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Blogparade: Definition des digitalen Wandels

Alexander Surowiec startet eine Blogparade zur Definition des Begriffs “Digitaler Wandel”. Was meinen wir, wenn wir vom digitalen Wandel sprechen? Alexander Surowiec ist in Österreich politisch aktiv und stößt in seinen Diskussionen zum Thema Digitalisierung immer wieder an Grenzen. Grenzen von denen er denkt, dass sie nur deshalb bestehen, weil wir keine einheitliche Definition der Begrifflichkeiten haben. Politiker meinen den Begriff zum Beispiel anders als Unternehmer. Deshalb ruft er zu einer Begriffsdefinition auf, von der er sich erhofft in Zukunft besser einordnen zu können was die verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel eigentlich meinen.

Folgende Fragen gibt Alexander Surowiec uns dazu an die Hand. Ich selber beantworte nicht alle, sondern nur zwei.

Hier die Fragen:

  1. Wie sieht eigentlich digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aus?
  2. Was müssen Bürgerinnen und Bürger an Wissen verfügen, um im digitalen Zeitalter souverän zu bestehen?
  3. Welche Kompetenzen werden eigentlich vorausgesetzt, um Digitalisierung überhaupt erlebbar zu machen?
  4. Wird die Digitalisierung Arbeitsplätze in Österreich schaffen oder reduzieren?
  5. Welche Chancen und Risiken der Digitalisierung erwarten uns eigentlich?
  6. Welche Chancen entstehen durch die Digitalisierung und wie sind die Chancen der Digitalisierung per se?

Für diesen Beitrag habe ich mir die Fragen 1 und 5 ausgesucht. Vielleicht finden sich ja Leser die eine oder mehrere der anderen Fragen zusätzlich beantworten möchten? Dann gerne in den Kommentaren oder als eigener Beitrag zur Blogparade auf dem eigenen Blog. Ich würde mich freuen, wenn wir viele Beiträge auch aus Deutschland finden.

Frage 1: Wie sieht eigentlich digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aus?

Das Thema Digitalisierung ist ein so vielschichtiges, dass es mir schwer fällt hier eine eindeutige Antwort zu geben. Der digitale Wandel berührt alle Lebensbereiche und hat für mich persönlich nicht ausschließlich etwas mit “dem Internet” zu tun. Deshalb gehört zur Beantwortung dieser Frage auch eine Definition der verschiedenen Aspekte von Digitalisierung.

Der digitale Wandel verändert alles: Unser Zusammenleben, Zwischenmenschliche Verhaltensweisen, die Art wie wir arbeiten, die Art wie wir Freizeit gestalten, unser Verhalten gegenüber öffentlichen Institutionen, das Vertrauen in Politik und Verwaltung, die Art wie wir Technologien anwenden, den Kreis der Anwender komplexer Technologien und viele andere Aspekte unseres Lebens. Digitaler Wandel ist also nicht nur der technische Wandel, sondern viel mehr. Digitalisierung ist eine grundsätzliche Veränderung unserer Welt durch Technologie.

Die Frage danach wie digitale Kompetenz in der heutigen Zeit aussieht, muss ich also sehr abstrakt beantworten:

Digitale Kompetenz ist für mich die Fähigkeit, Veränderungen der Gesellschaft mit fortschreitender Technologisierung zu erfassen und erfolgreich zu nutzen. Die wichtigste digitale Kompetenz ist also die Fähigkeit, stetig dazu zu lernen und neue Dinge umzusetzen.

Ein Beispiel: Der Umgang mit unseren persönlichen Daten hätte sich im Zuge der Digitalisierung unseres Kommunikationsverhaltens (Stichwort soziale Medien) eigentlich viel früher und schneller wandeln müssen als er es hat. Große Teile der Gesellschaft haben diesen Wandel nicht vollziehen können, weil sie den Wandel hin zu digitaler Kommunikation gar nicht richtig erfasst haben. Viele Menschen nutzen heute noch die sozialen Medien genau so wie das eigene Telefon oder verhalten sich in öffentlichen Gruppen ähnlich wie im eigenen Wohnzimmer. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass große Wirtschaftsunternehmen viele private Daten von sehr vielen Menschen kennen und für die eigenen Zwecke nutzen. Die Tatsache, dass wir alle dadurch stark personalisierte Werbung erhalten ist dabei nur ein Aspekt. Was mit den vielfältigen Daten sonst noch passieren kann, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.

Anhand des Aspektes unserer persönlichen Daten lässt sich sehr gut erkennen, dass nicht nur jeder Mensch für sich digitale Kompetenzen braucht. Es ist äußerst wichtig, dass unsere Gesellschaft im Gesamten die Kompetenz erlangt, sich wandelnde Dinge frühzeitig zu erkennen und zur Diskussion zu stellen. Nicht um diesen Wandel zu stoppen, sondern um in der Lage zu sein rechtzeitig geeignete Maßnahmen und Verhaltensweisen zu definieren und so einen größeren Teil der Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, welche Veränderungen passieren und welche positiven und negativen Veränderungen sich daraus ergeben.

Generell würde ich folgende Kompetenzen als notwendig erachten:

  1. Datenschutz Kompetenz
  2. Fähigkeit zum sinnvollen Einsatz digitaler Kommunikationsmittel
  3. Stetiges lernen und Anpassung an den Wandel
  4. Digitale Medienkompetenz

Sicherlich lassen sich noch weitere Kompetenzen heraus arbeiten. Auch hier also die Aufforderung an Sie: Nutzen Sie die Kommentare zu diesem Beitrag und tragen Sie gerne weitere Kompetenzen bei.

Wandergruppe

Niemand sollte zurückbleiben

Frage 5: Welche Chancen und Risiken der Digitalisierung erwarten uns eigentlich?

