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Stagnationsgesellschaft oder Innovationsgesellschaft?

“Wir stehen an einer Weggabelung, ob wir Innovationsgesellschaft bleiben oder Stagnationsgesellschaft werden“. Das sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an diesem Samstag während des dritten sogenannten Deutschlandkongresses von CDU und CSU in München. Es ist wichtig, dass auch die Politik (endlich) die Ernsthaftigkeit des aktuellen Wandels begreift und diesen als Gesellschaftliche Herausforderung annimmt.

Von daher können wir alle froh sein, dass in so ziemlich jeder Partei über den digitalen Wandel gesprochen wird. Aber stehen wir tatsächlich noch an der von Herrn Dobrindt als so entscheidend benannten Weggabelung? Oder sind wir nicht vielmehr schon darüber hinaus geraten und befinden uns aktuell auf dem Kurs zur Stagnationsgesellschaft?

Diese Frage stellt sich mir persönlich im Grunde genommen jeden Tag. Ich treffe viele tolle und innovative Menschen. Menschen die begriffen haben, dass sich unser Zusammenleben, die Art wie wir arbeiten, und im Grunde genommen unser ganzes Leben durch die Digitalisierung entscheidend verändern wird. Auf der anderen Seite treffe ich mindestens genauso viele Menschen, denen nicht bewusst zu sein scheint, wie viel schneller der Wandel sich in Zukunft noch vollziehen wird und auf welche Lebensbereiche sich dieser auswirkt.

Was mir daran Angst macht? Das häufig diejenigen, die vermeintlich mehr Einfluss auf die Gestaltung von Wirtschaft, Politik und gesellschaftlichem Zusammenleben haben, am wenigsten ins Bewusstsein rufen, dass Digitalisierung nicht nur eine weitere industrielle Revolution ist. Diese Menschen haben lange Zeit die Digitalisierung überhaupt nicht wahrgenommen. Heute können sie nicht mit ihr umgehen. Das ist so lange nicht weiter schlimm, wie sich das Handeln bzw. nicht Handeln dieser Personen nicht auf andere auswirkt. Die Natur der Sache scheint es aber zu sein, dass eben diese Menschen mit ihren Entscheidungen großen Einfluss auf die Gesamtgesellschaft nehmen.

Die positiv gestimmten Menschen, mit denen ich mich darüber austausche, sehen das Ganze nicht so verbissen. Sollen doch die Unternehmen, deren Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände das Thema nicht schnell genug begreifen, verschwinden. Wirtschaft ist stetiger Wandel. Immer schon verschwinden große und kleine Unternehmen vom Markt und werden ersetzt. Das ist auch nicht falsch. Ich sehe das sogar ganz ähnlich. Wer nicht mithalten kann, hat es nicht “verdient” weiter am Markt zu sein.

Der Unterschied zu den Wandlungsprozessen, wie wir sie bis vor kurzem gekannt haben, ist aber ein ganz entscheidender. Heute geht alles viel schneller. Gesetzgeberische Vorgaben, Politik und Gesellschaft haben aktuell wenig Chancen sich tatsächlich mit dem Wandel zu beschäftigen. Dazu sind Entscheidungswege zu lang. Außerdem fehlt es oftmals an notwendigem Fachwissen.

“Früher” ging ein Unternehmen eher langsam vom Markt. Mitbewerber und neue Marktteilnehmer konnten sich entsprechend darauf einstellen. Politiker konnten gemeinsam mit Gewerkschaften sozialverträgliche Lösungen schaffen, die sicherstellten das viele der freigesetzten Arbeitnehmer schnell wieder neue Arbeit finden konnten. “Heute” vollzieht sich der Wandel schneller. Wir sind kaum noch in der Lage zu folgen. Hinzu kommt, dass gerade die Institutionen die an den wichtigen Entscheidungen mitwirken lange Zeit den Wandel nicht wahrgenommen oder verleugnet haben.

Wir können nur hoffen, dass es noch nicht zu spät ist. Dass die Automobilindustrie wirklich erkannt hat, was die Zeichen der Zeit sind. Dass Energieversorger in der Lage sind, den Wandel mitzugehen und das unser wirtschaftliches Rückgrat – der Mittelstand – lernt Innovation schneller zu betreiben. Der Mittelstand war immer schon innovativ. Er war aber noch nie sonderlich schnell wandlungsfähig. Dies führt dazu, dass ich heute sehr oft Aussagen zur Innovationsfähigkeit des Mittelstands höre, die wohl eher als Beruhigungspille für den Mittelstand selber dienen sollen.

