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KMU Digital “Die Berater” – Facebook? Brauche ich nicht.

Am 26.07.2016 ist es wieder soweit. Die nächste „Die Berater“ Veranstaltung steht an. Dieses Mal konnten wir mit Katja Raasch aus Hamburg eine Speakerin gewinnen, die das Thema Social Media Marketing lange Jahre kennt und uns in Ihrem Impulsvortrag mit einem Augenzwinkern vielfältige Argumente gegen den Einsatz von Social Media in der Unternehmenskommunikation präsentieren wird.

Wie immer möchten wir den Vortrag für eine anregende Diskussion rund um das Thema nutzen. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme sowie einen lebhaften Austausch. Katja Raasch ist Unternehmerin, Social Media Profi, eine Top Trainerin und erfahrene Strategin. Sie wird uns in ihrem Impulsvortrag näher bringen, warum Social Media aus dem Alltag keines Unternehmens mehr wegzudenken sein sollte und warum trotzdem so viele Unternehmer scheinbar schlüssige Einwände finden.

Hier ein kurzes Video mit Katja Raasch:

Wie immer sind Sie herzlich eingeladen ab 18.30 Uhr das gute Essen im Hotel Esplanade zu genießen und direkt mit dem Netzwerken zu beginnen. Nach dem Essen steigen wir in einen lehrreichen und unterhaltsamen Abend ein.

  • 18.00 Uhr bis 18.30 Uhr – Ankunft. Die Teilnehmer registrieren sich und knüpfen erste Kontakte zu anderen Gästen. Das Buffet ist eröffnet.
  • 19.15 Uhr – Begrüßung durch Eva Ihnenfeldt und Dennis Arntjen
  • 19.25 Uhr – Vorstellung der Teilnehmer: Moderierte Kennenlern-Runde
  • 19.45 Uhr – Impulsvortrag: Katja Raasch „Facebook? Brauche ich nicht. – Argumente gegen den Einsatz von Social Media in der Unternehemenskommunikation.“
  • 20.15 Uhr – Moderierte Frage- und Diskussionsrunde
  • 21.15 Uhr – Netzwerken und Austausch aller Teilnehmer
  • 22.00 Uhr – Langsames Ausklingen

Kosten

Mitglieder unseres Unternehmensnetzwerkes KMU Digital zahlen für den Abend inklusive Essen 15,00 € inkl. MwSt. Alle anderen Gäste zahlen 27,00 € inkl. MwSt.- ebenfalls inklusive Essen. Wer mehr über die Mitgliedschaft bei KMU Digital erfahren möchte, erfährt es hier.

Tickets gibt es über Eventbrite.

Oder alternativ direkt hier:

Wo findet “Die Berater” statt?

Wir sind auch dieses Mal wieder zu Gast im Top Hotel Esplanade, Burgwall 3, Dortmund.

Dort werden die Familie Kortmann und ihre Mitarbeiter für einen tollen Abend mit leckerem Essen und Getränken sorgen.

Unsere Veranstaltungsreihe „Die Berater“

Mit KMU Digital verfolgen wir das Ziel, Wissen zum digitalen Wandel zu vermitteln und unseren Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, von den Erfahrungen anderer zu profitieren.

Mit „Die Berater“ haben wir eine Veranstaltungsreihe konzipiert, mit der wir Wissen zu vielen Themen rund um den digitalen Wandel vermittelt wird. Durch Impulsvorträge, offene Sessions und konstruktiven Austausch gehen unsere Teilnehmer nach jeder Veranstaltung mit viel frischem Wissen nach Hause und wenden dieses Wissen zukünftig an.

Den Titel „Die Berater“ haben wir aus zwei Gründen gewählt. Zum einen ist jeder in seinem Fachbereich Spezialist und somit auch in der Lage, andere zu genau diesem Bereich zu beraten. Außerdem möchten wir mit vielen unserer Veranstaltungen Unternehmensberater und Vertriebler erreichen, die vom Wissen anderer profitieren und dieses Wissen bei der Arbeit mit den eigenen Kunden anwenden können.

2. Teil: Sind zentrale Bestellplattformen für Lieferdienste sinnvoll?

Diese zweiteilige Artikel-Serie entsteht, weil mich eine Diskussion bei Facebook zum nachdenken über Verkaufsplattformen für lokale Anbieter von Produkten und Dienstleistungen angeregt hat. Ursprung der Diskussion war die Aussage, dass ein Pizzabäcker der über Lieferando seine Produkte anbietet vor dem Problem steht, dass seine Kunden mittlerweile ausschließlich diesen Bestellweg nutzen. Dies kostet den Pizzabäcker jeweils bis zu 20% Provision, die er natürlich eigentlich lieber als zusätzliche Marge verbuchen möchte. Am Ende dieses Beitrages gibt es eine konkrete Liste mit Schritten die jeder lokale Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen für sich nutzen kann.

Hier die Diskussion bei Facebook im Detail:

Pizza Mann um die Ecke nutzt die Bestellplattformen im Internet und zahlt bis zu 20% an Lieferando & Co. Am Ende wird…

Posted by Rainer Weichbrodt on Montag, 14. September 2015

Newsletter-Marketing

Der nächste Schritt besteht darin, die Kommunikation mit der Kundschaft anzukurbeln und in der eigenen Hand zu halten. Ich bin im generell ein großer Fan von Newsletter-Marketing. Ganz besonders für lokale Angebote ist dieses Instrument großartig! Wie kann ein Pizzabäcker schnell einen relevanten Verteiler aufbauen? Denkbar ist auch hier ein Rabatt. Nämlich für jeden Kunden der sich für den Newsletter registriert. Oder man überlegt sich ein Geschenk für jeden neuen Abonnenten. Etwa ein Rezept für einen guten Pizzateig. So lässt sich schnell ein relevanter Verteiler aufbauen, mit dem man in Zukunft kommuniziert und alle weiteren Schritte angehen kann.

Eine eigene Community erschaffen

Denn die zentralen Bestellportale argumentieren oftmals, dass der Austausch zwischen den Kunden ein wichtiger Punkt sei. Als Kunde könne man sich auf das Bewertungssystem verlassen und würde so weniger Reinfälle erleben. Dieses Argument zählt für Kunden die den Geschmack der Pizza schon kennen nur bedingt. Trotzdem sollte man auch als lokal ansässiger Pizzabäcker den Community-Gedanken nicht aus dem Auge verlieren. Wer es schafft Kunden zu Fans zu machen, ist ganz weit vorne.