Diese zu erkennen ist eine wesentliche digitale Kompetenz. Es ist wichtig, dass wir darüber diskutieren ohne alles zu schwarz oder weiß zu sehen. Eine Ergebnisoffene Diskussion zu den Chancen und Risiken wird nach meiner Erfahrung leider sehr oft im Keim erstickt, weil die jeweils andere Seite bestimmte Thesen als “übertrieben negativ” oder aber als “vom digitalen Wandel verblendet” abgestempelt wird.

Welche Chancen erwarten uns also?

Aus meiner Sicht ist eine große Chance die Demokratisierung von Kommunikation. Nicht mehr einzelne Personen oder Institutionen haben die Hoheit darüber, ein bestimmtes Thema zu kommunizieren und ihre Meinung beizutragen. Wir sind alle mehr oder weniger gut in der Lage öffentlich zu kommunizieren und unsere Meinung kund zu tun. Diese Chance tritt aus meiner Sicht gerade wieder etwas in den Hintergrund. Die Tatsache, dass sich verstärkt die großen Spieler Facebook, Twitter und Google in das Mediengeschäft einmischen und durch ihre ihre Reichweite die Macht besitzen, zu steuern welche Meinungen und Berichte prominent platziert werden, gerät die Demokratisierung in Gefahr.

Der digitale Wandel eröffnet uns ebenfalls erhebliche Chancen bei der Erlangung von Kompetenzen die früher für bestimmte Personengruppen nicht zu erreichen gewesen sind. Durch das Internet kann jeder alles erfahren. Wer die Fähigkeit besitzt selbständig zu lernen und sich Wissen anzueignen, ist in der Entwicklung seiner Kompetenzen nicht mehr auf einen engen Fachbereich eingeschränkt. Diese Tatsache stellt nicht nur eine große Chance für den einzelnen dar, sondern für unsere gesamte Gesellschaft.

Risiken sehe ich darin, dass die Verfügbarkeit vielfältigster Daten durchaus dazu führen kann, dass bestimmte Machtansprüche mit Hilfe dieses Wissens untermauert und durchgesetzt werden. Staaten nutzen schon heute die verschiedenen Möglichkeiten um Terrorismus und andere Staaten zu bekämpfen. Ich bin mir sicher, dass hinter den Kulissen heftige Kämpfe nicht nur um Daten zur Produktentwicklung und Innovation sondern auch um persönliche Daten wichtiger Personen einzelner Branchen tobt. Wissen ist Macht. Und noch nie war es so leicht, Wissen aus verschiedenen Quellen abzugleichen, miteinander in Beziehung zu setzen und daraus entsprechend gewinnbringende Rückschlüsse zu ziehen.

Ein weiteres Risiko des digitalen Wandels besteht darin, dass wir es vielleicht nicht schaffen den größten Teil der Gesellschaft mitzunehmen. Diejenigen die beim Wandel abgehängt werden, haben es in Zukunft sehr schwer. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft die entsprechenden Kompetenzen definieren und vermitteln.

Sicherlich gibt es noch wesentlich mehr Chance uns Risiken? Welche sind das aus Ihrer Sicht? Nutzen Sie (wieder einmal) die Kommentarfunktion und teilen Sie mir mit welche Chancen uns Risiken Sie sehen.

Dies war nun also mein Beitrag zur Blogparade von Alexander Surowiec. Ich freue mich auf viele weitere Beiträge und beobachte gespannt, was da noch kommt. 🙂

Echtes Smarthome aus Dortmund von bee

Am vergangenen Freitag durften wir von den SteadyNews und weitere Gäste einer exklusiven Vorführung des SmartHome Systems von bee aus Dortmund Beiwohnen. Stefan Rower, Inhaber und Geschäftsführer (sein Interview mit den SteadyNews findet sich hier) und Alexander Kurrath erläuterten uns zunächst die Unterschiede zwischen SmartHome und ControlledHome um dann eindrucksvoll vorzuführen, was mit dem System von bee alles möglich ist.

Der digitale Wandel im Eigenheim

Der digitale Wandel macht auch vor privatem Wohnraum und Büroräumlichkeiten nicht Halt. Deutlich zu erkennen ist diese Tatsache anhand einer Betrachtung der vielen Angebote an SmartHome Lösungen. Wahrgenommen werden dabei meistens die Lösungen der großen Konzerne, wie zum Beispiel die von RWE. Weniger prominent und trotzdem wesentlich Leistungsfähiger sind dabei die vielen Angebote mittelständischer Unternehmen.

Ein mittelständisches Unternehmen, das eine SmartHome Lösung entwickelt, ist die bee GmbH aus Dortmund. Eigentlich tritt bee als Systemhaus auf und ich hätte nicht direkt vermutet, dass sich hier auch große Kompetenz in Sachen Hausautomation finden lässt. Das diese Kompetenz vorhanden ist, haben Stefan Rower und Alexander Kurrath während des Termins aber eindeutig und nachdrücklich belegt.

Was ist ein SmartHome?