Dann heißt es, der Mittelstand sei seit einer Ewigkeit der innovativste Teil der weltweiten Wirtschaft. Und auf dieser vermeintlichen Tatsache ruht man sich dann aus. Das diese Aussage richtig ist, bestreitet niemand. Nur heute gilt sie nicht mehr! Innovation kommt von ganz anderer Seite. Und das mit viel höherer Geschwindigkeit als sich das ein klassischer Mittelständler vorzustellen vermag.

Aber Kopf hoch. Digitalisierung bedeutet für den einzelnen viel Spielraum für Individualismus. Das gilt auch für Arbeitsverhältnisse bzw. Arbeit als Lohnerwerb generell. Was wir heute noch als prekär empfinden, wird in einer zukünftigen Gesellschaft vielleicht das Arbeitsmodell sein mit dem wir leben. Viele kleine Jobs und mehr Selbständigkeit. Immer verbunden mit der Tatsache, dass wir austauschbarer werden und Arbeitsrechtliche Errungenschaften an vielen Stellen nicht mehr greifen. Damit sind wir bei einer weiteren Institution die dringend das Thema Digitalisierung als Punkt auf die Agenda setzen muss. Nämlich unsere Gewerkschaften! Wie können wir in diesen wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sicherstellen, dass wir nicht wieder auf ein Niveau wie in Frühindustrieller Zeit zurück fallen?

Viele Fragen auf die ich nicht unbedingt Antworten habe. Drüber nachdenken lohnt sich aber. Und möglichst oft deutlich machen, dass wir schon ein kleines Stück in die falsche Richtung gegangen sind und dringend umkehren sollten, kann auch nicht schaden! Vielleicht hört es ja jemand!

Macht Digitalisierung den Job überflüssig?

Über diese Frage streiten sich Experten. Die einen sagen, dass wir uns in einer vergleichbaren Situation befinden wie zur Zeit der Industrialisierung und das auch damals der Teufel der 100% Arbeitslosigkeit an die Wand gemalt wurde. Andere meinen, dass die aktuelle Revolution – der digitale Wandel – viel weiter geht und ganz sicher eine Menge Jobs kosten wird.

Frontal 21 hat dazu im ZDF einen Bericht ausgestrahlt der auch bei Youtube abrufbar ist.

In diesem ca. 8 Minuten dauernden Beitrag geht es um die Frage “Macht Digitalisierung den Job überflüssig?”. Das Frontal 21 Team hat dazu Designer befragt, die schon heute Aufträge weltweit über Plattformen annehmen und erledigen. Auch ein Gewerkschafter kommt zu Wort und unsere Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles darf auch etwas dazu sagen. Aber auch echte Experten, wie Prof. Jan Marco Leimister von der Universität St. Gallen kommen zu Wort.

Das Video wird denjenigen Lesern die sich schon ein wenig mit der Digitalisierung und den Folgen auseinander gesetzt haben nichts neues vermitteln können. Ich finde es aber trotzdem wichtig, den Stand der Diskussion zu verfolgen der auch von Menschen verfolgt wird, die sich nicht täglich mit dem Digitalen befassen. Denn Digitalisierung und die Veränderung unserer Arbeitswelt betreffen uns alle und werden unser aller Leben maßgeblich verändern.

Ich persönlich bin der Meinung, dass wir tatsächlich etwas revolutionäres erleben und das wir alle uns darauf einstellen sollten, dass viele Jobs entweder komplett wegfallen oder sich so stark verändern, dass ganz andere Qualifikationen gefragt sind als heute. Deshalb sollten wir ganz schnell einen Diskussionsprozess anstoßen, der sich um die zukünftige Finanzierung unseres Sozialstaats dreht und in dem wir auch darüber diskutieren, wie weit wir als Gesellschaft gehen müssen um in Zukunft noch Wettbewerbsfähig zu sein.

Alle diejenigen die beruhigend argumentieren und der Meinung sind, dass die Digitalisierung nur eine zweite Industrialisierung ist und das mehr neue Jobs entstehen als alte wegfallen, möchte ich bitten, trotzdem an einer Diskussion über den gesellschaftlichen Wandel mit zu wirken. Wenn es dann am Ende nicht ganz so “heftig” wird wie ich es glaube, dann haben wir vielleicht trotzdem tolle neue Konzepte für unser Zusammenleben gefunden und entwickeln uns als Gesellschaft weiter.

