich lieber als zusätzliche Marge verbuchen möchte. Am Ende dieses Beitrages gibt es eine konkrete Liste mit Schritten die jeder lokale Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen für sich nutzen kann.

Hier die Diskussion bei Facebook im Detail:

Pizza Mann um die Ecke nutzt die Bestellplattformen im Internet und zahlt bis zu 20% an Lieferando & Co. Am Ende wird…

Posted by Rainer Weichbrodt on Montag, 14. September 2015

Zentrale Internetplattformen für lokal angebotene Produkte und Dienstleistungen

Es gibt viele dieser zentralen Plattformen. Lieferando für Essenslieferungen nach Hause, MyHammer für Dienstleistungen von Handwerkern und diverse Anbieter die es dem lokalen Einzelhandel ermöglichen möchten, Produkte online anzubieten. Gemeinsam haben diese Plattformen auf jeden Fall eine Sache: Sie möchten Geld verdienen. Entweder durch eine Pauschale oder aber durch Umsatzbeteiligung. Das ist auch gar nicht weiter schlimm, sondern sogar sehr verständlich und für mich selbstverständlich.

Ich möchte in diesem Beitrag gerne bei der Bestellung von Pizza oder anderen Gerichten für die Lieferung nach Hause bleiben. Dies macht es ein wenig einfacher, anhand eines Beispiels die Fallen zu klären. Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Aussagen aber auch gut auf andere Plattformen übertragen. Wenn es dazu Fragen gibt, dann gerne in den Kommentaren zu diesem Beitrag.

Das Beispiel. Pizzabäcker vertreibt seine Pizza über eine Online Plattform.

Weil es so gut passt, bleibe ich gleich mal beim Pizzabäcker der seine Pizza (und andere Gerichte) auf einer zentralen Bestellplattform neben den Produkten anderer Anbieter vertreibt. Er wurde wahrscheinlich in der Vergangenheit auf diese Möglichkeit aufmerksam, da entweder Kunden nachgefragt haben oder er sich selber gedacht hat, dass ein zusätzlicher Bestellweg nicht schaden kann. Er hatte also das Ziel, einen weiteren Vertriebsweg zu öffnen. Wahrscheinlich war sein vorrangiges Ziel die Gewinnung neuer Kunden.

Heute steht dieser Pizzabäcker vor dem Problem, dass seine Kunden ausschließlich die zentrale Bestellplattform nutzen um sich Essen nach Hause liefern zu lassen. Es bestellen also auch die Kunden online, die ihn bereits kennen. Vielleicht sogar solche, die früher einmal per Telefon bestellt haben. Das ist nicht gut für die Marge des Pizzabäckers, verlangen die zentralen Bestellplattformen doch durchaus bis zu 20% Verkaufsprovisionen. Dazu kommt noch das Problem, dass es immer schlecht ist wenn man als Anbieter nur einen Vertriebsweg hat. Wenn man diesen dann noch nich einmal selber in der Hand hat, dann ist das richtig böse.

Warum tun Kunden das?

In der Diskussion bei Facebook kam kurzzeitig der Punkt “Verantwortung des Kunden” ins Gespräch. Ich bin aber der Meinung, dass man den Kunden hier keinen Vorwurf machen kann. Sie nutzen einfach den Bestellweg der für sie am interessantesten ist. Sei es, weil die Bestellung online so schön einfach ist oder aber weil die genutzte Plattform sogar noch Rabatte anbietet, wenn man häufiger deren Bestellfunktion nutzt. Beides sind gute Gründe, die ich durchaus nachvollziehen kann. Ich habe genau aus diesen beiden Gründen schon häufig eine Bestellplattformen genutzt.

Der Kunde ist also nicht “böse”. Er tut das was ihm am meisten Nutzen bringt.

Was sollte unser Pizzabäcker daraus lernen?

Die Analyse

Zunächst einmal sollte er sich darüber im Klaren sein, welchen Nutzen ihm der zusätzliche Vertriebsweg bringt. Hat er dadurch höhere Umsätze erwirtschaftet? Kaufen seine Kunden häufiger bei ihm ein? Ist der Umsatz je Bestellung gestiegen? Hat er seit Nutzung des neuen Vertriebskanals überdurchschnittlich viele Neukunden gewonnen? Was sagen seine Kunden zu dieser Bestellmöglichkeit? Warum nutzen sie diese?

Erst wenn diese Analyse abgeschlossen ist, sollten die weiteren Schritte geplant werden. Was aber von Anfang an klar sein dürfte: Den zusätzlichen Vertriebsweg abschalten wird wohl keine Option sein, dazu haben sich die Kunden zu sehr an diesen gewöhnt.

Nach der Analysetuscany-685110_1280

Nach der Analyse folgt die Planung möglicher Maßnahmen. Ziel dieser Maßnahmen muss sein, die eigenen Kunden dazu zu bewegen wieder vermehrt andere Bestellwege zu nutzen und nicht mehr über die zentralen Bestellplattformen Pizzabestellungen zu erledigen.

Dabei sollte die Rückgewinnung einer höheren Marge im Vordergrund stehen. Es geht also darum, niedrigere Kosten pro Bestellung zu erzeugen. Aber auch darum, den eigenen Vertrieb wieder stärker in der Hand zu haben und so besser steuern zu können. Denn ein denkbares und für einen Pizzabäcker vielleicht sogar Existenzbedrohendes Szenario dürfte der Wegfall eines oder mehrerer Bestellportale sein. Immerhin handelt es sich bei diesen oftmals um StartUps in einem sehr hart umkämpften Markt, der aktuell noch gar nicht aufgeteilt wurde.