Was tut man aber als Pizzabäcker um diesen Gedanken voran zu treiben? Hier steht der Pizzabäcker vor einer Entscheidung durch die er viel erreichen kann. Er wird aber ggf. in Zukunft auch viel mehr Arbeit mit der Kommunikation mit Kunden haben. Denn eine Community sollte nicht unmoderiert bleiben und ist auf keinen Fall ein Selbstläufer.
Wenn sich ein Pizzabäcker dazu entschließt, seine Kunden nicht nur zu begeistern sondern diese Begeisterung auch für die Neukundengewinnung aktiv zu nutzen, steht er vor der Wahl. Welches Netzwerk soll er nutzen um seine Kunden zu organisieren? Ich plädiere für Facebook. Dort würde ich eine Gruppe (keine Fanpage!) einrichten und versuchen aktiv Mitglieder zu gewinnen. Dies geschieht über den eigenen Mailverteiler. Aber – und das ist ein Punkt der Geld kostet, also gut durchgerechnet werden sollte – ohne aktives Marketing wird es kaum gehen. Hier bietet Facebook mit den verschiedenen Werbemöglichkeiten großartige Instrumente um potentielle Kunden aus dem eigenen lokalen Umfeld zu Gruppenmitgliedern zu machen. So wächst die Community schneller und bietet einen höheren Mehrwert.

Dabei aber bitte nicht vergessen: Zentrales Kommunikationsmedium sollte weiterhin der eigene Newsletter sein. Ziel muss es sein, Gruppenmitglieder zu Abonnenten zu machen und so die Kommunikation selber in der Hand zu haben!

Die Bedeutung der eigenen Webseite

Eigentlich bin ich kein Freund davon, mehr als eine rein informative Webseite zu empfehlen. Das gilt besonders für lokale Einzelhändler, die immer wieder die Tendenz haben sich im Onlineshop-Betrieb zu versuchen anstatt sich auf andere Themen zu konzentrieren.

Im Fall unseres Pizzabäckers bin ich da geteilter Meinung. Eigentlich tendiere ich sogar mindestens zu einer Online Bestellmöglichkeit. Und wie kann diese anders aussehen als ein Onlineshop? Aber warum sehe ich das beim Pizzabäcker anders als bei anderen lokalen Geschäften? Weil die Kunden die der Pizzabäcker bedient, nach eigenem bekunden diese Möglichkeit schätzen. Immerhin haben sie zu einem erheblichen Teil über die zentralen Bestellportale online bestellt und würden das wahrscheinlich gerne auch weiterhin tun.
Das bedeutet aber, dass der Pizzabäcker mit seiner neuen Vertriebsstrategie nur dann erfolgreich sein wird, wenn er diese Möglichkeit selber anbietet anstatt sie gegen hohe Provisionen von anderen anbieten zu lassen.

Leider ist ein Onlineshop mindestens am Anfang mit einem sehr hohen Arbeitsaufwand verbunden. Auch der finanzielle Aufwand ist anfänglich recht hoch. Dies muss sehr genau durchkalkuliert und mit den Provisionskosten verglichen werden. Nur wenn sich ein Onlineshop innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes rechnet, sollte dieses Projekt angegangen werden.

pizza-846841_1280Und jetzt? Kann der Pizzabäcker die Bestellplattformen links liegen lassen?

Das ist eine gute Frage. Und es gibt eine klare Antwort: Nein!

Als Instrument für die Neukundengewinnung sollten Bestellportale weiterhin in den Vertriebsmix gehören. Potentielle Kunden gucken wahrscheinlich zuerst im Netz nach neuen Essens Lieferanten. Sei es weil sie mit ihrem bisherigen Lieferanten unzufrieden sind oder weil sie neu hinzugezogen sind. Google und die zentralen Bestellportale werden die ersten Anlaufstellen sein.

Gutes Stichwort übrigens. Was ist mit Google und der Optimierung für Suchmaschinen generell? Sollte dies für einen Pizzabäcker – wenn er sich von zentralen Bestellportalen unabhängig machen möchte – eine Rolle spielen? Auch hier gibt es eine eindeutige Antwort: Ja!

Das Profil bei Google My Business sollte gut gepflegt sein, die eigenen Webseite relevante Inhalte liefern und regelmäßig mit Neuigkeiten versehen werden. Im gesamten Vertriebs Mix stellt Google eine wichtige Umsatzquelle dar, die man nicht vernachlässigen sollte. Unser Pizzabäcker sollte aber auch hierbei den Newsletter für sein Marketing nicht aus dem Auge verlieren und Besucher die per Google zu ihm gelangen möglichst schnell zu Abonnenten machen.

Verstanden. Newsletter-Marketing ist der Schlüssel zum Erfolg.

Richtig. Der gesamte Beitrag dreht sich ja eigentlich nur darum, wie unser Pizzabäcker seine fatale Abhängigkeit von einem Vertriebskanal beenden kann. Dazu empfehle ich ganz eindeutig die Konzentration auf einen anderen Kanal. Nämlich den eigenen Newsletter. Auch hier hat der Pizzabäcker wieder nur einen zentralen Kanal, aber er hat ihn selber in der Hand und steuert so seine Kunden effizient.

Für mich stellt dieser Newsletter wirklich das zentrale Tool dar. Hierüber sollten regelmäßig neue Angebot (wenn möglich exklusiv für Abonnenten) gestreut, neue Produkte angekündigt und Aktionen kommuniziert werden. Alle anderen Vertriebskanäle dienen entweder nur der Unterstützung (Facebook, Google) oder aber dazu die Bestellung endgültig unter Dach und Fach zu bringen (Onlineshop).

Ich würde den Newsletter für unseren Pizzabäcker sogar gar nicht als Marketingtool bezeichnen. Für mich ist dies DAS Vertriebsinstrument und somit ein Verkaufskanal. So sollte er auch gesehen werden, ohne aufdringlich zu wirken. Das Ziel des Newsletters ist es aber ganz klar nicht, nur Interaktion zu bieten. Es geht darum mehr Pizzen zu verkaufen!