Fest steht, dass große Veränderungen auf uns zukommen. Wie groß diese sein werden? Keine Ahnung. Aber sie werden definitiv so groß sein, dass wir sie nicht einfach ignorieren können!

Die Blockchain: Potential zur Veränderung oder nur neuer mega Hype?

Vielleicht hast Du schon einmal von der Blockchain gehört oder gelesen. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit der digitalen Währung Bitcoin. Bitcoin ist die wohl populärste Anwendung der Blockchaintechnologie und beweist, dass das Funktionsprinzip Potential hat und funktioniert. Aber Blockchain ist viel mehr als nur die dem Bitcoin zu Grunde liegende Technologie. Blockchain ermöglicht es im Grunde genommen jede Transaktion verschlüsselt und redundant abzuspeichern. Wie die Technologie funktioniert, welche Anwendungen denkbar sind und was das für viele Bereiche unseres Lebens bedeuten kann, das versuche ich in diesem Blogbeitrag zu erläutern. Ich würde mich sehr freuen, wenn in den Kommentaren ein reger Austausch zu Stande kommt durch den wir alle noch viel mehr dazu lernen.

Was ist Blockchain und wie funktioniert die Technologie?

Die Blockchain erzeugt in einem dezentralen Netzwerk fortlaufend eine verbindliche und unanfechtbare Einigung über eine Bilanz. Das, was in der Blockchain steht, kann weder gelöscht noch manipuliert werden.

Was dabei besonders wichtig ist – weil dies nämlich dazu führt, dass wichtige Institutionen bei Einsatz einer Blockchain nicht mehr notwendigerweise als Mittler und Vertrauenswürdige Partner notwendig sind – ist die Tatsache, dass eine Transaktion direkt zwischen Sender und Empfänger stattfinden kann. Im Falle von Geldtransfers bedeutet dies, dass kein vermittelndes Kreditinstitut mehr notwendig ist. Banken und Kreditkartenanbieter verdienen heute aber einen großen Teil des Geldes mit genau dieser Vermittlungstätigkeit. Auch wenn Banken die ersten sind, die durch die Blockchain vor großen Herausforderungen stehen, ist das Funktionsprinzip auch auf andere Branchen anwendbar und stellt für die etablierten Unternehmen in diesen Märkten eine große Herausforderung dar. Die Blockchain trägt zur Disruption dieser Branchen bei und krempelt komplette Geschäftsmodelle um.

Eigentlich beschreibt Blockchain also keine Technologie, sondern eher ein Funktionsprinzip. Die Fähigkeiten einer bestimmten Blockchain werden dabei von der zu Grunde liegenden Programmiersprache (wie komplex ist diese und was kann sie leisten?) und den Vorgaben der Entwickler bestimmt.

So gibt es zum Beispiel die Blockchain die hinter Bitcoin steht. Sie wurde von Satoshi Nakamoto schon im Jahr 2008 in einem Whitepaper beschrieben und in 2009 dann als Grundlage für Bitcoin eingesetzt. Diese Blockchain tut genaus das, für was sie vorgesehen ist. Sie protokolliert auf absolut sichere Art und Weise Einnahmen und Ausgaben in Bitcoin. Allerdings liegt ihr eine Programmiersprache zu Grunde (Forth, eine Erläuterung zu dieser Programmiersprache spare ich mir an dieser Stelle. Diese kann aber in der Wikipedia nachgelesen werden) die darüber hinaus nicht viel anderes kann und deshalb für weitere denkbare Anwendungsfälle – wie zum Beispiel sich selbst auslösende und verwaltende Verträge (Smart Contracts) – nur sehr schlecht geeignet ist. Dazu gibt es bereits Programmierer die diese Probleme lösen und an einer erweiterten Technologie arbeiten.

Wie funktioniert aber nun die Blockchain? Das guckstDu Dir am besten im folgenden kurzen Erklärvideo an. Ich konnte leider kein gutes Video in Deutscher Sprache finden. Aber ich denke, die Erklärung ist auch so sehr gut verständlich.

Bitcoin als prominentes Beispiel

Rund um Bitcoin gibt es aktuelle sehr viel Berichterstattung. Die einen sind begeistert, weil sich dadurch viele Chancen ergeben, das bestehende Finanzsystem zu revolutionieren. Andere sind aus demselben Grund nicht so begeistert von der Entwicklung.