Wie kann also eine Strategie aussehen, die den eigenen Gewinn maximiert und die Bindung der eigenen Kunden an den Pizzabäcker erhöht?

Kunden zu Direktbestellern machen

Für den Anfang ist die einfachste Maßnahme sicherlich eine Rabattaktion für die Kunden die nicht mehr über das zentrale Bestellportal ordern. Jeder Kunde der telefonisch, per eMail oder über die Webseite des Pizzabäckers bestellt erhält einen exklusiven Rabatt. Da dieser wahrscheinlich unter 20% liegen wird, erhöht sich dadurch die Marge im Durchschnitt wahrscheinlich schon. Ein wenig hängt dies natürlich davon ab wieviele Kunden bisher über Bestellportale geordert haben und wieiviele direkt. Denn diejenige die bisher auch ohne Rabattaktion direkt bestellt haben, profitieren selbstverständlich auch von der neuen Rabattaktion. Das sollte aber wohl kein großes Risiko darstellen.

Dies war der erste Teil der zweiteiligen Serie zur Online Vertriebsstrategie des Pizzabäckers. In der nächsten Woche (pünktlich am Dienstag um 12.30 h) erscheint der zweite Teil. In diesem geht es um das zentrale Vertriebstool Newsletter. Sie dürfen also gespannt sein, was da noch kommt…
In der Zwischenzeit diskutieren Sie gerne fleißig in den Kommentaren zu diesem Artikel. Oder aber Sie schreiben eine eMail an mich (dennis@arntjen.me) bzw. rufen direkt an (0151/27536121).

Blogparade: Definition des digitalen Wandels

Alexander Surowiec startet eine Blogparade zur Definition des Begriffs “Digitaler Wandel”. Was meinen wir, wenn wir vom digitalen Wandel sprechen? Alexander Surowiec ist in Österreich politisch aktiv und stößt in seinen Diskussionen zum Thema Digitalisierung immer wieder an Grenzen. Grenzen von denen er denkt, dass sie nur deshalb bestehen, weil wir keine einheitliche Definition der Begrifflichkeiten haben. Politiker meinen den Begriff zum Beispiel anders als Unternehmer. Deshalb ruft er zu einer Begriffsdefinition auf, von der er sich erhofft in Zukunft besser einordnen zu können was die verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel eigentlich meinen.

Folgende Fragen gibt Alexander Surowiec uns dazu an die Hand. Ich selber beantworte nicht alle, sondern nur zwei.

Hier die Fragen:

  1. Wie sieht eigentlich digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aus?
  2. Was müssen Bürgerinnen und Bürger an Wissen verfügen, um im digitalen Zeitalter souverän zu bestehen?
  3. Welche Kompetenzen werden eigentlich vorausgesetzt, um Digitalisierung überhaupt erlebbar zu machen?
  4. Wird die Digitalisierung Arbeitsplätze in Österreich schaffen oder reduzieren?
  5. Welche Chancen und Risiken der Digitalisierung erwarten uns eigentlich?
  6. Welche Chancen entstehen durch die Digitalisierung und wie sind die Chancen der Digitalisierung per se?

Für diesen Beitrag habe ich mir die Fragen 1 und 5 ausgesucht. Vielleicht finden sich ja Leser die eine oder mehrere der anderen Fragen zusätzlich beantworten möchten? Dann gerne in den Kommentaren oder als eigener Beitrag zur Blogparade auf dem eigenen Blog. Ich würde mich freuen, wenn wir viele Beiträge auch aus Deutschland finden.

Frage 1: Wie sieht eigentlich digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aus?

Das Thema Digitalisierung ist ein so vielschichtiges, dass es mir schwer fällt hier eine eindeutige Antwort zu geben. Der digitale Wandel berührt alle Lebensbereiche und hat für mich persönlich nicht ausschließlich etwas mit “dem Internet” zu tun. Deshalb gehört zur Beantwortung dieser Frage auch eine Definition der verschiedenen Aspekte von Digitalisierung.

Der digitale Wandel verändert alles: Unser Zusammenleben, Zwischenmenschliche Verhaltensweisen, die Art wie wir arbeiten, die Art wie wir Freizeit gestalten, unser Verhalten gegenüber öffentlichen Institutionen, das Vertrauen in Politik und Verwaltung, die Art wie wir Technologien anwenden, den Kreis der Anwender komplexer Technologien und viele andere Aspekte unseres Lebens. Digitaler Wandel ist also nicht nur der technische Wandel, sondern viel mehr. Digitalisierung ist eine grundsätzliche Veränderung unserer Welt durch Technologie.

Die Frage danach wie digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aussieht, muss ich also sehr abstrakt beantworten:

Digitale Kompetenz ist für mich die Fähigkeit, Veränderungen der Gesellschaft mit fortschreitender Technologisierung zu erfassen und erfolgreich zu nutzen. Die wichtigste digitale Kompetenz ist also die Fähigkeit, stetig dazu zu lernen und neue Dinge umzusetzen.