Das war sie. Die zweiteilige Serie zum Online Vertrieb eines Pizzabäckers. Haben Sie dazu Fragen oder Anregungen? Die Kommentarfunktion beider Artikel steht dafür offen. Alternativ schreiben Sie eine eMail an dennis@arntjen.me oder rufen Sie direkt an unter 0151/27536121.

1. Teil: Sind zentrale Bestellplattformen für Lieferdienste sinnvoll?

Diese zweiteilige Artikel-Serie entsteht, weil mich eine Diskussion bei Facebook zum nachdenken über Verkaufsplattformen für lokale Anbieter von Produkten und Dienstleistungen angeregt hat. Ursprung der Diskussion war die Aussage, dass ein Pizzabäcker der über Lieferando seine Produkte anbietet vor dem Problem steht, dass seine Kunden mittlerweile ausschließlich diesen Bestellweg nutzen. Dies kostet den Pizzabäcker jeweils bis zu 20% Provision, die er natürlich eigentlich lieber als zusätzliche Marge verbuchen möchte. Am Ende dieses Beitrages gibt es eine konkrete Liste mit Schritten die jeder lokale Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen für sich nutzen kann.

Hier die Diskussion bei Facebook im Detail:

Pizza Mann um die Ecke nutzt die Bestellplattformen im Internet und zahlt bis zu 20% an Lieferando & Co. Am Ende wird…

Posted by Rainer Weichbrodt on Montag, 14. September 2015

Zentrale Internetplattformen für lokal angebotene Produkte und Dienstleistungen

Es gibt viele dieser zentralen Plattformen. Lieferando für Essenslieferungen nach Hause, MyHammer für Dienstleistungen von Handwerkern und diverse Anbieter die es dem lokalen Einzelhandel ermöglichen möchten, Produkte online anzubieten. Gemeinsam haben diese Plattformen auf jeden Fall eine Sache: Sie möchten Geld verdienen. Entweder durch eine Pauschale oder aber durch Umsatzbeteiligung. Das ist auch gar nicht weiter schlimm, sondern sogar sehr verständlich und für mich selbstverständlich.

Ich möchte in diesem Beitrag gerne bei der Bestellung von Pizza oder anderen Gerichten für die Lieferung nach Hause bleiben. Dies macht es ein wenig einfacher, anhand eines Beispiels die Fallen zu klären. Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Aussagen aber auch gut auf andere Plattformen übertragen. Wenn es dazu Fragen gibt, dann gerne in den Kommentaren zu diesem Beitrag.

Das Beispiel. Pizzabäcker vertreibt seine Pizza über eine Online Plattform.

Weil es so gut passt, bleibe ich gleich mal beim Pizzabäcker der seine Pizza (und andere Gerichte) auf einer zentralen Bestellplattform neben den Produkten anderer Anbieter vertreibt. Er wurde wahrscheinlich in der Vergangenheit auf diese Möglichkeit aufmerksam, da entweder Kunden nachgefragt haben oder er sich selber gedacht hat, dass ein zusätzlicher Bestellweg nicht schaden kann. Er hatte also das Ziel, einen weiteren Vertriebsweg zu öffnen. Wahrscheinlich war sein vorrangiges Ziel die Gewinnung neuer Kunden.

Heute steht dieser Pizzabäcker vor dem Problem, dass seine Kunden ausschließlich die zentrale Bestellplattform nutzen um sich Essen nach Hause liefern zu lassen. Es bestellen also auch die Kunden online, die ihn bereits kennen. Vielleicht sogar solche, die früher einmal per Telefon bestellt haben. Das ist nicht gut für die Marge des Pizzabäckers, verlangen die zentralen Bestellplattformen doch durchaus bis zu 20% Verkaufsprovisionen. Dazu kommt noch das Problem, dass es immer schlecht ist wenn man als Anbieter nur einen Vertriebsweg hat. Wenn man diesen dann noch nich einmal selber in der Hand hat, dann ist das richtig böse.

Warum tun Kunden das?

In der Diskussion bei Facebook kam kurzzeitig der Punkt “Verantwortung des Kunden” ins Gespräch. Ich bin aber der Meinung, dass man den Kunden hier keinen Vorwurf machen kann. Sie nutzen einfach den Bestellweg der für sie am interessantesten ist. Sei es, weil die Bestellung online so schön einfach ist oder aber weil die genutzte Plattform sogar noch Rabatte anbietet, wenn man häufiger deren Bestellfunktion nutzt. Beides sind gute Gründe, die ich durchaus nachvollziehen kann. Ich habe genau aus diesen beiden Gründen schon häufig eine Bestellplattformen genutzt.

Der Kunde ist also nicht “böse”. Er tut das was ihm am meisten Nutzen bringt.

Was sollte unser Pizzabäcker daraus lernen?

Die Analyse

Zunächst einmal sollte er sich darüber im Klaren sein, welchen Nutzen ihm der zusätzliche Vertriebsweg bringt. Hat er dadurch höhere Umsätze erwirtschaftet? Kaufen seine Kunden häufiger bei ihm ein? Ist der Umsatz je Bestellung gestiegen? Hat er seit Nutzung des neuen Vertriebskanals überdurchschnittlich viele Neukunden gewonnen? Was sagen seine Kunden zu dieser Bestellmöglichkeit? Warum nutzen sie diese?

Erst wenn diese Analyse abgeschlossen ist, sollten die weiteren Schritte geplant werden. Was aber von Anfang an klar sein dürfte: Den zusätzlichen Vertriebsweg abschalten wird wohl keine Option sein, dazu haben sich die Kunden zu sehr an diesen gewöhnt.

Nach der Analysetuscany-685110_1280

Nach der Analyse folgt die Planung möglicher Maßnahmen. Ziel dieser Maßnahmen muss sein, die eigenen Kunden dazu zu bewegen wieder vermehrt andere Bestellwege zu nutzen und nicht mehr über die zentralen Bestellplattformen Pizzabestellungen zu erledigen.

Dabei sollte die Rückgewinnung einer höheren Marge im Vordergrund stehen. Es geht also darum, niedrigere Kosten pro Bestellung zu erzeugen. Aber auch darum, den eigenen Vertrieb wieder stärker in der Hand zu haben und so besser steuern zu können. Denn ein denkbares und für einen Pizzabäcker vielleicht sogar Existenzbedrohendes Szenario dürfte der Wegfall eines oder mehrerer Bestellportale sein. Immerhin handelt es sich bei diesen oftmals um StartUps in einem sehr hart umkämpften Markt, der aktuell noch gar nicht aufgeteilt wurde.