Anhand von Bitcoin können wir aber sehr gut ablesen, dass das Prinzip der Blockchain funktioniert. Hier wird eine virtuelle Währung zwischen handelnden Personen hin und her gereicht und die Dokumentation erfolg in einer (mittlerweile übrigens knapp 40 GB großen und auf ca. 5.500 Knotenpunkten gespeicherten) Blockchain. Niemand ist in der Lage Transaktionen im Nachhinein zu verändern oder rückgängig zu machen. Darauf basiert das gesamte Vertrauen in Bitcoins.

Es gibt aber außerdem viele andere denkbare Anwendungen für die Blockchain. Praktisch alle Vorgänge bei denen heute durch schriftliche Dokumentation Eigentumsverhältnisse verändert werden, sind in Zukunft dazu geeignet durch Blockchaintechnologien abgelöst zu werden.

Hast Du schon einmal eine Immobilie gekauft? Dann weißt Du, wie groß der Dokumentationsaufwand ist und wieviele Stellen hier die Hand aufhalten, weil sie exklusiv dazu berechtigt sind in diesem Dokumentationsvorgang bestimmte Tätigkeiten auszuführen. Angefangen bei der Stadtverwaltung bis hin zum Notar, bekommen viele Stellen mehr oder weniger große Beträge zuerkannt, weil Sie eine Transaktion zwischen zwei oder mehr Parteien bezeugen und dokumentieren. Es ist (theoretisch) denkbar, dass dieser Aufwand in der Zukunft nicht mehr betrieben werden muss. Das Grundbuch einer Stadt könnte ganz einfach in eine Blockchain geschrieben werden. Dort ist dann gespeichert, wem welches Grundstück, welches Haus und welche Wohnung gehört. Einigen sich zwei Parteien darauf, gegen die Zahlung von Geld oder im Tausch für andere Dinge, die Eigentumsverhältnisse an einer Immobilie zu verändern, dann wird das fortlaufend in die Blockchain geschrieben. Ein Notar oder Beamte die diesen Vorgang bezeugen und dokumentieren ist dann nicht mehr notwendig.

Ein anderes Beispiel für den sinnvollen Einsatz einer Blockchain könnte das Rechtemanagement für Musik sein. Heute stehen Künstler vor der großen Herausforderung, dass die Digitalisierung jede analoge Dokumentation über die Rechte an einem Musikstück vollkommen zunichte macht. Händeringend suchen viele Künstler nach Möglichkeiten, mit Ihrer Musik trotzdem Geld zu verdienen und entwickeln dabei viele tolle Ideen. Die Blockchain könnte eine dieser Ideen sein. Sobald dezentral, verschlüsselt und völlig unverfälschbar abgespeichter ist, wer welche Rechte an Musikstücken hat, gibt es weniger Möglichkeiten unrechtmäßig Musik zu erlangen. Dabei werden heutige Rechteverwerter komplett ausgeschaltet, da die Musiker die Blockchain direkt nutzen und Recht somit auch direkt bestimmten Nutzern einräumen könnten. Ein Traum für die Selbstvermarktung und ein Albtraum für heutige Vermarktungsgesellschaften.

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vintage-649760_640Jetzt wird er wahnsinnig, der Dennis.

Nein. Keine Angst. Das was hier als Überschrift dient ist die “Adresse” der ersten Autonom funktionierenden und ausschließlich auf der Basis von Smart Contracts betriebenen Investmentfirma. Aber von vorne.

Smart Contracts sind sozusagen die Krönung der praktischen Umsetzung einer Blockchain. In Ihnen werden – natürlich vollelektronisch und in Form von Code – Regeln definiert nach denen gehandelt wird.