Das Prinzip eines „echten“ SmartHome ist die Zusammenarbeit von Sensoren und Aktoren. Sensoren erkennen bestimmte Zustände und Aktoren führen im Vorfeld festgelegte Maßnahmen automatisch aus. Das Eingreifen eines Menschen ist nicht mehr notwendig, wenn einmal alle möglichen Zustände erfasst und mit Aktionen versehen wurden. Natürlich können bestimmte Zustände trotzdem jeder Zeit angepasst werden. Das eigene Haus soll ja nicht das alleinige Mitbestimmungsrecht über seinen Zustand haben 😉 …

Stefan Rower beschreibt das was für ihn ein „ControlledHome“ und somit das Gegenteil eine SmartHomes ist so: „Hierbei wird lediglich die Möglichkeit geboten, auf bestimmte Systeme im Haus – beispielsweise die Rolläden – mit einem Smartphone oder einer Fernbedienung zuzugreifen und so den gewünschten Zustand herzustellen. Sensoren die Zustände erfassen und weitergeben gibt es nicht. Smart ist das nicht wirklich.“

Anhand konkreter Beispiele hat uns Stefan Rower erklärt, warum er diese Abgrenzung so deutlich vornimmt.
Nehmen wir eine Terrassenmarkise mit elektronischem Antrieb. Diese kann über entsprechende Funkschalter in ein SmartHome System der bee GmbH eingebunden werden. Gäbe es nun nur diese Markise und die Möglichkeit per Funk auf Sie zuzugreifen, müsste der Bewohner eines Hauses bei zu starkem Wind selber handeln und den Befehl zum Einfahren der Markise geben. Die SmartHome Lösung von Bee automatisiert diesen Vorgang vollständig, in dem ein Windsensor den starken Wind registriert, diese Information an das System weiterleitet und somit veranlasst das die Markise eingefahren wird. Das Eingreifen eines Bewohners ist hier nicht notwendig.

Auch Bestandsimmobilien lassen sich mit SmartHome ausrüsten

Auch Bestandsimmobilien lassen sich mit SmartHome ausrüsten

Hohe Flexibilität und unendlich viele Szenarien

Im Grunde genommen lässt sich durch die SmartHome Lösung von bee fast jedes denkbare Szenario abdecken. Von Sensoren die starken Lichteinfall registrieren und im Sommer die Rolläden zur Beschattung automatisch herunter fahren über das automatische schließen von Rolläden, wenn Abends um 22.00 h niemand zu Hause aber noch ein Fenster offen ist bis hin zum Auslösen aller Rauchmelder wenn ein Fenster bei Abwesenheit der Bewohner geöffnet wird. Alle diese Szenarien hat Stefan Rower eindrucksvoll vorgeführt. Mich persönlich hat dabei besonders beeindruckt, dass in die Auswahl der Szenarien sogar der eigene Onlinekalender eingebunden werden kann. Ist dort beispielsweise eine längere Abwesenheit über das Wochenende eingetragen, verhält sich das Haus so als ob die Bewohner anwesend sind.

Das gesamte SmartHome System der bee GmbH basiert auf den Standards des Zwave Konsortiums. Im Zusammenspiel mit quelloffener Software sowie einigen Anpassungsschritten durch die Profis von bee entsteht ein intelligentes System. Dieses lässt sich auch für bestehende Installationen nachrüsten und Schrittweise erweitern.

In Zeiten von BigData: Datensparsamkeit ist ein großer Vorteil

Alexander Kurrath hat im Gespräch eine Tatsache ganz besonders hervorgehoben: „ Im Gegensatz zu vielen SmartHome Lösungen großer Konzerne, verlassen bei unserer Lösung nur dann Daten das Haus wenn der jeweilige Anwender das möchte. Für den vollen Funktionsumfang ist es nicht notwendig irgendwelche Daten in der Cloud abzulegen oder an einen Hersteller zu senden. Die einzige Ausnahme bildet der Zugriff auf das System von Unterwegs. Ist dies gewünscht, bleiben die Daten aber trotzdem in der Hand der Bewohner.“

Befindet ein Bewohner sich im Haus, kann er neben der Bedienung über sein Smartphone auch ein zentrales Bedienelement nutzen um das Haus zu steuern. Von dort sind alle wesentlichen Punkte erreichbar ohne dass erst eine App gestartet oder das Smartphone ständig griffbereit gehalten werden muss. Auch dieses Bedienelement wurde von bee selber entwickelt. Es basiert auf einem SoC-System inklusive angeschlossenen Touchscreen. Das Gehäuse entsteht individuell im 3D Drucker.

Technik für jeden

Technik für jeden

SmartHome von bee. Eine Lösung nicht nur für Technikverliebte Menschen

Für mich persönlich war der Besuch bei der bee GmbH ein großer Spaß. Als Technikverliebter Mensch, freue ich mich immer wenn es interessante neue Dinge zu sehen und auszuprobieren gibt. Aber auch die weniger Technikaffinen Menschen am Tisch hatten das eine oder andere Aha-Erlebnis und konnten sehr gut erkennen, dass es sich bei gut gemachter Hausautomation nicht um Spielerei sondern um Nutzen bringende Technologie und die sinnvolle Umsetzung von Digitalisierung handelt.

Für Rückfragen zum System steht Stefan Rower gerne zur Verfügung. Am besten funktioniert dies per eMail (s.rower@bee.de) oder telefonisch (0231 / 58719 – 44).

Kunden bevorzugen Einkaufsmöglichkeiten in ihrem lokalen Umfeld

Wer meinen Blog unter http://scoop.nrw kennt, der weiß bereits das ich ein großer Verfechter des “Buy Local” Gedankens bin und für lokale inhabergeführte Einzelhändler stets auf der Suche nach Konzepten bin, wie diese in Zeiten der stark voranschreitenden digitalen Transformation Kunden erreichen und dazu bewegen, lokal einzukaufen. Nun gibt es eine neue Studie der Allensbach Stiftung mit dem Titel “lokale Welten” aus der sich entnehmen lässt, dass Kunden so oder so eher die lokalen Einkaufsmöglichkeiten bevorzugen. Eine Infografik von Locafox fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Ich kommentiere in diesem Artikel diese Erkenntnisse und ziehe Rückschlüsse für den lokalen Einzelhandel.