Wie kann also eine Strategie aussehen, die den eigenen Gewinn maximiert und die Bindung der eigenen Kunden an den Pizzabäcker erhöht?

Kunden zu Direktbestellern machen

Für den Anfang ist die einfachste Maßnahme sicherlich eine Rabattaktion für die Kunden die nicht mehr über das zentrale Bestellportal ordern. Jeder Kunde der telefonisch, per eMail oder über die Webseite des Pizzabäckers bestellt erhält einen exklusiven Rabatt. Da dieser wahrscheinlich unter 20% liegen wird, erhöht sich dadurch die Marge im Durchschnitt wahrscheinlich schon. Ein wenig hängt dies natürlich davon ab wieviele Kunden bisher über Bestellportale geordert haben und wieiviele direkt. Denn diejenige die bisher auch ohne Rabattaktion direkt bestellt haben, profitieren selbstverständlich auch von der neuen Rabattaktion. Das sollte aber wohl kein großes Risiko darstellen.

Dies war der erste Teil der zweiteiligen Serie zur Online Vertriebsstrategie des Pizzabäckers. In der nächsten Woche (pünktlich am Dienstag um 12.30 h) erscheint der zweite Teil. In diesem geht es um das zentrale Vertriebstool Newsletter. Sie dürfen also gespannt sein, was da noch kommt…
In der Zwischenzeit diskutieren Sie gerne fleißig in den Kommentaren zu diesem Artikel. Oder aber Sie schreiben eine eMail an mich (dennis@arntjen.me) bzw. rufen direkt an (0151/27536121).

Blogparade: Definition des digitalen Wandels

Alexander Surowiec startet eine Blogparade zur Definition des Begriffs “Digitaler Wandel”. Was meinen wir, wenn wir vom digitalen Wandel sprechen? Alexander Surowiec ist in Österreich politisch aktiv und stößt in seinen Diskussionen zum Thema Digitalisierung immer wieder an Grenzen. Grenzen von denen er denkt, dass sie nur deshalb bestehen, weil wir keine einheitliche Definition der Begrifflichkeiten haben. Politiker meinen den Begriff zum Beispiel anders als Unternehmer. Deshalb ruft er zu einer Begriffsdefinition auf, von der er sich erhofft in Zukunft besser einordnen zu können was die verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel eigentlich meinen.

Folgende Fragen gibt Alexander Surowiec uns dazu an die Hand. Ich selber beantworte nicht alle, sondern nur zwei.

Hier die Fragen:

  1. Wie sieht eigentlich digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aus?
  2. Was müssen Bürgerinnen und Bürger an Wissen verfügen, um im digitalen Zeitalter souverän zu bestehen?
  3. Welche Kompetenzen werden eigentlich vorausgesetzt, um Digitalisierung überhaupt erlebbar zu machen?
  4. Wird die Digitalisierung Arbeitsplätze in Österreich schaffen oder reduzieren?
  5. Welche Chancen und Risiken der Digitalisierung erwarten uns eigentlich?
  6. Welche Chancen entstehen durch die Digitalisierung und wie sind die Chancen der Digitalisierung per se?

Für diesen Beitrag habe ich mir die Fragen 1 und 5 ausgesucht. Vielleicht finden sich ja Leser die eine oder mehrere der anderen Fragen zusätzlich beantworten möchten? Dann gerne in den Kommentaren oder als eigener Beitrag zur Blogparade auf dem eigenen Blog. Ich würde mich freuen, wenn wir viele Beiträge auch aus Deutschland finden.

Frage 1: Wie sieht eigentlich digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aus?

Das Thema Digitalisierung ist ein so vielschichtiges, dass es mir schwer fällt hier eine eindeutige Antwort zu geben. Der digitale Wandel berührt alle Lebensbereiche und hat für mich persönlich nicht ausschließlich etwas mit “dem Internet” zu tun. Deshalb gehört zur Beantwortung dieser Frage auch eine Definition der verschiedenen Aspekte von Digitalisierung.

Der digitale Wandel verändert alles: Unser Zusammenleben, Zwischenmenschliche Verhaltensweisen, die Art wie wir arbeiten, die Art wie wir Freizeit gestalten, unser Verhalten gegenüber öffentlichen Institutionen, das Vertrauen in Politik und Verwaltung, die Art wie wir Technologien anwenden, den Kreis der Anwender komplexer Technologien und viele andere Aspekte unseres Lebens. Digitaler Wandel ist also nicht nur der technische Wandel, sondern viel mehr. Digitalisierung ist eine grundsätzliche Veränderung unserer Welt durch Technologie.

Die Frage danach wie digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aussieht, muss ich also sehr abstrakt beantworten:

Digitale Kompetenz ist für mich die Fähigkeit, Veränderungen der Gesellschaft mit fortschreitender Technologisierung zu erfassen und erfolgreich zu nutzen. Die wichtigste digitale Kompetenz ist also die Fähigkeit, stetig dazu zu lernen und neue Dinge umzusetzen.

Ein Beispiel: Der Umgang mit unseren persönlichen Daten hätte sich im Zuge der Digitalisierung unseres Kommunikationsverhaltens (Stichwort soziale Medien) eigentlich viel früher und schneller wandeln müssen als er es hat. Große Teile der Gesellschaft haben diesen Wandel nicht vollziehen können, weil sie den Wandel hin zu digitaler Kommunikation gar nicht richtig erfasst haben. Viele Menschen nutzen heute noch die sozialen Medien genau so wie das eigene Telefon oder verhalten sich in öffentlichen Gruppen ähnlich wie im eigenen Wohnzimmer. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass große Wirtschaftsunternehmen viele private Daten von sehr vielen Menschen kennen und für die eigenen Zwecke nutzen. Die Tatsache, dass wir alle dadurch stark personalisierte Werbung erhalten ist dabei nur ein Aspekt. Was mit den vielfältigen Daten sonst noch passieren kann, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.

Anhand des Aspektes unserer persönlichen Daten lässt sich sehr gut erkennen, dass nicht nur jeder Mensch für sich digitale Kompetenzen braucht. Es ist äußerst wichtig, dass unsere Gesellschaft im Gesamten die Kompetenz erlangt, sich wandelnde Dinge frühzeitig zu erkennen und zur Diskussion zu stellen. Nicht um diesen Wandel zu stoppen, sondern um in der Lage zu sein rechtzeitig geeignete Maßnahmen und Verhaltensweisen zu definieren und so einen größeren Teil der Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, welche Veränderungen passieren und welche positiven und negativen Veränderungen sich daraus ergeben.