Beispielsweise könnte ein solcher Smart Contract die Buchung eines Leihwagens abwickeln. Der Kunde sendet an eine bestimmte Adresse Bitcoins (oder eine andere digitale Währung auf Basis einer Blockchain). Dies löst eine Handlung aus, nämlich den Versand eines Zugangscodes und des genauen Standortes des gemieteten Fahrzeugs. Außerdem werden dem Fahrzeugmieter noch weitere Daten wie der zuletzt gemeldete Kilometerstand, bekannte Schäden am Fahrzeug usw. zugesandt. Mit den Zugangsdaten und allen anderen Informationen geht nun der Mieter zum Fahrzeug, prüft die Richtigkeit der Angaben, öffnet das Auto und fährt los. Sobald er das Auto nicht mehr benötigt, trägt er in der Blockchain den neuen Kilometerstand ein und gibt noch einige weitere Informationen weiter. Dies löst wiederum die Endabrechnung aus. Wurde das Auto weiter bewegt als vereinbart oder länger genutzt? Dann wird eine Rechnung erzeugt, die an den Mieter versandt und in der Blockchain eingetragen wird. Der Mieter überweist elektronisches Geld und der Vorgang wird als erledigt markiert.

Die Programmierer von DAO (Decentralized Autonomous Organisation), der bereits kurz erwähnten voll automatisierten und autonom handelnden Investment Firma, haben recht einfache Regeln definiert und programmiert mit denen Ihre Firma funktioniert. In diesen Smart Contracts – die dem ganzen Konstrukt zu Grunde liegen – sind bestimmte Handlungsvorgaben definiert. Beispielsweise ein Zeitraum in dem zunächst Investoren geworben wurden, die Geld in den Investmentfonds einzahlen konnten. Nach Ablauf einiger Wochen und erreichen eines Mindestbetrages (eingesammelt wurden mehr als 144 Millionen Dollar) wurde dann allen Investoren die Frage gestellt, in welches Vorhaben denn nun investiert werden soll. Auf Basis der Antworten wurde das eingesammelte Geld verteilt. Nun arbeitet das Netzwerk vollautomatisch weiter, trifft Entscheidungen basierend auf Vorschlägen und Abstimmungen seiner Investoren und wir werden sehen ob es gut ist, eine Firma auf Basis von in Code programmierten Verträgen autonom auf die Welt los zu lassen. Spannend ist es in jedem Fall. Und ändern kann im Grunde genommen auch niemand etwas, falls das Experiment so richtig schief läuft. Denn es gibt bei DAO keinen Chef, der die Firma schließen könnte. Einzig und alleine der einstimmige Beschluss aller Gesellschafter würde den Code stoppen können.

Übrigens basiert DAO nicht mehr auf der Blockchain die dem Bitcoin System zu Grunde liegt. Diese wäre, wegen der bereits erwähnten wenig komplexen Programmiersprache Forth, nicht in der Lage komplizierte Wenn-Dann-Schleifen umzusetzen und so der DAO zu ermöglichen nach definierten Regeln zu handeln. Es gibt aber bereits eine sehr viel komplexer agierende Alternative zur Bitcoin Blockchain. Diese nennt sich Etherum und wird von einem Team aus Programmierer rund um Vitalik Buterin weiterentwickelt. Das was bei Etherum passiert, wird die Grundlage für alle Möglichkeiten die uns Blockchains in der Zukunft bieten bilden.

animal-17474_640Alles ist denkbar

Ich könnte jetzt noch unendlich lange weiter Beispiele liefern und mögliche Anwendungsfälle erörtern. Da dieser Artikel aber schon jetzt ca. 1.400 Wörter umfasst und ich noch einiges mehr zu schreiben habe, verzichte ich auf Beispiele. Diese kannst Du Dir im Grunde genommen auch selber Googlen.

Was bedeutet denn aber nun diese Vielfalt an Möglichkeiten? Ist es gut oder schlecht, dass alle Szenarien denkbar sind? Stellt die Blockchain eine Herausforderung dar oder ist sie einfach nur eine große Chance?

Wie bei jeder Neuerung, sehe ich zunächst einmal die großen Chancen. Das was mit der Blockchain möglich wird, stellt eine Möglichkeit dar, viele Dinge effizienter zu gestalten. Entscheidungen können auf viel mehr Köpfe verteilt werden als dies heute der Fall ist, Prozesse laufen schneller ab, Dienstleistungen werden besser erbracht. Versprechen wie absolute Dezentralität, Meinungsfreiheit, Unabhängigkeit von zentralen Strukturen und noch einige mehr gingen schon mit der ursprünglichen Entwicklung des Internets einher. Experten sagen, dass diese Versprechen durch die Blockchain nun endlich eingelöst werden würden und zum Beispiel absolut dezentrale soziale Netzwerke denkbar wären oder Anwendungen die Korruption in Regierungen verhindern und direktere Demokratien ermöglichen.