Inhalt

  1. Die wichtigsten Aussagen der Allensbach Studie in der Zusammenfassung
  2. Welche Rückschlüsse lassen sich aus diesen Aussagen für den lokalen inhabergeführten Einzelhandel ziehen?
  3. Wie weit ist der Weg denn noch?

Die wichtigsten Aussagen der Allensbach Studie in der Zusammenfassung

88% der befragten Kunden, schätzen am stationären Einzelhandel die Möglichkeit, Dinge haptisch zu erleben und prüfen zu können.
Für mich persönlich ist dies sehr gut nachvollziehbar. Ich treffe nur sehr ungerne eine Kaufentscheidung, ohne ein Produkt in der Hand gehalten zu haben. Es gibt natürlich Waren, die muss man einfach nicht anfassen bevor man sie kauft. Aber bei Kleidung, Elektroartikeln, vielen Lebensmitteln und sogar Büchern möchte ich die Ware persönlich gesehen und angefasst haben. “Komisch” denkt ihr? Warum will er denn Fernseher anfassen? Das ist natürlich richtig. Da geht es dann wohl doch eher darum, ein Produkt “erlebt” zu haben bevor ich es kaufe. Auch bei Büchern ist es weniger das haptische Erlebnis, als die Möglichkeit verschiedene Bücher anzulesen und irgendwie auch die Atmosphäre in einem Buchladen.

84% der befragten Kunden mögen die persönliche Beratung im stationären Handel. 34% lassen sich bei größeren Anschaffungen gerne persönlich beraten.
Diese beiden Punkt kann ich für mich persönlich nicht unbedingt bestätigen. Ich gehöre zu dem Personenkreis der eher nicht fragt und deshalb seine Informationen selber zusammen sucht. Wenn ich aber angesprochen werde, dann lasse ich mich auch mal beraten.

Die für mich erstaunliche Zahl von 85% der Befragten hat laut Allensbach die Aussage getätigt, dass sie mit den Einkaufsmöglichkeiten in ihrem Umfeld zufrieden sei. Warum das für mich so erstaunlich ist? Weil ich bei vielen Gelegenheit von sehr vielen Seiten gegenteiliges höre. Oftmals wird das lokale Angebot bemängelt und diese Tatsache dann auch gleich als Begründung für viele Onlinebestellungen herangezogen.

Die Allensbach Stiftung hat aber nicht nur Fragen zum Verhalten hinsichtlich lokalen Shoppings getätigt. Es wurden auch Fragen zur Nutzung von Online-Shopping gestellt.

Diese Zahlen kennt man so oder so ähnlich bereits. 69% der Deutschen haben bereits mindestens 1x online gekauft. Bei den 16 bis 44 jährigen sind es sogar 90% der Befragten. Weng erstaunlich und keine ganz neuen Zahlen.

Auch die Zahlen zur Häufigkeit kenne ich in ähnlicher Form bereits. Nur 3% der Deutschen gehören zu den eher exzessiven Onlineshoppern. Alle anderen decken wohl längst nicht ihren gesamten Bedarf an Waren online und sind somit interessante Kunden für den lokalen Einzelhandel.

Artikel vergriffen. Die Bestellung wird dem Kunden geliefert!

Artikel vergriffen. Die Bestellung wird dem Kunden geliefert!

Welche Rückschlüsse lassen sich aus diesen Aussagen für den lokalen inhabergeführten Einzelhandel ziehen?

Im ersten Reflex: “Ist ja alles nicht so schlimm! Da können sich die Einzelhändler ja beruhigt zurück lehnen.” Aber halt! Das ist aus meiner Sicht die komplett falsche Schlussfolgerung.

Denn auch die verschiedenen Onlineanbieter kennen die hier vorgestellten Zahlen sehr genau und arbeiten bereits daran, die Nachteile dies sich für sie daraus ergeben aufzuarbeiten. Die Eröffnung von Amazon Ladenlokalen, die Tatsache dass Apple laut eigener Aussage die eigenen Geschäfte eher als Ausstellungsräume und nicht als Verkaufsräume sieht und  die Tendenz online erheblich mehr direkte Beratung anzubieten, sind dafür deutliche Indikatoren.

Lokale Einzelhändler sollten sich also eben nicht zurücklehnen, sondern weiter an der Servicequalität arbeiten. Außerdem sollten sie die eigenen Stärken weiter verstärken. Persönliche Beratung ist gut, aber es spricht nichts dagegen in Ergänzung dazu auch die Meinung von Kunden einzuholen und anderen Kunden zur Verfügung zu stellen (in Anlehnung an Kundenrezensionen im Onlineshop).

Besonders die hohe Quote der Onlineshopper bei den 16 bis 44 jährigen sollte lokalen EInzelhändlern deutlich machen, was da noch auf sie zukommen kann. Wenn Händler es schaffen, diesen oftmals sehr digital affinen Menschen erweiterte Dienstleistungen anzubieten, dann ist schon ein großer Schritt getan. Aber vorsichtig: Wer hier gleich zu viel will, steht vor sehr großen Problemen! Ich bin nicht der Meinung, dass es gleich die Lösung mit Beacontechnologie sein muss. Auch ein Onlineshop in Ergänzung zum lokalen Handelsgeschäft halte ich für übertrieben!

Händler können aber durchaus den direkten Kundenkontakt nutzen um einen Newsletter Verteiler zu erstellen und diesen regelmäßig zu bespielen. Die Möglichkeit, Ware die nicht mehr im Ladenlokal verfügbar ist nachzubestellen und direkt an den Kunden zu liefern ist für mich auch ein guter Weg, on- und offline zu verbinden. Besonders bei Bekleidung, die nicht mehr in der richtigen Größe vorhanden ist, kann diese Maßnahme richtig Wirkung entfalten.
Ich kenne übrigens Händler, die bestellen die entsprechende Ware ggf. bei der Konkurrenz nur um den eigenen Kunden zufrieden zu stellen.