Generell würde ich folgende Kompetenzen als notwendig erachten:

  1. Datenschutz Kompetenz
  2. Fähigkeit zum sinnvollen Einsatz digitaler Kommunikationsmittel
  3. Stetiges lernen und Anpassung an den Wandel
  4. Digitale Medienkompetenz

Sicherlich lassen sich noch weitere Kompetenzen heraus arbeiten. Auch hier also die Aufforderung an Sie: Nutzen Sie die Kommentare zu diesem Beitrag und tragen Sie gerne weitere Kompetenzen bei.

Wandergruppe

Niemand sollte zurückbleiben

Frage 5: Welche Chancen und Risiken der Digitalisierung erwarten uns eigentlich?

Diese zu erkennen ist eine wesentliche digitale Kompetenz. Es ist wichtig, dass wir darüber diskutieren ohne alles zu schwarz oder weiß zu sehen. Eine Ergebnisoffene Diskussion zu den Chancen und Risiken wird nach meiner Erfahrung leider sehr oft im Keim erstickt, weil die jeweils andere Seite bestimmte Thesen als “übertrieben negativ” oder aber als “vom digitalen Wandel verblendet” abgestempelt wird.

Welche Chancen erwarten uns also?

Aus meiner Sicht ist eine große Chance die Demokratisierung von Kommunikation. Nicht mehr einzelne Personen oder Institutionen haben die Hoheit darüber, ein bestimmtes Thema zu kommunizieren und ihre Meinung beizutragen. Wir sind alle mehr oder weniger gut in der Lage öffentlich zu kommunizieren und unsere Meinung kund zu tun. Diese Chance tritt aus meiner Sicht gerade wieder etwas in den Hintergrund. Die Tatsache, dass sich verstärkt die großen Spieler Facebook, Twitter und Google in das Mediengeschäft einmischen und durch ihre ihre Reichweite die Macht besitzen, zu steuern welche Meinungen und Berichte prominent platziert werden, gerät die Demokratisierung in Gefahr.

Der digitale Wandel eröffnet uns ebenfalls erhebliche Chancen bei der Erlangung von Kompetenzen die früher für bestimmte Personengruppen nicht zu erreichen gewesen sind. Durch das Internet kann jeder alles erfahren. Wer die Fähigkeit besitzt selbständig zu lernen und sich Wissen anzueignen, ist in der Entwicklung seiner Kompetenzen nicht mehr auf einen engen Fachbereich eingeschränkt. Diese Tatsache stellt nicht nur eine große Chance für den einzelnen dar, sondern für unsere gesamte Gesellschaft.

Risiken sehe ich darin, dass die Verfügbarkeit vielfältigster Daten durchaus dazu führen kann, dass bestimmte Machtansprüche mit Hilfe dieses Wissens untermauert und durchgesetzt werden. Staaten nutzen schon heute die verschiedenen Möglichkeiten um Terrorismus und andere Staaten zu bekämpfen. Ich bin mir sicher, dass hinter den Kulissen heftige Kämpfe nicht nur um Daten zur Produktentwicklung und Innovation sondern auch um persönliche Daten wichtiger Personen einzelner Branchen tobt. Wissen ist Macht. Und noch nie war es so leicht, Wissen aus verschiedenen Quellen abzugleichen, miteinander in Beziehung zu setzen und daraus entsprechend gewinnbringende Rückschlüsse zu ziehen.

Ein weiteres Risiko des digitalen Wandels besteht darin, dass wir es vielleicht nicht schaffen den größten Teil der Gesellschaft mitzunehmen. Diejenigen die beim Wandel abgehängt werden, haben es in Zukunft sehr schwer. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft die entsprechenden Kompetenzen definieren und vermitteln.

Sicherlich gibt es noch wesentlich mehr Chance uns Risiken? Welche sind das aus Ihrer Sicht? Nutzen Sie (wieder einmal) die Kommentarfunktion und teilen Sie mir mit welche Chancen uns Risiken Sie sehen.

Dies war nun also mein Beitrag zur Blogparade von Alexander Surowiec. Ich freue mich auf viele weitere Beiträge und beobachte gespannt, was da noch kommt. 🙂

Interview mit Dortmunder Unternehmen: Alexandra Staniura – Boutique Macao

Alexandra Staniura führt ihre Boutique Macao in der Dortmunder Brückstraße seit 24 Jahren mit großem Erfolg. Im Interview mit Dennis Arntjen berichtet sie von ihrer Strategie den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten und erzählt uns so einiges über erfolgreichen Einzelhandel in Dortmund.

Dennis Arntjen:
Was genau ist der Schwerpunkt Ihres Einzelhandelsgeschäftes und wie versucht ihr euch zu unterscheiden?

Alexandra Staniura:
Im Grunde genommen, lässt sich das sehr leicht auf das Wesentliche reduzieren. Wie bedienen und beraten unsere Kunden. Dies schließt jeden Aspekt von „Mode“ mit ein und endet eben nicht bei unserem Sortiment.
Dies ist wohl auch der Grund aus dem die Boutique Macao viele Stammkunden hat die schon seit mehr als 20 Jahren zu uns kommen.

Es gelingt uns recht gut, eine persönliche Atmosphäre zu schaffen. Manche Kunden kommen jeden Samstag zu uns und verbringen mehrere Stunden in und um unseren Laden. Viele Kundinnen werden dabei von ihrer ganzen Familie begleitet. Das ergibt jedes Mal eine bunte Mischung die Spaß macht.

Außerdem geben wir uns große Mühe, interessante Events zu gestalten. Diese reichen von der Kosmetikberatung bei uns im Laden bis hin zu einer großen Modenschau die wir einmal im Jahr in unserer Filiale in Dortmund Hombruch durchführen.
Wir kooperieren dabei mit vielen befreundeten Unternehmen, wie zum Beispiel Kosmetikstudios oder einem Friseursalon.

Hinzu kommen diverse Aktivitäten in den sozialen Medien. Relativ neu ist unser Blog http://purelife-macao.de den wir zum einen für die Vorstellung neuer Produkte nutzen, aber eben auch dazu unseren Kundinnen Tipps in Sachen Mode und Lifestyle zu geben.