Andersherum birgt aber jede Chance durch neue Technologien immer auch Risiken. Das oben genannte Beispiel der autonom handelnden Firma zeigt sehr gut, welche Risiken durch fehlendes Wissen und vor allem fehlende rechtliche Strukturen besteht. DAO wird dezentral auf vielen Tausend oder sogar Millionen Rechnern betrieben. Diese Rechner stehen überall auf der Welt. Diese Tatsache und das an den verschiedenen Standorten sehr unterschiedliche Rechtssysteme und gesellschaftliche Normen greifen, führen zu Fragestellungen die es bisher noch nicht gegeben hat. Welcher Rechtssprechung unterliegt DAO? Im Grunde genommen keiner. Wer wird haftbar gemacht, wenn Dinge passieren die Schaden verursachen? Kann man auf die Investoren zurückgreifen? Wohl eher nicht, wenn auch diese über die ganze Welt verteilt sind.

Gefühlt überwiegen die Vorteile. Aber vielleicht ist das auch aktuell nur so, weil es einen starken Hype um die Blockchain gibt und wir eher die vielen Chancen präsentiert bekommen. Ich weiß es nicht, bin aber gespannt auf alles was noch so kommt.

Wir müssen reden: Was ist mit den vielen Daten?

Auf ein Problem stößt der Bitcoin aktuell und Etherum wird sehr bald ebenfalls und sehr viel heftiger darauf stoßen: Was ist mit den vielen Daten und dem Problem der weiter zunehmen starken Skalierung?

Die Bitcoin Blockchain umfasst aktuell 40 GB (https://blockchain.info/de/charts/blocks-size) und wächst stark weiter. Diese 40 GB an Daten sind komplett gespiegelt auf ca. 5.500 Knoten gespeichert, was einer Gesamtdatenmenge von 220 Terrabyte entspricht. Das ist nicht so viel. Aber wir reden hier ja auch nur von digitaler Währung und den dazugehörigen gespeicherten Transaktionen. Das eigentliche Problem ist, dass sich diese Datenmenge sehr schnell vervielfachen wird. Denn immer mehr Daten bedeuten immer mehr Transaktionen und immer mehr Wert der in der Blockchain gespeichert wird. Dies wiederum führt zu immer wieder neue Transaktionen. Wir haben hier eine unglaubliche Skalierung vor uns, die gehandhabt werden muss.

Für Etherum ist dieses Problem noch viel größer. Die Blockchain umfasst aktuell ebenfalls bereits ca. 40 GB an Daten. Und das obwohl sie sehr viel jünger ist und sehr viel weniger Transaktionen enthält. Nur sind die enthaltenen Transkationen eben deutlich komplexer. Das führt zu stärkerer Skalierung und letztendlich kann es zum Zusammenbruch des System kommen, wenn diese Datenmengen nicht mehr sinnvoll gehandhabt werden können.

Was kommt als nächstes?

Es wird meiner Meinung nach zunächst recht unkontrolliert weiter gehen. Neue Ideen entstehen, bestehende Ideen werden umgesetzt und heute bereits umgesetzte Dinge werden weiter entwickelt.

Im nächsten Schritt werden dann sicherlich die Versuche, Regulierung zu betreiben deutlich verstärkt. Schon jetzt befassen sich politische Gremien und Stiftungen stark mit dem Thema Blockchain. Ich vermute dahinter den Versuch, dieses Mal schneller zu sein und Entwicklungen nicht so lange zu verschlafen wie dies beim Internet der Fall gewesen ist. Ob dieser Versuch unternommen wird, weil man die großen Chancen erkennt oder aber um etablierte Institutionen wie Regierung, Banken und große Lobbyverbände zu schützen, das kann ich nicht absehen. Erste Versuche, Regulierung zu betrieben sind am Beispiel Bitcoin erkennbar. Wobei ich dort auch erkennen kann, warum gewisse Regulierungen des Geldverkehrs Sinn machen.

Ein wirklicher Ausblick auf das was in Zukunft in Sachen Blockchain geschieht ist nur schwer möglich und ich möchte das nicht wirklich wagen. Ich hoffe, wir nutzen die vielen sich bietenden Chancen und sind nicht zu weit hinter der Entwicklung zurück.