Ein Beispiel: Der Umgang mit unseren persönlichen Daten hätte sich im Zuge der Digitalisierung unseres Kommunikationsverhaltens (Stichwort soziale Medien) eigentlich viel früher und schneller wandeln müssen als er es hat. Große Teile der Gesellschaft haben diesen Wandel nicht vollziehen können, weil sie den Wandel hin zu digitaler Kommunikation gar nicht richtig erfasst haben. Viele Menschen nutzen heute noch die sozialen Medien genau so wie das eigene Telefon oder verhalten sich in öffentlichen Gruppen ähnlich wie im eigenen Wohnzimmer. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass große Wirtschaftsunternehmen viele private Daten von sehr vielen Menschen kennen und für die eigenen Zwecke nutzen. Die Tatsache, dass wir alle dadurch stark personalisierte Werbung erhalten ist dabei nur ein Aspekt. Was mit den vielfältigen Daten sonst noch passieren kann, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.

Anhand des Aspektes unserer persönlichen Daten lässt sich sehr gut erkennen, dass nicht nur jeder Mensch für sich digitale Kompetenzen braucht. Es ist äußerst wichtig, dass unsere Gesellschaft im Gesamten die Kompetenz erlangt, sich wandelnde Dinge frühzeitig zu erkennen und zur Diskussion zu stellen. Nicht um diesen Wandel zu stoppen, sondern um in der Lage zu sein rechtzeitig geeignete Maßnahmen und Verhaltensweisen zu definieren und so einen größeren Teil der Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, welche Veränderungen passieren und welche positiven und negativen Veränderungen sich daraus ergeben.

Generell würde ich folgende Kompetenzen als notwendig erachten:

  1. Datenschutz Kompetenz
  2. Fähigkeit zum sinnvollen Einsatz digitaler Kommunikationsmittel
  3. Stetiges lernen und Anpassung an den Wandel
  4. Digitale Medienkompetenz

Sicherlich lassen sich noch weitere Kompetenzen heraus arbeiten. Auch hier also die Aufforderung an Sie: Nutzen Sie die Kommentare zu diesem Beitrag und tragen Sie gerne weitere Kompetenzen bei.

Wandergruppe

Niemand sollte zurückbleiben

Frage 5: Welche Chancen und Risiken der Digitalisierung erwarten uns eigentlich?

Diese zu erkennen ist eine wesentliche digitale Kompetenz. Es ist wichtig, dass wir darüber diskutieren ohne alles zu schwarz oder weiß zu sehen. Eine Ergebnisoffene Diskussion zu den Chancen und Risiken wird nach meiner Erfahrung leider sehr oft im Keim erstickt, weil die jeweils andere Seite bestimmte Thesen als “übertrieben negativ” oder aber als “vom digitalen Wandel verblendet” abgestempelt wird.

Welche Chancen erwarten uns also?

Aus meiner Sicht ist eine große Chance die Demokratisierung von Kommunikation. Nicht mehr einzelne Personen oder Institutionen haben die Hoheit darüber, ein bestimmtes Thema zu kommunizieren und ihre Meinung beizutragen. Wir sind alle mehr oder weniger gut in der Lage öffentlich zu kommunizieren und unsere Meinung kund zu tun. Diese Chance tritt aus meiner Sicht gerade wieder etwas in den Hintergrund. Die Tatsache, dass sich verstärkt die großen Spieler Facebook, Twitter und Google in das Mediengeschäft einmischen und durch ihre ihre Reichweite die Macht besitzen, zu steuern welche Meinungen und Berichte prominent platziert werden, gerät die Demokratisierung in Gefahr.

Der digitale Wandel eröffnet uns ebenfalls erhebliche Chancen bei der Erlangung von Kompetenzen die früher für bestimmte Personengruppen nicht zu erreichen gewesen sind. Durch das Internet kann jeder alles erfahren. Wer die Fähigkeit besitzt selbständig zu lernen und sich Wissen anzueignen, ist in der Entwicklung seiner Kompetenzen nicht mehr auf einen engen Fachbereich eingeschränkt. Diese Tatsache stellt nicht nur eine große Chance für den einzelnen dar, sondern für unsere gesamte Gesellschaft.

Risiken sehe ich darin, dass die Verfügbarkeit vielfältigster Daten durchaus dazu führen kann, dass bestimmte Machtansprüche mit Hilfe dieses Wissens untermauert und durchgesetzt werden. Staaten nutzen schon heute die verschiedenen Möglichkeiten um Terrorismus und andere Staaten zu bekämpfen. Ich bin mir sicher, dass hinter den Kulissen heftige Kämpfe nicht nur um Daten zur Produktentwicklung und Innovation sondern auch um persönliche Daten wichtiger Personen einzelner Branchen tobt. Wissen ist Macht. Und noch nie war es so leicht, Wissen aus verschiedenen Quellen abzugleichen, miteinander in Beziehung zu setzen und daraus entsprechend gewinnbringende Rückschlüsse zu ziehen.

Ein weiteres Risiko des digitalen Wandels besteht darin, dass wir es vielleicht nicht schaffen den größten Teil der Gesellschaft mitzunehmen. Diejenigen die beim Wandel abgehängt werden, haben es in Zukunft sehr schwer. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft die entsprechenden Kompetenzen definieren und vermitteln.

Sicherlich gibt es noch wesentlich mehr Chance uns Risiken? Welche sind das aus Ihrer Sicht? Nutzen Sie (wieder einmal) die Kommentarfunktion und teilen Sie mir mit welche Chancen uns Risiken Sie sehen.