Es gibt noch viele andere Wege, die der lokale inhabergeführte Handel gehen kann bevor er sich dazu aufmacht, einen eigenen Onlineshop zu betreiben oder komplizierte digitale Lösungen im stationären Handel zu implementieren. Aussagen dazu, dass ein Einzelhändler heute unbedingt Beacons nutzen und einen eigenen Onlineshop betreiben muss, höre ich komischerweise nur von solchen Anbietern die genau solche Lösungen im Portfolio haben. Unabhängige Berater werden eine solche Lösung eher nicht als erste Maßnahme propagieren.

Digitale Möglichkeiten im Ladenlokal nutzen. Es muss aber nicht gleich die richtig große Lösung sein.

Digitale Möglichkeiten im Ladenlokal nutzen. Es muss aber nicht gleich die richtig große Lösung sein.

Wie weit ist der Weg noch?

Gute Frage. Leider ohne pauschale Antwortmöglichkeit.

Fest steht aber, dass in vielen Fällen erst jetzt das Nachdenken einsetzt. Oftmals setzen Einzelhändler weder im Laden noch im Internet die verschiedenen Möglichkeiten um. Hierin sehe ich eine große Gefahr, da die aktuelle Situation in einigen Fällen zu Reaktionen führt die über das Ziel hinaus schießen.

Mein Tipp: Versuchen Sie sich als Inhaber eines Einzelhandelgeschäfts unabhängig zu informieren. Am besten nutzen Sie dazu lokale Netzwerke in denen Anbieter und potentielle Kunden zusammen kommen. Pauschale Lösungen sind übrigens (aber das werden Sie sich auch selber denken können) meistens die falschen Lösungen!

Interview mit Dortmunder Unternehmen: Alexandra Staniura – Boutique Macao

Alexandra Staniura führt ihre Boutique Macao in der Dortmunder Brückstraße seit 24 Jahren mit großem Erfolg. Im Interview mit Dennis Arntjen berichtet sie von ihrer Strategie den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten und erzählt uns so einiges über erfolgreichen Einzelhandel in Dortmund.

Dennis Arntjen:
Was genau ist der Schwerpunkt Ihres Einzelhandelsgeschäftes und wie versucht ihr euch zu unterscheiden?

Alexandra Staniura:
Im Grunde genommen, lässt sich das sehr leicht auf das Wesentliche reduzieren. Wie bedienen und beraten unsere Kunden. Dies schließt jeden Aspekt von „Mode“ mit ein und endet eben nicht bei unserem Sortiment.
Dies ist wohl auch der Grund aus dem die Boutique Macao viele Stammkunden hat die schon seit mehr als 20 Jahren zu uns kommen.

Es gelingt uns recht gut, eine persönliche Atmosphäre zu schaffen. Manche Kunden kommen jeden Samstag zu uns und verbringen mehrere Stunden in und um unseren Laden. Viele Kundinnen werden dabei von ihrer ganzen Familie begleitet. Das ergibt jedes Mal eine bunte Mischung die Spaß macht.

Außerdem geben wir uns große Mühe, interessante Events zu gestalten. Diese reichen von der Kosmetikberatung bei uns im Laden bis hin zu einer großen Modenschau die wir einmal im Jahr in unserer Filiale in Dortmund Hombruch durchführen.
Wir kooperieren dabei mit vielen befreundeten Unternehmen, wie zum Beispiel Kosmetikstudios oder einem Friseursalon.

Hinzu kommen diverse Aktivitäten in den sozialen Medien. Relativ neu ist unser Blog http://purelife-macao.de den wir zum einen für die Vorstellung neuer Produkte nutzen, aber eben auch dazu unseren Kundinnen Tipps in Sachen Mode und Lifestyle zu geben.

Dennis Arntjen:
Im Einzelhandel wird aktuell stark über Strategien zur Kundengewinnung und über den Umgang mit dem Onlinehandel diskutiert. Welche Ansätze verfolgen Sie dabei? Wie sprechen Sie Neukunden an und wie schaffen Sie es Kunden zu Wiederholungstätern zu machen?

Alexandra Staniura:
Wir möchten unseren Kunden die Dienstleistungen des klassischen Einzelhandels anbieten. Anders als bei vielen Filialisten steht für uns der persönliche Kontakt zu unseren Kunden im Vordergrund. Wie bereits eingangs erwähnt, verfolgen wir den Ansatz des Bedienens und Beratens.

Um Neukunden zu erreichen, setzen wir sehr stark auf soziale Medien. In diesem Punkt sind wir absolut offen für den Wandel. Durch unsere Facebook-Seite sowie unseren Blog sprechen wir eine Vielzahl von Kundinnen und potentiellen Kundinnen an.
Wenn wir zum Beispiel die Berliner Fashion Week besuchen, kommunizieren wir dies bereits im Vorfeld und binden unsere Kundinnen auf der Suche nach neuen Trends direkt mit ein. Daraus ergeben sich viele wichtige Kontakte und vor allem die Möglichkeit, unsere Kundinnen mit interessanten Inhalten anzusprechen.

IMG_0628Unseren Blog nutzen wir dazu, interessante Inhalte rund um unsere Boutique Macao zu verbreiten. Darüber hinaus geben wir auch Tipps aus den Bereichen Beauty und Lifestyle. Um das ganze abzurunden, bringen wir mit eher persönlichen Themen wie zum Beispiel unseren Hunden auch eine persönlich Note in den Blog.
Diese Mischung funktioniert und wird gut angenommen.