Aus technischer Sicht, werden wir recht bald die ersten offenen Diskussionen um die sehr starke Skalierung der Blockchains erleben. Dabei werden sich die jeweiligen Entwicklerteams sicherlich mehr oder weniger gute Lösungen einfallen lassen. Von diesen Lösungen ist der weitere Weg abhängig. Gelingt es – etwa durch Spezialisierung einzelner Blockchains – die Datenmengen und die notwendigen Rechenoperationen klein zu halten, dann wird Blockchain sicherlich eine Technologie sein, der wir in Zukunft häufiger begegnen.

Ankündigung

Wir werden uns bei KMU Digital demnächst tiefergehend mit dem Thema Blockchain beschäftigen. Entweder bauen wir das in den bestehenden Rahmen der Veranstaltungen mit ein oder wir schaffen eine einmalige Veranstaltung, bei der wir ausschließlich dieses für die Digitalisierung extrem wichtige Thema aufgreifen.

Wenn Du Vorschläge dazu hast, dann wende Dich sehr gerne an mich. Am besten per eMail unter d.arntjen@kmu-digital.net.

 

Bedingungsloses Grundeinkommen und der digitale Wandel

Als Eva im Januar die Blogparade zum Bedingungslosen Grundeinkommen gestartet hat, mögen Sie sich als fleißiger Leser der SteadyNews die Frage gestellt haben, was das nun mit digitalen Themen zu tun hat und warum Eva das tut. Mittlerweile dürfte vielen von Ihnen aus den zahlreichen interessanten Beiträgen hier und auf anderen Blogs klar geworden sein, dass diese beiden Themen geradezu untrennbar miteinander verbunden sind.

Der digitale Wandel ist die größte Veränderung unserer Gesellschaft seit langem. Oftmals lese ich sogar, dass es sich dabei um die allergrößte Veränderung seit bestehen moderner Gesellschaften handelt. Ich muss ehrlich sagen, dass auch ich zu dieser Einschätzung neige und mich gedanklich sehr oft und mit zunehmender Intensität mit den Konsequenzen dieses grundlegenden Wandels auseinander setze. Die Weltelite diskutiert aktuell neben der Frage danach, wie wir es schaffen, die vielen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, zu integrieren (oder wie wir es schaffen diese Menschen dort zu lassen wo sie herkommen 🙁 ) auch darüber, wie sich die Gesellschaft in Zukunft wandeln wird. Es ist die Rede von der vierten industriellen Revolution, und auch das Bedingungslose Grundeinkommen spielt eine Rolle. Kritiker sagen zwar, dass dieses Grundeinkommen unter den falschen Gesichtspunkten diskutiert wird, und dass die Eliten unserer Weltwirtschaft nicht dieselben Ziele verfolgen wie andere Befürworter, aber trotzdem wird immerhin über dieses Thema diskutiert und miteinander gestritten, welches der richtige Weg ist.

Warum aber sprechen sich selbst Experten für ein Grundeinkommen aus, denen man nachsagt, dass sie sich wenig Sorgen um den einzelnen Menschen machen, sondern lediglich die Interessen großer Konzerne verfolgen? Die Antwort ist kurz und knapp: Angst! Die längere Form der Antwort lautet: Experten machen sich Gedanken darum, wer in Zukunft noch die Produkte der Konzerne und Unternehmen kauft, wenn immer weniger Menschen arbeiten und Geld verdienen.

Denn genau dies ist ein wesentlicher Punkt, wenn wir über die Digitalisierung sprechen. Es werden sehr viele Arbeitsplätze wegfallen. Nach Schätzungen von Experten alleine 7,1 Millionen innerhalb der nächsten 5 Jahre. Und lediglich ca. 2 Millionen dieser Arbeitsplätze werden durch neue ersetzt. Mit den Arbeitsplätzen fallen auch Löhne und Gehälter weg, die dann nicht mehr für den Konsum eingesetzt werden. Dies wiederum schadet der Wirtschaft, die weniger verkaufen kann und somit nicht das gewohnte Wachstum verzeichnen wird. Ein echtes Problem, wie viele der 2.500 Teilnehmer in Davos meinen.