Dies war nun also mein Beitrag zur Blogparade von Alexander Surowiec. Ich freue mich auf viele weitere Beiträge und beobachte gespannt, was da noch kommt. 🙂

Verschläft Deutschland die Digitalisierung der Gesellschaft?

Manchmal geht es einfach nicht anders. Da müssen dann auch mal Journalisten auf die Pauke hauen. So geschehen am 28.08.2015 in der Welt. Unter dem Titel “Was bei Deutschlands Digitalisierung schief läuft” fasst Stefan Dörner (unter anderem) am Beispiel von DE-Mail zusammen, was ich “ungesund lange andauernden Tiefschlaf” nennen würde.

Inhalt

  1. Bleiben wir beim Beispiel: De-Mail – aber auch andere
  2. Was sind die Ursachen dafür?
  3. Und wie lässt sich das ändern?

Bleiben wir beim Beispiel: De-Mail – aber auch andere

De-Mail, von Experten als nicht zielführend und technisch weder aufregend noch besonders innovativ gekennzeichnet, hat einen langen Weg hinter sich. Von der Idee elektronische Kommunikation sicherer 8und somit rechtssicher) zu machen bis zur Umsetzung hat es sehr sehr lange gedauert. Zwischenzeitlich wurde auf Basis von Annahmen ein kompliziertes Verwaltungs- und Gesetzes-Konstrukt erschaffen, dass am Ende vollkommen an den Bedürfnissen der anvisierten Nutzer vorbei geht. Wenn sich ein StartUp diese Art der Produktentwicklung und Umsetzung leisten würde, dann wäre ganz schnell Feierabend!

Mir persönlich offenbart De-Mail nicht nur erhebliche Kompetenzmängel auf. Das gesamte Verfahren zeigt auch, dass die Strukturen unserer Behörden im digitalen Zeitalter einfach nicht mehr die notwendige Geschwindigkeit aufbringen um mit dem Wandel der Welt mithalten zu können. Es fehlt also nicht alleine an digitaler Kompetenz, sondern die Probleme sind struktureller Natur. Für mich ist diese Tatsache viel schwerwiegender als fehlendes Wissen.

Auch die anderen, von Stefan Dörner benannten Beispiele offenbaren große Schwächen. Ich bin dabei nicht unbedingt der Meinung, dass die beschriebenen Probleme mit dem öffnen von Autos per App in diese Kategorie gehören. Auch US-Unternehmen verfahren bei der Entwicklung neuer Produkte häufig nach dem Prinzip, den Kunden als Beta-User zu mißbrauchen.

Bei Beispiel der Netz-Infrastruktur bin ich dann aber wieder beim Autor. Ich selber lebe recht ländlich in einer 20.000 Einwohner Stadt. Seit etwas über einem Jahr mache ich die Erfahrung, dass langsames Internet manchmal richtig doof sein kann. Am alten Wohnort durch eine 50MBit Leitung verwöhnt, komme ich seitdem mit maximal 16MBit aus. Und ich leide… Dabei haben wir hier ja noch Glück, denn es gibt “um die Ecke” durchaus auch Gegenden die können von 2stelligen MBit Werten nur träumen.

Auch wenn so langsam Fahrt in diese Sache kommt, bin ich entsetzt. Dieses Thema sollte eigentlich schon lange vom Tisch sein! Zu erfolgreichem digitalen Wandel gehören Datennetze die mit den neuen Anforderungen umgehen können. Da gibt es gar nichts zu diskutieren. Aber das hat unser politischer Apparat mittlerweile auch bemerkt. Leider sehr spät. Hoffentlich nicht zu spät…

Neben diesen Beispielen aus dem besagten Artikel, könnten wir wahrscheinlich ewig lange Zeit damit verbringen weitere Beispiele zu benennen und zu diskutieren. Die Ursache für viele dieser Beispiel ist aber immer dieselbe.

Was sind die Ursachen dafür?

Eine wesentliche Ursache für den doch sehr langsam von Statten gehenden digitalen Wandel in Deutschland ist meiner Meinung nach eine große Stärke der Vergangenheit. Wir sind hier in Deutschland die absoluten Planungs-Asse. Bevor wir handeln, planen wir alle haarklein durch. Und genau damit haben wir eines der Probleme entdeckt! Die Zeiten sind zu schnelllebig geworden. Die Entwicklung überholt uns immer dann, wenn wir (speziell unsere Behörden) noch die Dinge planen die anderswo schon lange gelöst wurden. Das ist nicht gut.

Eine weitere Ursache ist meiner Meinung nach der Dschungel an Behörden. Schon alleine die Gründung eines Unternehmens das innovative Ideen nach vorne bringen möchte, ist ein riesiger Aufwand. Zeit-, Geld und Nerven die lieber in die Entwicklung neuer Ideen und die Perfektionierung bestehender Dinge investiert werden sollten. Hier muss ganz dringen etwas passieren um Gründern die Arbeit zu erleichtern und mehr Freiräume für Innovationen zu schaffen. Dann klappt das auch mit der digitalen Transformation.