Von unseren verschiedenen Events habe ich ja eben bereits berichtet. Im Mai haben wir ein Blogger Event auf die Beine gestellt, zu dem wir diverse Fashion-Bloggerinnen eingeladen haben. Unser Ziel war es mit der Szene ins Gespräch zu kommen und Macao zu promoten.
Die Veranstaltung war aus meiner Sicht nicht nur ein großer Erfolg, sondern hat außerdem super viel Spaß gemacht. Die anwesenden Fashion-Bloggerinnen waren total offen und herzlich.

Dennis Arntjen:
„Buy Local“, also alle Maßnahmen Kunden verstärkt zum Einkauf bei lokalen Einzelhändlern zu bewegen,  ist aktuell das große Stichwort im Einzelhandel. Was tut ihr in dieser Hinsicht und wie unterstützt euch die Stadt Dortmund bei diesen Bemühungen?

Alexandra Staniura:
Das was wir tun, passiert ganz automatisch und beinhaltet bisher keine speziell ausgearbeitete Strategie. Wir kooperieren mit anderen Dortmunder Unternehmen aus den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle. Unsere Events sind einfach interessanter und werden besser angenommen, wenn wir diese gemeinsam mit anderen Unternehmen gestalten.

Als Inhaberin eines Einzelhandelsgeschäftes stehe ich jeden Tag in meinem eigenen Laden. Dadurch weiß ich recht genau, was sich hier in der Straße abspielt und welche Kooperationen deshalb sinnvoll sind. Das ergibt sicher alles ganz automatisch im Tagesgeschäft.

Was die Unterstützung durch die Stadt Dortmund angeht, kann ich nicht sagen, dass aus dieser Richtung viele Angebote kommen. Ich bemühe mich aber auch nicht aktiv darum, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen.

Dennis Arntjen:
Als Einzelhändlerin sind Sie stark von der Attraktivität der Innenstadt bzw. des jeweiligen Stadt-teilzentrums abhängig. Was bietet Ihnen Dortmund in diesem Punkt? Welche Schwächen und Risiken sehen Sie am Standort Dortmund?

Alexandra Staniura:
Schwächen und Risiken sind starke Worte. Sicherlich gibt es in der Brückstraße viele kleine und große Herausforderungen für Einzelhändler. Diese hängen aber nicht unbedingt mit Dortmund zusammen sondern sind auch in Städten wie Köln oder Berlin zu finden.

Dortmund bietet uns eine bunte Mischung, die gerade in der Brückstraße gut zu erkennen ist. Das begreife ich als positiv und bereichernd. Dadurch ergeben sich für mutige Einzelhändler viele Chancen, die wir einfach nutzen müssen.

Mein Laden ist eben nicht umsonst seit 24 Jahren hier in der Brückstraße zu finden.

Dennis Arntjen:
Sehen Sie eine Chance darin, für Dortmund von zentraler Stelle aus eine Plattform zur Verfügung zu stellen auf der sich alle Dortmunder Einzelhändler präsentieren könnten? Die Onlinecity Wuppertal ist hier ein prominentes Beispiel.

IMG_0633Alexandra Staniura:
Macao wird ein klassischer Einzelhändler bleiben. Das heißt aber nicht, dass ich eine zentrale Plattform für Dortmund nicht als Chance begreifen würde.

Um die Boutique prominent zu präsentieren und potentielle Kunden darauf aufmerksam zu machen, das es uns gibt halte ich eine solche Plattform für ein gutes Instrument. Als weiteren Vertriebskanal würde ich das aber nicht sehen wollen.

Dennis Arntjen:
Welche Schwächen behindern den Dortmunder Einzelhandel nach Deiner Meinung? Gibt es Risiken die beseitigt werden müssen um Dortmund als Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Städten und Regionen besser zu positionieren?

Alexandra Staniura:
Es gibt immer Dinge zu verbessern und Punkte an denen man arbeiten kann. Einzelhandel ist eine stetige Entwicklung und wer im Einzelhandel erfolgreich sein will muss mit der Zeit gehen.

In Dortmund ist das nicht anders. Wir haben hier unsere kleinen und großen Probleme. Aber – das habe ich ja eben auch schon gesagt – diese unterscheiden sich nicht so sehr von den Herausforderungen anderer Städte.

Viel lieber möchte ich über die positiven Dinge sprechen und darüber, welche Chancen wir Dortmunder Einzelhändler haben und nutzen sollten.

Dennis Arntjen:
Welche Unterstützung wünschen Sie sich konkret für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Einzelhandels-geschäftes und die Stärkung des Standortes Dortmund?

Alexandra Staniura:
Speziell für die Brückstraße würde ich mir mehr Aktivität wünschen. Konzepte wie Streetfestivals in Berlin oder Events wie zum Beispiel Modenschauen können die Frequenz an Besuchern in der Brückstraße sicherlich noch erhöhen.

Wobei ich auch sagen muss, dass die Verantwortlichen unserer Werbegemeinschaft einen guten Job machen und einiges bewegen.

Generell bin ich immer für möglichst viele Kooperationen. Dabei helfen mir meine persönlichen Kontakte. Aber sicherlich würde auch eine Möglichkeit der Vernetzung verschiedener lokaler inhabergeführter Einzelhandelsunternehmen dabei helfen, mehr gemeinsame Aktivitäten zu gestalten.

Dennis Arntjen:
Vielen Dank Frau Staniura, für dieses interessante Gespräch.

Interview mit Dortmunder Unternehmen: Julian Hans und “Der Hans”

http://steadynews.de/allgemein/interview-mit-dortmunder-unternehmen-armin-hingst-gestaltmanufakturJulian Hans, Inhaber und Gründer von „der Hans“ hat zum 01. April diesen Jahres sein Ladenlokal in der Kaiserstraße eröffnet. Die Idee: Hochwertigen regionalen Lebensmitteln eine Bühne verschaffen und Geschichten rund um die verschiedenen Produkte erzählen. Im Interview mit Dennis Arntjen berichtet Julian ausführlich über sein Konzept, weitere Pläne und die Herausforderungen, die der lokale Einzelhandel generell meistern muss.