Ist das nun alles reine Panikmache, und hat sich nicht in den letzten Jahrhunderten immer jeder Wandel als positiv herausgestellt? Haben nicht auch die Gesellschaften im Zuge der vergangenen drei industriellen Revolutionen große Herausforderungen zu bestehen gehabt, und sind diese nicht immer stärker geworden? Ja, diese Aussagen stimmen. Sie treffen aber wahrscheinlich nicht auf den aktuell stattfindenden Wandel zu. Dieser ist meiner persönlichen Einschätzung nach so tiefgreifend, dass wir ernsthaft über grundlegende Veränderungen nachdenken müssen. Es ist nicht damit getan, zu hoffen, dass genug neue Arbeitsplätze entstehen werden, um das gewohnte Modell einfach weiter zu leben. Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob Arbeit in Zukunft noch das zentrale Mittel sein darf, mit dem wir das stetige Wachstum und unseren Reichtum ankurbeln.

In Davos wird das Bedingungslose Grundeinkommen unter dem Gesichtspunkt der Sicherung eines Existenzminimums diskutiert. Dies geht nach meiner Meinung nicht weit genug und wird die auf uns zukommenden Herausforderungen nicht lösen, sondern nur abschwächen. Ein Grundeinkommen muss – wenn es dazu beitragen soll, den gesellschaftlichen Wandel zu ermöglichen – geeignet sein, jedem Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dies schließt mehr ein, als Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf.

Aber warum ist es wichtig, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft so viel Grundeinkommen erhält, dass er theoretisch gut davon leben kann, ohne arbeiten zu gehen? Ganz einfach, weil dies ein sehr effektiver Schritt ist, die Schere zwischen Arm und Reich nicht größer werden zu lassen. Die Sicherung eines reinen Existenzminimums würde dazu führen, dass in Zukunft große Teile der Gesellschaft vom öffentlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen würden. Dieser Teil der Gesellschaft würde lediglich dazu dienen, der Wirtschaft ein “Grundrauschen” an Umsatz zu ermöglichen. Dabei ist egal, ob diese Menschen in der Lage wären zu arbeiten, aber sich mit dem Minimum zufrieden geben, oder ob sie eigentlich gerne durch Arbeit ein höheres Einkommen erzielen möchten, aber aus verschiedenen Gründen keine Arbeit in der neuen Arbeitswelt bekommen.

Ermöglicht das Bedingungslose Grundeinkommen aber die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, wird sich die Gesellschaft dahingehend entwickeln, dass Arbeit von vielen Menschen nach anderen Kriterien bewertet wird. Nicht der Tausch von Zeit gegen Geld wird dann der wichtigste Maßstab sein, sondern andere Kriterien (Selbstverwirklichung, Nutzen für die Gesellschaft, etc.) werden stärker in den Fokus gerückt. Dies wiederum wird vielleicht dazu führen, dass der Umbau unserer Gesellschaft effektiver von Statten gehen wird.

Was ist Arbeit heute – neben der Möglichkeit Geld zu verdienen – für unsere Gesellschaft? Nach meiner Beobachtung ist sie oftmals zentrales Bewertungskriterium für den Wert eines Menschen. Nur wer Arbeit hat, wird so richtig ernst genommen. Zwar werden diejenigen, die (aus welchem Grund auch immer) auch ohne Arbeit am gesellschaftlichen Leben teilhaben können beneidet, aber so richtig ernst genommen werden diese Personen oftmals nicht. Wer keine Arbeit hat und auf Unterstützung durch den Staat angewiesen ist, wird heute oftmals als faul betrachtet. Und wer faul ist, scheint in unserer Gesellschaft weniger Wert zu sein als diejenigen die Arbeiten gehen.

Da es durch die Digitalisierung in den nächsten Jahren immer mehr dieser Menschen geben wird, die einfach nicht arbeiten, wird es also auch immer mehr von denjenigen geben, die nach den aktuellen Maßstäben der Gesellschaft weniger Wert sind als andere. Dies – und nicht der Verlust von Kaufkraft durch den Wegfall von Arbeitsplätzen – wird die größte Herausforderung sein, die wir in den nächsten Jahren zu meistern haben. Die Grundlage des Wertes, den ein Mensch für die Gesellschaft hat, muss eine andere werden! Aus meiner Sicht ist das Bedingungslose Grundeinkommen fast die einzige Möglichkeit, diesen Wandel positiv zu gestalten.

Was meinen Sie? Ist das Bedingungslose Grundeinkommen für den Wandel der Gesellschaft wichtig? Oder steht uns gar kein so großer Wandel bevor, wie ich befürchte? Reicht ein sehr geringes Grundeinkommen oder muss dieses auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen? Sollen also auch diejenigen, die in Zukunft gar nicht mehr arbeiten, teilhaben dürfen?

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