Leider war es das aber noch nicht. Es gibt noch mehr Gründe, die uns daran hindern den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten. Ein Beispiel möchte ich hier noch bringen.
Unsere großen Konzerne (das hat Stefan Dörner im Artikel bereits angedeutet) schlafen recht tief und fest. Fehlentwicklungen oder nicht perfekt zu Ende entwickelte Produkte sind dabei das eine. Das verschlafen völlig neuer Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen wiegt aber wesentlich schwerer.

Mittlerweile gibt es zwar sehr viele große Konzerne die erkannt haben, dass Sie von StartUps lernen können und müssen. Das kommt meiner Meinung nach aber sehr spät und hat unsere Handlungsfähigkeit in Sachen digitalem Wandel in den letzten Jahren extrem eingeschränkt. Leider.

Es wird gut. Gemeinsam sind wir stark.

Es wird gut. Gemeinsam sind wir stark.

Und wie lässt sich das alles ändern?

Es passiert gerade viel Gutes. Mit Go-Digital ist ein Förderprogramm in der Modellphase, dass KMU dabei helfen soll den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern. Das Programm ist wirklich gut gemacht und gedacht. Es kann meiner Meinung nach dazu beitragen, Kompetenzen in Unternehmen zu tragen, damit diese am Ende in der Lage sind den digitalen Wandel erfolgreich zu vollziehen. Also ein guter Punkt.

In vielen Konzernen hat ebenfalls ein Umdenken begonnen. Mit der RWE war im August beim StartUp Kickern ein Sponsor an Bord, der sich intensiv damit auseinander setzt neue Geschäftsmodelle und innovative Ideen zu finden. Damit ist die RWE nicht alleine und ich denke, dass dies ein wichtiger Pflasterstein auf dem langen Weg des digitalen Wandels sein wird. Denn nur durch “Neu denken” werden wir neue Strukturen entwickeln und so wieder mit dem Rest der Welt mithalten können.

Generell beobachte ich in den letzten Monaten das “digitaler Wandel” nicht mehr als etwas böses gesehen sondern als Chance begriffen wird. Das war vor einem Jahr in vielen Köpfen noch ganz anders besetzt und dieses Denken hat dazu geführt, dass man sich nicht gerne mit diesen Veränderungen auseinander gesetzt hat. Also auch hier: Das ist eine super Entwicklung!

Ich habe gar kein Patentrezept und kann somit die Frage nach dem “Wie” auch nicht abschließend beantworten. Aus meiner Sicht (und ich beschäftige mich wirklich viel mit diesem Thema) ist viel Gutes in Bewegung. Manches davon erlebe ich als viel zu langsam ablaufenden Prozess. Andere Dinge erkenne ich und bin erstaunt, wie gut sie laufen. Alles in allem bin ich positiv eingestellt.

Ich glaube allerdings auch, dass wir den Prozess des digitalen Wandels nur erfolgreich bestreiten können, wenn wir gemeinsam daran arbeiten. Konzepte entwickelt man eben immer dann am besten, wenn viele Köpfe aus der Praxis zusammenkommen und einvernehmlich Lösungen suchen. Die Umsetzung darf dann gerne jeder für sich vornehmen und ausprobieren wie es am besten funktioniert. Am Anfang stehen aber kreative Prozesse und gemeinsame Anstrengungen.

Diesen Prozess möchten wir begleiten. Aus diesem Grund planen wir eine Reihe von Veranstaltungen die sich rund um die Digitalisierung drehen. Dazu haben wir uns 5 Oberbegriffe “ausgedacht” die wir als grobe Orientierung nutzen möchten: Marketing, Vertrieb, Führung, Geld & Recht, Innovation. Dabei soll es nicht nur um Digitales an sich gehen, sondern auch um den Wandlungsprozess selber. Ich persönlich bin sehr gespannt darauf, was sich daraus entwickelt.

Kunden bevorzugen Einkaufsmöglichkeiten in ihrem lokalen Umfeld

Wer meinen Blog unter http://scoop.nrw kennt, der weiß bereits das ich ein großer Verfechter des “Buy Local” Gedankens bin und für lokale inhabergeführte Einzelhändler stets auf der Suche nach Konzepten bin, wie diese in Zeiten der stark voranschreitenden digitalen Transformation Kunden erreichen und dazu bewegen, lokal einzukaufen. Nun gibt es eine neue Studie der Allensbach Stiftung mit dem Titel “lokale Welten” aus der sich entnehmen lässt, dass Kunden so oder so eher die lokalen Einkaufsmöglichkeiten bevorzugen. Eine Infografik von Locafox fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Ich kommentiere in diesem Artikel diese Erkenntnisse und ziehe Rückschlüsse für den lokalen Einzelhandel.

Inhalt

  1. Die wichtigsten Aussagen der Allensbach Studie in der Zusammenfassung
  2. Welche Rückschlüsse lassen sich aus diesen Aussagen für den lokalen inhabergeführten Einzelhandel ziehen?
  3. Wie weit ist der Weg denn noch?