Frage 1: Was genau ist der Schwerpunkt Deines Einzelhandelsgeschäftes und wie versuchst Du Dich zu unterscheiden?

Julian Hans: Der Schwerpunkt von „Der Hans“ ist der Verkauf regionaler Lebensmittel. Ich garantiere meinen Kunden, dass die Lebensmittel auf jeden Fall aus Dortmund und der direkten Umgebung stammen.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Nämlich immer dann, wenn ein bestimmtes Lebensmittel nicht in der direkten Umgebung erzeugt wird, aber nach meiner Meinung auf jeden Fall in das Sortiment gehört. Dies betrifft zum Beispiel Gewürze oder Kaffee.
In diesen Fällen garantiert „der Hans“ eine absolut transparente Lieferkette – unterstrichen durch den persönlichen Kontakt mit den meist ebenfalls jungen Start-Ups, die jene Produkte vertreiben. Bei unseren Kaffees bedeutet dies zum Beispiel, dass sie im Nachbarviertel vor Ort geröstet werden.

Wir haben kein Produkt im Sortiment, dessen Erzeuger wir nicht persönlich kennen. So kennen wir die Menschen und Geschichten hinter den Lebensmitteln und können diese unseren Kunden vermitteln.

Darin unterscheiden wir uns deutlich von anderen Lebensmittelhändlern. Dort werden zwar oft Lebensmittel vertrieben, die aus der Region stammen. Allerdings ist der Begriff „Region“ nicht abschließend definiert und sehr erweitert worden. Für manche Regionalsiegel bedeutet „regional“ schlichtweg eine Produktion „auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland“. Milch, die in Dortmund vertrieben wird und irgendwo in NRW erzeugt wurde, ist für mich nicht unbedingt ein regionales Produkt. Die Transportwege sind dann einfach zu lang und der Gedanke der mit regionalen Lebensmitteln verknüpft ist, wird dabei verwässert. Bei Milch übrigens nicht nur eine Metapher.

Frage 2: Im Einzelhandel wird aktuell stark über Strategien zur Kundengewinnung und über den Umgang mit dem Onlinehandel diskutiert. Welche Ansätze verfolgst Du dabei? Wie sprichst Du Neukunden an und wie schaffst Du es Deine Kunden zu Wiederholungstätern zu machen?

Julian Hans: Meine ursprüngliche Idee zu „der Hans“ war es, einen reinen Onlinehandel mit regionalen Lebensmitteln für Dortmund zu etablieren. Ein Ladenlokal war zunächst eigentlich gar nicht geplant.

Ich habe dann aber während meiner Recherchen schnell gemerkt, dass Konsumenten an Lebensmittel ganz andere Ansprüche stellen, wenn es um Vertrauen und Nahbarkeit geh. Es kommt, ganz besonders bei regionalen Lebensmitteln, sehr stark darauf an das Vertrauen unserer Kunden zu gewinnen und Garantien aussprechen zu können.

So bin ich dann zu meinem Ladenlokal gekommen. In der Kaiserstraße können meine Kunden die angebotenen Lebensmittel anfassen, riechen und schmecken und natürlich: Fragen stellen. Das schafft Vertrauen.

Der geplante Onlineshop inklusive eigenem Bringdienst steht in den Startlöchern. Es geht bald los! Das bisher gewonnene Vertrauen wird dazu beitragen, diesen Teil des Geschäftsmodells erfolgreich zu machen und noch mehr Kundinnen und Kunden die Vorteile der regionalen Lebensmittel zu ermöglichen.

Ein weiterer Punkt, der dazu beiträgt, Vertrauen zu schaffen ist ebenfalls in Planung. „Der Hans“ zieht demnächst um. Zu finden sind wir dann immer noch in der Kaiserstraße. Das neue Ladenlokal bietet uns aber einiges mehr an Platz. So können wir die Online bestellten Lebensmittel live im Laden einpacken. Unsere Kunden und alle Passanten sehen so, dass wir wirklich nur die frischesten Produkte auf den Weg zu unseren Kunden bringen.

Für die Neukundengewinnung setze ich auf Kreativität in der Kundenansprache sowie die konsequente Nutzung sozialer Medien im Internet.
Beispielsweise habe ich zur Eröffnung des Ladenlokals in einem Radius von 700 Metern rund um das Geschäft ca. 5.000 Obsttüten an alle Haushalte verteilt. Darin lag eine kleine Nachricht mit dem Hinweis auf unsere Eröffnung, einer Erläuterung des Konzeptes sowie einem Gutschein. Dieser konnte im Ladenlokal gegen zwei kostenlose Stücke Obst eingelöst werden.

Heute veröffentliche ich regelmäßig auf Facebook, wenn frische Produkte eingetroffen sind. Das hält die Kommunikation mit meinen Kunden aufrecht und schafft Aufmerksamkeit.

Sobald der Onlineshop gestartet ist, werde ich dort viel mit Produktfotos, Rezepten usw. machen. Da dürfen alle interessierten Dortmunder gespannt auf viele tolle Ideen sein und übrigens auch selbst welche mit einbringen!

Kundenbindung erreiche ich hauptsächlich durch ganz viel Persönlichkeit. Außerdem wird es demnächst ein Bonuspunktesystem geben, mit dem ich aktive Kunden und Wiederholungstäter belohnen möchte.