Dennis Arntjen:
Im Einzelhandel wird aktuell stark über Strategien zur Kundengewinnung und über den Umgang mit dem Onlinehandel diskutiert. Welche Ansätze verfolgen Sie dabei? Wie sprechen Sie Neukunden an und wie schaffen Sie es Kunden zu Wiederholungstätern zu machen?

Alexandra Staniura:
Wir möchten unseren Kunden die Dienstleistungen des klassischen Einzelhandels anbieten. Anders als bei vielen Filialisten steht für uns der persönliche Kontakt zu unseren Kunden im Vordergrund. Wie bereits eingangs erwähnt, verfolgen wir den Ansatz des Bedienens und Beratens.

Um Neukunden zu erreichen, setzen wir sehr stark auf soziale Medien. In diesem Punkt sind wir absolut offen für den Wandel. Durch unsere Facebook-Seite sowie unseren Blog sprechen wir eine Vielzahl von Kundinnen und potentiellen Kundinnen an.
Wenn wir zum Beispiel die Berliner Fashion Week besuchen, kommunizieren wir dies bereits im Vorfeld und binden unsere Kundinnen auf der Suche nach neuen Trends direkt mit ein. Daraus ergeben sich viele wichtige Kontakte und vor allem die Möglichkeit, unsere Kundinnen mit interessanten Inhalten anzusprechen.

IMG_0628Unseren Blog nutzen wir dazu, interessante Inhalte rund um unsere Boutique Macao zu verbreiten. Darüber hinaus geben wir auch Tipps aus den Bereichen Beauty und Lifestyle. Um das ganze abzurunden, bringen wir mit eher persönlichen Themen wie zum Beispiel unseren Hunden auch eine persönlich Note in den Blog.
Diese Mischung funktioniert und wird gut angenommen.

Von unseren verschiedenen Events habe ich ja eben bereits berichtet. Im Mai haben wir ein Blogger Event auf die Beine gestellt, zu dem wir diverse Fashion-Bloggerinnen eingeladen haben. Unser Ziel war es mit der Szene ins Gespräch zu kommen und Macao zu promoten.
Die Veranstaltung war aus meiner Sicht nicht nur ein großer Erfolg, sondern hat außerdem super viel Spaß gemacht. Die anwesenden Fashion-Bloggerinnen waren total offen und herzlich.

Dennis Arntjen:
„Buy Local“, also alle Maßnahmen Kunden verstärkt zum Einkauf bei lokalen Einzelhändlern zu bewegen,  ist aktuell das große Stichwort im Einzelhandel. Was tut ihr in dieser Hinsicht und wie unterstützt euch die Stadt Dortmund bei diesen Bemühungen?

Alexandra Staniura:
Das was wir tun, passiert ganz automatisch und beinhaltet bisher keine speziell ausgearbeitete Strategie. Wir kooperieren mit anderen Dortmunder Unternehmen aus den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle. Unsere Events sind einfach interessanter und werden besser angenommen, wenn wir diese gemeinsam mit anderen Unternehmen gestalten.

Als Inhaberin eines Einzelhandelsgeschäftes stehe ich jeden Tag in meinem eigenen Laden. Dadurch weiß ich recht genau, was sich hier in der Straße abspielt und welche Kooperationen deshalb sinnvoll sind. Das ergibt sicher alles ganz automatisch im Tagesgeschäft.

Was die Unterstützung durch die Stadt Dortmund angeht, kann ich nicht sagen, dass aus dieser Richtung viele Angebote kommen. Ich bemühe mich aber auch nicht aktiv darum, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen.

Dennis Arntjen:
Als Einzelhändlerin sind Sie stark von der Attraktivität der Innenstadt bzw. des jeweiligen Stadt-teilzentrums abhängig. Was bietet Ihnen Dortmund in diesem Punkt? Welche Schwächen und Risiken sehen Sie am Standort Dortmund?

Alexandra Staniura:
Schwächen und Risiken sind starke Worte. Sicherlich gibt es in der Brückstraße viele kleine und große Herausforderungen für Einzelhändler. Diese hängen aber nicht unbedingt mit Dortmund zusammen sondern sind auch in Städten wie Köln oder Berlin zu finden.

Dortmund bietet uns eine bunte Mischung, die gerade in der Brückstraße gut zu erkennen ist. Das begreife ich als positiv und bereichernd. Dadurch ergeben sich für mutige Einzelhändler viele Chancen, die wir einfach nutzen müssen.

Mein Laden ist eben nicht umsonst seit 24 Jahren hier in der Brückstraße zu finden.

Dennis Arntjen:
Sehen Sie eine Chance darin, für Dortmund von zentraler Stelle aus eine Plattform zur Verfügung zu stellen auf der sich alle Dortmunder Einzelhändler präsentieren könnten? Die Onlinecity Wuppertal ist hier ein prominentes Beispiel.

IMG_0633Alexandra Staniura:
Macao wird ein klassischer Einzelhändler bleiben. Das heißt aber nicht, dass ich eine zentrale Plattform für Dortmund nicht als Chance begreifen würde.

Um die Boutique prominent zu präsentieren und potentielle Kunden darauf aufmerksam zu machen, das es uns gibt halte ich eine solche Plattform für ein gutes Instrument. Als weiteren Vertriebskanal würde ich das aber nicht sehen wollen.

Dennis Arntjen:
Welche Schwächen behindern den Dortmunder Einzelhandel nach Deiner Meinung? Gibt es Risiken die beseitigt werden müssen um Dortmund als Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Städten und Regionen besser zu positionieren?

Alexandra Staniura:
Es gibt immer Dinge zu verbessern und Punkte an denen man arbeiten kann. Einzelhandel ist eine stetige Entwicklung und wer im Einzelhandel erfolgreich sein will muss mit der Zeit gehen.

In Dortmund ist das nicht anders. Wir haben hier unsere kleinen und großen Probleme. Aber – das habe ich ja eben auch schon gesagt – diese unterscheiden sich nicht so sehr von den Herausforderungen anderer Städte.

Viel lieber möchte ich über die positiven Dinge sprechen und darüber, welche Chancen wir Dortmunder Einzelhändler haben und nutzen sollten.

Dennis Arntjen:
Welche Unterstützung wünschen Sie sich konkret für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Einzelhandels-geschäftes und die Stärkung des Standortes Dortmund?