Die wichtigsten Aussagen der Allensbach Studie in der Zusammenfassung

88% der befragten Kunden, schätzen am stationären Einzelhandel die Möglichkeit, Dinge haptisch zu erleben und prüfen zu können.
Für mich persönlich ist dies sehr gut nachvollziehbar. Ich treffe nur sehr ungerne eine Kaufentscheidung, ohne ein Produkt in der Hand gehalten zu haben. Es gibt natürlich Waren, die muss man einfach nicht anfassen bevor man sie kauft. Aber bei Kleidung, Elektroartikeln, vielen Lebensmitteln und sogar Büchern möchte ich die Ware persönlich gesehen und angefasst haben. “Komisch” denkt ihr? Warum will er denn Fernseher anfassen? Das ist natürlich richtig. Da geht es dann wohl doch eher darum, ein Produkt “erlebt” zu haben bevor ich es kaufe. Auch bei Büchern ist es weniger das haptische Erlebnis, als die Möglichkeit verschiedene Bücher anzulesen und irgendwie auch die Atmosphäre in einem Buchladen.

84% der befragten Kunden mögen die persönliche Beratung im stationären Handel. 34% lassen sich bei größeren Anschaffungen gerne persönlich beraten.
Diese beiden Punkt kann ich für mich persönlich nicht unbedingt bestätigen. Ich gehöre zu dem Personenkreis der eher nicht fragt und deshalb seine Informationen selber zusammen sucht. Wenn ich aber angesprochen werde, dann lasse ich mich auch mal beraten.

Die für mich erstaunliche Zahl von 85% der Befragten hat laut Allensbach die Aussage getätigt, dass sie mit den Einkaufsmöglichkeiten in ihrem Umfeld zufrieden sei. Warum das für mich so erstaunlich ist? Weil ich bei vielen Gelegenheit von sehr vielen Seiten gegenteiliges höre. Oftmals wird das lokale Angebot bemängelt und diese Tatsache dann auch gleich als Begründung für viele Onlinebestellungen herangezogen.

Die Allensbach Stiftung hat aber nicht nur Fragen zum Verhalten hinsichtlich lokalen Shoppings getätigt. Es wurden auch Fragen zur Nutzung von Online-Shopping gestellt.

Diese Zahlen kennt man so oder so ähnlich bereits. 69% der Deutschen haben bereits mindestens 1x online gekauft. Bei den 16 bis 44 jährigen sind es sogar 90% der Befragten. Weng erstaunlich und keine ganz neuen Zahlen.

Auch die Zahlen zur Häufigkeit kenne ich in ähnlicher Form bereits. Nur 3% der Deutschen gehören zu den eher exzessiven Onlineshoppern. Alle anderen decken wohl längst nicht ihren gesamten Bedarf an Waren online und sind somit interessante Kunden für den lokalen Einzelhandel.

Artikel vergriffen. Die Bestellung wird dem Kunden geliefert!

Artikel vergriffen. Die Bestellung wird dem Kunden geliefert!

Welche Rückschlüsse lassen sich aus diesen Aussagen für den lokalen inhabergeführten Einzelhandel ziehen?

Im ersten Reflex: “Ist ja alles nicht so schlimm! Da können sich die Einzelhändler ja beruhigt zurück lehnen.” Aber halt! Das ist aus meiner Sicht die komplett falsche Schlussfolgerung.

Denn auch die verschiedenen Onlineanbieter kennen die hier vorgestellten Zahlen sehr genau und arbeiten bereits daran, die Nachteile dies sich für sie daraus ergeben aufzuarbeiten. Die Eröffnung von Amazon Ladenlokalen, die Tatsache dass Apple laut eigener Aussage die eigenen Geschäfte eher als Ausstellungsräume und nicht als Verkaufsräume sieht und  die Tendenz online erheblich mehr direkte Beratung anzubieten, sind dafür deutliche Indikatoren.

Lokale Einzelhändler sollten sich also eben nicht zurücklehnen, sondern weiter an der Servicequalität arbeiten. Außerdem sollten sie die eigenen Stärken weiter verstärken. Persönliche Beratung ist gut, aber es spricht nichts dagegen in Ergänzung dazu auch die Meinung von Kunden einzuholen und anderen Kunden zur Verfügung zu stellen (in Anlehnung an Kundenrezensionen im Onlineshop).

Besonders die hohe Quote der Onlineshopper bei den 16 bis 44 jährigen sollte lokalen EInzelhändlern deutlich machen, was da noch auf sie zukommen kann. Wenn Händler es schaffen, diesen oftmals sehr digital affinen Menschen erweiterte Dienstleistungen anzubieten, dann ist schon ein großer Schritt getan. Aber vorsichtig: Wer hier gleich zu viel will, steht vor sehr großen Problemen! Ich bin nicht der Meinung, dass es gleich die Lösung mit Beacontechnologie sein muss. Auch ein Onlineshop in Ergänzung zum lokalen Handelsgeschäft halte ich für übertrieben!

Händler können aber durchaus den direkten Kundenkontakt nutzen um einen Newsletter Verteiler zu erstellen und diesen regelmäßig zu bespielen. Die Möglichkeit, Ware die nicht mehr im Ladenlokal verfügbar ist nachzubestellen und direkt an den Kunden zu liefern ist für mich auch ein guter Weg, on- und offline zu verbinden. Besonders bei Bekleidung, die nicht mehr in der richtigen Größe vorhanden ist, kann diese Maßnahme richtig Wirkung entfalten.
Ich kenne übrigens Händler, die bestellen die entsprechende Ware ggf. bei der Konkurrenz nur um den eigenen Kunden zufrieden zu stellen.