Um Deine Frage grundsätzlich zu beantworten: Ich begreife Onlinehandel nicht als Konkurrenz oder Bedrohung. Jeder Einzelhändler, egal ob er Lebensmittel vertreibt oder andere Produkte, sollte die Möglichkeiten des Onlinehandels als Chance begreifen.
Möglichkeiten, sich selber und die eigenen Produkte in den richtigen Fokus zu rücken sind reichlich vorhanden. Reine Kopien des Onlinehandels werden aber für den lokalen Einzelhandel sicherlich nicht funktionieren.

Frage 3: „Buy Local“, also alle Maßnahmen Kunden verstärkt zum Einkauf bei lokalen Einzelhändlern zu bewegen,  ist aktuell das große Stichwort im Einzelhandel. Welche Maßnahmen ergreifst Du für Dein Geschäft konkret um diesem Gedanken Rechnung zu tragen?

Julian Hans: Das komplette Geschäftsmodell von „der Hans“ beruht auf genau diesem Gedanken. „Der Hans“ lebt den lokalen Handel. Im Hinblick auf die angebotenen Produkte genauso wie bei der Auswahl der Region in der wir unsere Produkte anbieten.
Auch wenn unsere Kunden in Zukunft online bestellen können und zu Hause beliefert werden, liefern wir unsere Ware ausschließlich im Dortmunder Postleitzahlen Gebiet aus, eben um das Prinzip der kurzen Wege auch dort weiterzuführen.

Unsere Kunden honorieren das schon heute. Ich höre oft Sätze wie „Ich wohne hier, also unterstütze ich doch den lokalen Handel und die Erzeuger der Region!“, „Ich möchte etwas zurückgeben.“, „Schön, dass ich endlich die Möglichkeit habe regionale Produkte an jedem Wochentag direkt in der Stadt einzukaufen. Der Weg zu den Erzeugern in und um Dortmund ist mir nämlich zu lang.“

Ich sehe mich durch solche Aussagen bestätigt. Und „Buy Local“ ist tatsächlich kein frommer Wunsch der Einzelhändler, sondern spricht – wenn das Konzept gut gemacht und glaubwürdig ist – viele Kunden an.

Ich sehe tatsächlich sehr viele Chancen, die lokale Einzelhändler heute noch nicht zu 100% nutzen. Die Tatsache, dass zum Beispiel in der Kaiserstraße bzw. im Kaiserviertel im Grunde genommen das komplette Produktportfolio von Amazon angeboten wird, sollte uns Einzelhändlern Mut machen! Wenn wir unsere Stärken nutzen, untereinander kooperieren und unseren Kunden die Mehrwerte deutlich machen, bestehen wir ganz sicher gegenüber dem Onlinehandel.

Frage 4: Als Einzelhändler seid ihr stark von der Attraktivität der Innenstadt bzw. des jeweiligen Stadt-teilzentrums abhängig. Was bietet euch Dortmund in diesem Punkt? Welche Vorteile siehst Du gegenüber anderen Städten?

Julian Hans: Hier in der Kaiserstraße finde ich mit meinem Ladenlokal das absolut richtige Umfeld vor. Das Viertel passt zum „Hans“ und „Hans“ passt zu den Bewohnern des Viertels.

Die Werbegemeinschaft Kaiserstraße e.V. leistet hervorragende Arbeit und ich glaube, dass der Erfolg jeder Einkaufsstraße von den Aktivitäten der ansässigen Händler abhängig ist.

Eine Sache, die die Stadt Dortmund leisten könnte, wären etwa kostenlose Parkmöglichkeiten für Kurzzeitparker. Manchmal kommt ein Kunde nur schnell in meinen Laden oder zu den Nachbarsgeschäften um eine Kleinigkeit zu kaufen. Dafür ein Parkticket zu ziehen schreckt ab. Eine Art „Brötchentaste“ wie es sie in vielen Städten bereits gibt, wäre also eine tolle Sache!

Frage 5: Welche Schwächen behindern den Dortmunder Einzelhandel nach Deiner Meinung? Gibt es Risiken die beseitigt werden müssen um Dortmund als Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Städten und Regionen besser zu positionieren?

Julian Hans: Ich habe den Eindruck, dass sich die Stadt Dortmund sehr auf die direkten Innenstadtlagen wie die Fußgängerzone und die Thiergalerie fokussiert. Dabei geraten andere Einkaufsstraßen manchmal unter die Räder und frische, neue Konzepte finden wenig Beachtung.

Hinsichtlich meiner Erfahrungen als Gründer eines jungen Unternehmens würde ich mir mehr Unterstützung für Ideen wünschen, die nicht aus der Technologie-Ecke kommen. Auch Ideen wie meine, können für Dortmund etwas leisten und sollten deshalb mit derselben Unterstützung bedacht werden wie Ideen die „das nächste große Ding“ sein könnten.

Frage 6: Welche Unterstützung wünschst Du Dir konkret für den wirtschaftlichen Erfolg Deines Einzelhandels-geschäftes und die Stärkung des Standortes Dortmund?

Julian Hans: Um diese Frage wirklich fundiert zu beantworten, bin ich noch nicht lange genug „dabei“. Bisher bin ich mit dem Erfolg von „der Hans“ sehr zufrieden und ich glaube, dass ich aus eigener Kraft und durch viele kreative Ideen wesentlich mehr bewirken kann, als wenn ich mich ausschließlich darauf verlasse, dass die Stadt irgendetwas für mich tut.

Ich danke Julian Hans für dieses Interview, seine Bereitschaft ausführlich zu antworten und für einen interessanten und aufschlussreichen Abend im Kaiserviertel.

Julian Hans
“Hans bringt Glück”
Kaiserstr. 75, Dortmund-City
Tel.: 0231/ 79932646
E-Mail: info@hansbringtglueck.de