Alexandra Staniura:
Speziell für die Brückstraße würde ich mir mehr Aktivität wünschen. Konzepte wie Streetfestivals in Berlin oder Events wie zum Beispiel Modenschauen können die Frequenz an Besuchern in der Brückstraße sicherlich noch erhöhen.

Wobei ich auch sagen muss, dass die Verantwortlichen unserer Werbegemeinschaft einen guten Job machen und einiges bewegen.

Generell bin ich immer für möglichst viele Kooperationen. Dabei helfen mir meine persönlichen Kontakte. Aber sicherlich würde auch eine Möglichkeit der Vernetzung verschiedener lokaler inhabergeführter Einzelhandelsunternehmen dabei helfen, mehr gemeinsame Aktivitäten zu gestalten.

Dennis Arntjen:
Vielen Dank Frau Staniura, für dieses interessante Gespräch.

Interview mit Dortmunder Unternehmen: Julian Hans und “Der Hans”

http://steadynews.de/allgemein/interview-mit-dortmunder-unternehmen-armin-hingst-gestaltmanufakturJulian Hans, Inhaber und Gründer von „der Hans“ hat zum 01. April diesen Jahres sein Ladenlokal in der Kaiserstraße eröffnet. Die Idee: Hochwertigen regionalen Lebensmitteln eine Bühne verschaffen und Geschichten rund um die verschiedenen Produkte erzählen. Im Interview mit Dennis Arntjen berichtet Julian ausführlich über sein Konzept, weitere Pläne und die Herausforderungen, die der lokale Einzelhandel generell meistern muss.

Frage 1: Was genau ist der Schwerpunkt Deines Einzelhandelsgeschäftes und wie versuchst Du Dich zu unterscheiden?

Julian Hans: Der Schwerpunkt von „Der Hans“ ist der Verkauf regionaler Lebensmittel. Ich garantiere meinen Kunden, dass die Lebensmittel auf jeden Fall aus Dortmund und der direkten Umgebung stammen.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Nämlich immer dann, wenn ein bestimmtes Lebensmittel nicht in der direkten Umgebung erzeugt wird, aber nach meiner Meinung auf jeden Fall in das Sortiment gehört. Dies betrifft zum Beispiel Gewürze oder Kaffee.
In diesen Fällen garantiert „der Hans“ eine absolut transparente Lieferkette – unterstrichen durch den persönlichen Kontakt mit den meist ebenfalls jungen Start-Ups, die jene Produkte vertreiben. Bei unseren Kaffees bedeutet dies zum Beispiel, dass sie im Nachbarviertel vor Ort geröstet werden.

Wir haben kein Produkt im Sortiment, dessen Erzeuger wir nicht persönlich kennen. So kennen wir die Menschen und Geschichten hinter den Lebensmitteln und können diese unseren Kunden vermitteln.

Darin unterscheiden wir uns deutlich von anderen Lebensmittelhändlern. Dort werden zwar oft Lebensmittel vertrieben, die aus der Region stammen. Allerdings ist der Begriff „Region“ nicht abschließend definiert und sehr erweitert worden. Für manche Regionalsiegel bedeutet „regional“ schlichtweg eine Produktion „auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland“. Milch, die in Dortmund vertrieben wird und irgendwo in NRW erzeugt wurde, ist für mich nicht unbedingt ein regionales Produkt. Die Transportwege sind dann einfach zu lang und der Gedanke der mit regionalen Lebensmitteln verknüpft ist, wird dabei verwässert. Bei Milch übrigens nicht nur eine Metapher.

Frage 2: Im Einzelhandel wird aktuell stark über Strategien zur Kundengewinnung und über den Umgang mit dem Onlinehandel diskutiert. Welche Ansätze verfolgst Du dabei? Wie sprichst Du Neukunden an und wie schaffst Du es Deine Kunden zu Wiederholungstätern zu machen?

Julian Hans: Meine ursprüngliche Idee zu „der Hans“ war es, einen reinen Onlinehandel mit regionalen Lebensmitteln für Dortmund zu etablieren. Ein Ladenlokal war zunächst eigentlich gar nicht geplant.

Ich habe dann aber während meiner Recherchen schnell gemerkt, dass Konsumenten an Lebensmittel ganz andere Ansprüche stellen, wenn es um Vertrauen und Nahbarkeit geh. Es kommt, ganz besonders bei regionalen Lebensmitteln, sehr stark darauf an das Vertrauen unserer Kunden zu gewinnen und Garantien aussprechen zu können.

So bin ich dann zu meinem Ladenlokal gekommen. In der Kaiserstraße können meine Kunden die angebotenen Lebensmittel anfassen, riechen und schmecken und natürlich: Fragen stellen. Das schafft Vertrauen.

Der geplante Onlineshop inklusive eigenem Bringdienst steht in den Startlöchern. Es geht bald los! Das bisher gewonnene Vertrauen wird dazu beitragen, diesen Teil des Geschäftsmodells erfolgreich zu machen und noch mehr Kundinnen und Kunden die Vorteile der regionalen Lebensmittel zu ermöglichen.

Ein weiterer Punkt, der dazu beiträgt, Vertrauen zu schaffen ist ebenfalls in Planung. „Der Hans“ zieht demnächst um. Zu finden sind wir dann immer noch in der Kaiserstraße. Das neue Ladenlokal bietet uns aber einiges mehr an Platz. So können wir die Online bestellten Lebensmittel live im Laden einpacken. Unsere Kunden und alle Passanten sehen so, dass wir wirklich nur die frischesten Produkte auf den Weg zu unseren Kunden bringen.

Für die Neukundengewinnung setze ich auf Kreativität in der Kundenansprache sowie die konsequente Nutzung sozialer Medien im Internet.
Beispielsweise habe ich zur Eröffnung des Ladenlokals in einem Radius von 700 Metern rund um das Geschäft ca. 5.000 Obsttüten an alle Haushalte verteilt. Darin lag eine kleine Nachricht mit dem Hinweis auf unsere Eröffnung, einer Erläuterung des Konzeptes sowie einem Gutschein. Dieser konnte im Ladenlokal gegen zwei kostenlose Stücke Obst eingelöst werden.

Heute veröffentliche ich regelmäßig auf Facebook, wenn frische Produkte eingetroffen sind. Das hält die Kommunikation mit meinen Kunden aufrecht und schafft Aufmerksamkeit.