Es gibt noch viele andere Wege, die der lokale inhabergeführte Handel gehen kann bevor er sich dazu aufmacht, einen eigenen Onlineshop zu betreiben oder komplizierte digitale Lösungen im stationären Handel zu implementieren. Aussagen dazu, dass ein Einzelhändler heute unbedingt Beacons nutzen und einen eigenen Onlineshop betreiben muss, höre ich komischerweise nur von solchen Anbietern die genau solche Lösungen im Portfolio haben. Unabhängige Berater werden eine solche Lösung eher nicht als erste Maßnahme propagieren.

Digitale Möglichkeiten im Ladenlokal nutzen. Es muss aber nicht gleich die richtig große Lösung sein.

Digitale Möglichkeiten im Ladenlokal nutzen. Es muss aber nicht gleich die richtig große Lösung sein.

Wie weit ist der Weg noch?

Gute Frage. Leider ohne pauschale Antwortmöglichkeit.

Fest steht aber, dass in vielen Fällen erst jetzt das Nachdenken einsetzt. Oftmals setzen Einzelhändler weder im Laden noch im Internet die verschiedenen Möglichkeiten um. Hierin sehe ich eine große Gefahr, da die aktuelle Situation in einigen Fällen zu Reaktionen führt die über das Ziel hinaus schießen.

Mein Tipp: Versuchen Sie sich als Inhaber eines Einzelhandelgeschäfts unabhängig zu informieren. Am besten nutzen Sie dazu lokale Netzwerke in denen Anbieter und potentielle Kunden zusammen kommen. Pauschale Lösungen sind übrigens (aber das werden Sie sich auch selber denken können) meistens die falschen Lösungen!

Interview mit Dortmunder Unternehmen: Alexandra Staniura – Boutique Macao

Alexandra Staniura führt ihre Boutique Macao in der Dortmunder Brückstraße seit 24 Jahren mit großem Erfolg. Im Interview mit Dennis Arntjen berichtet sie von ihrer Strategie den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten und erzählt uns so einiges über erfolgreichen Einzelhandel in Dortmund.

Dennis Arntjen:
Was genau ist der Schwerpunkt Ihres Einzelhandelsgeschäftes und wie versucht ihr euch zu unterscheiden?

Alexandra Staniura:
Im Grunde genommen, lässt sich das sehr leicht auf das Wesentliche reduzieren. Wie bedienen und beraten unsere Kunden. Dies schließt jeden Aspekt von „Mode“ mit ein und endet eben nicht bei unserem Sortiment.
Dies ist wohl auch der Grund aus dem die Boutique Macao viele Stammkunden hat die schon seit mehr als 20 Jahren zu uns kommen.

Es gelingt uns recht gut, eine persönliche Atmosphäre zu schaffen. Manche Kunden kommen jeden Samstag zu uns und verbringen mehrere Stunden in und um unseren Laden. Viele Kundinnen werden dabei von ihrer ganzen Familie begleitet. Das ergibt jedes Mal eine bunte Mischung die Spaß macht.

Außerdem geben wir uns große Mühe, interessante Events zu gestalten. Diese reichen von der Kosmetikberatung bei uns im Laden bis hin zu einer großen Modenschau die wir einmal im Jahr in unserer Filiale in Dortmund Hombruch durchführen.
Wir kooperieren dabei mit vielen befreundeten Unternehmen, wie zum Beispiel Kosmetikstudios oder einem Friseursalon.

Hinzu kommen diverse Aktivitäten in den sozialen Medien. Relativ neu ist unser Blog http://purelife-macao.de den wir zum einen für die Vorstellung neuer Produkte nutzen, aber eben auch dazu unseren Kundinnen Tipps in Sachen Mode und Lifestyle zu geben.

Dennis Arntjen:
Im Einzelhandel wird aktuell stark über Strategien zur Kundengewinnung und über den Umgang mit dem Onlinehandel diskutiert. Welche Ansätze verfolgen Sie dabei? Wie sprechen Sie Neukunden an und wie schaffen Sie es Kunden zu Wiederholungstätern zu machen?

Alexandra Staniura:
Wir möchten unseren Kunden die Dienstleistungen des klassischen Einzelhandels anbieten. Anders als bei vielen Filialisten steht für uns der persönliche Kontakt zu unseren Kunden im Vordergrund. Wie bereits eingangs erwähnt, verfolgen wir den Ansatz des Bedienens und Beratens.

Um Neukunden zu erreichen, setzen wir sehr stark auf soziale Medien. In diesem Punkt sind wir absolut offen für den Wandel. Durch unsere Facebook-Seite sowie unseren Blog sprechen wir eine Vielzahl von Kundinnen und potentiellen Kundinnen an.
Wenn wir zum Beispiel die Berliner Fashion Week besuchen, kommunizieren wir dies bereits im Vorfeld und binden unsere Kundinnen auf der Suche nach neuen Trends direkt mit ein. Daraus ergeben sich viele wichtige Kontakte und vor allem die Möglichkeit, unsere Kundinnen mit interessanten Inhalten anzusprechen.

IMG_0628Unseren Blog nutzen wir dazu, interessante Inhalte rund um unsere Boutique Macao zu verbreiten. Darüber hinaus geben wir auch Tipps aus den Bereichen Beauty und Lifestyle. Um das ganze abzurunden, bringen wir mit eher persönlichen Themen wie zum Beispiel unseren Hunden auch eine persönlich Note in den Blog.
Diese Mischung funktioniert und wird gut angenommen.

Von unseren verschiedenen Events habe ich ja eben bereits berichtet. Im Mai haben wir ein Blogger Event auf die Beine gestellt, zu dem wir diverse Fashion-Bloggerinnen eingeladen haben. Unser Ziel war es mit der Szene ins Gespräch zu kommen und Macao zu promoten.
Die Veranstaltung war aus meiner Sicht nicht nur ein großer Erfolg, sondern hat außerdem super viel Spaß gemacht. Die anwesenden Fashion-Bloggerinnen waren total offen und herzlich.

Dennis Arntjen:
„Buy Local“, also alle Maßnahmen Kunden verstärkt zum Einkauf bei lokalen Einzelhändlern zu bewegen,  ist aktuell das große Stichwort im Einzelhandel. Was tut ihr in dieser Hinsicht und wie unterstützt euch die Stadt Dortmund bei diesen Bemühungen?

Alexandra Staniura:
Das was wir tun, passiert ganz automatisch und beinhaltet bisher keine speziell ausgearbeitete Strategie. Wir kooperieren mit anderen Dortmunder Unternehmen aus den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle. Unsere Events sind einfach interessanter und werden besser angenommen, wenn wir diese gemeinsam mit anderen Unternehmen gestalten.

Als Inhaberin eines Einzelhandelsgeschäftes stehe ich jeden Tag in meinem eigenen Laden. Dadurch weiß ich recht genau, was sich hier in der Straße abspielt und welche Kooperationen deshalb sinnvoll sind. Das ergibt sicher alles ganz automatisch im Tagesgeschäft.

Was die Unterstützung durch die Stadt Dortmund angeht, kann ich nicht sagen, dass aus dieser Richtung viele Angebote kommen. Ich bemühe mich aber auch nicht aktiv darum, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen.

Dennis Arntjen:
Als Einzelhändlerin sind Sie stark von der Attraktivität der Innenstadt bzw. des jeweiligen Stadt-teilzentrums abhängig. Was bietet Ihnen Dortmund in diesem Punkt? Welche Schwächen und Risiken sehen Sie am Standort Dortmund?

Alexandra Staniura:
Schwächen und Risiken sind starke Worte. Sicherlich gibt es in der Brückstraße viele kleine und große Herausforderungen für Einzelhändler. Diese hängen aber nicht unbedingt mit Dortmund zusammen sondern sind auch in Städten wie Köln oder Berlin zu finden.

Dortmund bietet uns eine bunte Mischung, die gerade in der Brückstraße gut zu erkennen ist. Das begreife ich als positiv und bereichernd. Dadurch ergeben sich für mutige Einzelhändler viele Chancen, die wir einfach nutzen müssen.

Mein Laden ist eben nicht umsonst seit 24 Jahren hier in der Brückstraße zu finden.

Dennis Arntjen:
Sehen Sie eine Chance darin, für Dortmund von zentraler Stelle aus eine Plattform zur Verfügung zu stellen auf der sich alle Dortmunder Einzelhändler präsentieren könnten? Die Onlinecity Wuppertal ist hier ein prominentes Beispiel.

IMG_0633Alexandra Staniura:
Macao wird ein klassischer Einzelhändler bleiben. Das heißt aber nicht, dass ich eine zentrale Plattform für Dortmund nicht als Chance begreifen würde.

Um die Boutique prominent zu präsentieren und potentielle Kunden darauf aufmerksam zu machen, das es uns gibt halte ich eine solche Plattform für ein gutes Instrument. Als weiteren Vertriebskanal würde ich das aber nicht sehen wollen.

Dennis Arntjen:
Welche Schwächen behindern den Dortmunder Einzelhandel nach Deiner Meinung? Gibt es Risiken die beseitigt werden müssen um Dortmund als Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Städten und Regionen besser zu positionieren?

Alexandra Staniura:
Es gibt immer Dinge zu verbessern und Punkte an denen man arbeiten kann. Einzelhandel ist eine stetige Entwicklung und wer im Einzelhandel erfolgreich sein will muss mit der Zeit gehen.

In Dortmund ist das nicht anders. Wir haben hier unsere kleinen und großen Probleme. Aber – das habe ich ja eben auch schon gesagt – diese unterscheiden sich nicht so sehr von den Herausforderungen anderer Städte.

Viel lieber möchte ich über die positiven Dinge sprechen und darüber, welche Chancen wir Dortmunder Einzelhändler haben und nutzen sollten.

Dennis Arntjen:
Welche Unterstützung wünschen Sie sich konkret für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Einzelhandels-geschäftes und die Stärkung des Standortes Dortmund?

Alexandra Staniura:
Speziell für die Brückstraße würde ich mir mehr Aktivität wünschen. Konzepte wie Streetfestivals in Berlin oder Events wie zum Beispiel Modenschauen können die Frequenz an Besuchern in der Brückstraße sicherlich noch erhöhen.

Wobei ich auch sagen muss, dass die Verantwortlichen unserer Werbegemeinschaft einen guten Job machen und einiges bewegen.

Generell bin ich immer für möglichst viele Kooperationen. Dabei helfen mir meine persönlichen Kontakte. Aber sicherlich würde auch eine Möglichkeit der Vernetzung verschiedener lokaler inhabergeführter Einzelhandelsunternehmen dabei helfen, mehr gemeinsame Aktivitäten zu gestalten.

Dennis Arntjen:
Vielen Dank Frau Staniura, für dieses interessante Gespräch.