Sobald der Onlineshop gestartet ist, werde ich dort viel mit Produktfotos, Rezepten usw. machen. Da dürfen alle interessierten Dortmunder gespannt auf viele tolle Ideen sein und übrigens auch selbst welche mit einbringen!

Kundenbindung erreiche ich hauptsächlich durch ganz viel Persönlichkeit. Außerdem wird es demnächst ein Bonuspunktesystem geben, mit dem ich aktive Kunden und Wiederholungstäter belohnen möchte.

Um Deine Frage grundsätzlich zu beantworten: Ich begreife Onlinehandel nicht als Konkurrenz oder Bedrohung. Jeder Einzelhändler, egal ob er Lebensmittel vertreibt oder andere Produkte, sollte die Möglichkeiten des Onlinehandels als Chance begreifen.
Möglichkeiten, sich selber und die eigenen Produkte in den richtigen Fokus zu rücken sind reichlich vorhanden. Reine Kopien des Onlinehandels werden aber für den lokalen Einzelhandel sicherlich nicht funktionieren.

Frage 3: „Buy Local“, also alle Maßnahmen Kunden verstärkt zum Einkauf bei lokalen Einzelhändlern zu bewegen,  ist aktuell das große Stichwort im Einzelhandel. Welche Maßnahmen ergreifst Du für Dein Geschäft konkret um diesem Gedanken Rechnung zu tragen?

Julian Hans: Das komplette Geschäftsmodell von „der Hans“ beruht auf genau diesem Gedanken. „Der Hans“ lebt den lokalen Handel. Im Hinblick auf die angebotenen Produkte genauso wie bei der Auswahl der Region in der wir unsere Produkte anbieten.
Auch wenn unsere Kunden in Zukunft online bestellen können und zu Hause beliefert werden, liefern wir unsere Ware ausschließlich im Dortmunder Postleitzahlen Gebiet aus, eben um das Prinzip der kurzen Wege auch dort weiterzuführen.

Unsere Kunden honorieren das schon heute. Ich höre oft Sätze wie „Ich wohne hier, also unterstütze ich doch den lokalen Handel und die Erzeuger der Region!“, „Ich möchte etwas zurückgeben.“, „Schön, dass ich endlich die Möglichkeit habe regionale Produkte an jedem Wochentag direkt in der Stadt einzukaufen. Der Weg zu den Erzeugern in und um Dortmund ist mir nämlich zu lang.“

Ich sehe mich durch solche Aussagen bestätigt. Und „Buy Local“ ist tatsächlich kein frommer Wunsch der Einzelhändler, sondern spricht – wenn das Konzept gut gemacht und glaubwürdig ist – viele Kunden an.

Ich sehe tatsächlich sehr viele Chancen, die lokale Einzelhändler heute noch nicht zu 100% nutzen. Die Tatsache, dass zum Beispiel in der Kaiserstraße bzw. im Kaiserviertel im Grunde genommen das komplette Produktportfolio von Amazon angeboten wird, sollte uns Einzelhändlern Mut machen! Wenn wir unsere Stärken nutzen, untereinander kooperieren und unseren Kunden die Mehrwerte deutlich machen, bestehen wir ganz sicher gegenüber dem Onlinehandel.

Frage 4: Als Einzelhändler seid ihr stark von der Attraktivität der Innenstadt bzw. des jeweiligen Stadt-teilzentrums abhängig. Was bietet euch Dortmund in diesem Punkt? Welche Vorteile siehst Du gegenüber anderen Städten?

Julian Hans: Hier in der Kaiserstraße finde ich mit meinem Ladenlokal das absolut richtige Umfeld vor. Das Viertel passt zum „Hans“ und „Hans“ passt zu den Bewohnern des Viertels.

Die Werbegemeinschaft Kaiserstraße e.V. leistet hervorragende Arbeit und ich glaube, dass der Erfolg jeder Einkaufsstraße von den Aktivitäten der ansässigen Händler abhängig ist.

Eine Sache, die die Stadt Dortmund leisten könnte, wären etwa kostenlose Parkmöglichkeiten für Kurzzeitparker. Manchmal kommt ein Kunde nur schnell in meinen Laden oder zu den Nachbarsgeschäften um eine Kleinigkeit zu kaufen. Dafür ein Parkticket zu ziehen schreckt ab. Eine Art „Brötchentaste“ wie es sie in vielen Städten bereits gibt, wäre also eine tolle Sache!

Frage 5: Welche Schwächen behindern den Dortmunder Einzelhandel nach Deiner Meinung? Gibt es Risiken die beseitigt werden müssen um Dortmund als Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Städten und Regionen besser zu positionieren?

Julian Hans: Ich habe den Eindruck, dass sich die Stadt Dortmund sehr auf die direkten Innenstadtlagen wie die Fußgängerzone und die Thiergalerie fokussiert. Dabei geraten andere Einkaufsstraßen manchmal unter die Räder und frische, neue Konzepte finden wenig Beachtung.

Hinsichtlich meiner Erfahrungen als Gründer eines jungen Unternehmens würde ich mir mehr Unterstützung für Ideen wünschen, die nicht aus der Technologie-Ecke kommen. Auch Ideen wie meine, können für Dortmund etwas leisten und sollten deshalb mit derselben Unterstützung bedacht werden wie Ideen die „das nächste große Ding“ sein könnten.

Frage 6: Welche Unterstützung wünschst Du Dir konkret für den wirtschaftlichen Erfolg Deines Einzelhandels-geschäftes und die Stärkung des Standortes Dortmund?

Julian Hans: Um diese Frage wirklich fundiert zu beantworten, bin ich noch nicht lange genug „dabei“. Bisher bin ich mit dem Erfolg von „der Hans“ sehr zufrieden und ich glaube, dass ich aus eigener Kraft und durch viele kreative Ideen wesentlich mehr bewirken kann, als wenn ich mich ausschließlich darauf verlasse, dass die Stadt irgendetwas für mich tut.

Ich danke Julian Hans für dieses Interview, seine Bereitschaft ausführlich zu antworten und für einen interessanten und aufschlussreichen Abend im Kaiserviertel.

Julian Hans
“Hans bringt Glück”
Kaiserstr. 75, Dortmund-City
Tel.: 0231/ 79932646
E-Mail: info@hansbringtglueck.de