Die Bedeutung starker Netzwerke für Freelancer

Unsere Arbeitswelt wandelt sich. Immer mehr Einzelselbständige bewerben sich als Freelancer um Kundenaufträge und lösen so oftmals Festangestellte in Unternehmen ab. Sei es nun als vorläufige Urlaubsvertretung oder für mehr oder weniger lang laufende Projekte. Freelancer sind im Kommen und werden wohl auch (trotz der vielen Probleme mit Scheinselbständigkeit, Krankenkassenbeiträgen, etc.) nicht mehr verschwinden.

Aufträge durch Netzwerke

Ich selber habe in den letzten Wochen verstärkt nach Projekte gesucht, die es mir ermöglichen KMU Digital, meine vielen Aktivitäten in Sachen Digitalisierung, Startupsruhr.de, die Planung diverser Veranstaltungen, meine Teilzeit Elternzeit und eben die Arbeit in Kundenprojekten unter einen Hut zu bekommen. Dabei habe ich seit längerem mal wieder in diversen Projektbörsen für Freelancer geguckt und musste feststellen, dass dort nur die Jobs ausgeschrieben werden die wohl anders nicht zu besetzen sind. Jedenfalls lassen die Qualität der Beschreibungstexte sowie die Preisvorstellungen der potentiellen Auftraggeber darauf schließen. Und das ist jetzt nicht positiv gemeint! Viele (die meisten!) Projekte die sich dort finden lassen sind wenig spannend und eigentlich immer vollkommen unterbezahlt.

Wie kommt man aber nun als Freelancer an die Projekte die erst gar nicht auf solchen Plattformen landen? Es wird wenig verwundern, dass die Antwort “Vitamin B” oder “Netzwerk” lautet. Für Freelancer gilt noch viel mehr als für andere Unternehmer, dass Kontakte nur denjenigen schaden die sie nicht haben.

Leider führen das fehlende Netzwerk sowie die daraus resultierende schlechte Auftragslage bei vielen Freelancern dazu, dass sie jeden Auftrag annehmen der irgendwie von ihnen erledigt werden kann. Von klarer Positionierung kann da gar keine Rede sein. Diese Tatsache wiederum führt dazu, dass das Profil des jeweiligen Freelancers immer unklarer wird und die Spirale dreht sich weiter abwärts.

Ein Netzwerk, dass dem Freelancer dabei hilft Aufträge zu erhalten ist also nicht nur erstrebenswert sondern langfristig sogar Überlebenswichtig (in Bezug auf die eigene Selbständigkeit).

Wissensvermittlung durch Netzwerke

Von Freelancer zu Freelancer

Ein weiterer Punkt, der für Freelancer oftmals zu kurz kommt ist das Thema Fortbildung. Dies gilt oftmals nicht für alles was den eigenen Fachbereich betrifft. Aber wenn es um Themen wie Kundenakquise, Buchhaltung, Marketing, etc. geht bleibt vieles auf der Strecke. Dabei ist das alles gar nicht so schwer, wenn man sich einmal dran wagt und einigermaßen weiß was man tut.

Auch hier kann ein gutes Netzwerk extrem weiterhelfen. Das Netzwerk das es hierfür braucht ist etwas anders gelagert als das aus dem heraus Aufträge generiert werden. Es besteht gerne mal aus anderen Freelancern. Diese haben ein starkes Eigeninteresse verschiedene andere Freelancer zu kennen und von diesen zu lernen.

Freelancer die über ein solches Netzwerk verfügen profitieren von Treffen zu vielfältigen Themen, können einfach mal schnell Fragen klären und nutzen gemeinsam mit anderen Freelancern Fortbildungsangebote. Außerdem kann ein solches Netzwerk auch bei der Kundenakquise helfen, da es ein leichtes ist Veranstaltungen zu Themen zu organisieren für die sich potentielle Kunden interessieren. Dort kann man gezielt auf interessante Auftraggeber zugehen und diese von einer Zusammenarbeit (auf Augenhöhe) überzeugen.

Fortbildungsangebote nutzen

Ich habe es schon im vorherigen Abschnitt kurz anklingen lassen. Ein gutes Netzwerk von Freelancern profitiert auch im Fortbildungsbereich voneinander. So können Themen identifiziert werden, an denen möglichst viele Netzwerk-Mitglieder interessiert sind. Dadurch lassen sich entsprechende Trainer und Dozenten als Gruppe buchen, was für den einzelnen Freelancer meistens günstiger ist als wenn er sich alleine um eine entsprechende Fortbildung bemüht.

Selber machen oder vorhandenen Netzwerken anschließen?

Sicherlich verfügt jeder Freelancer über ein mehr oder weniger lockeres Netzwerk aus anderen Freelancern und potentiellen Auftraggebern. Wenn es dem jeweiligen Freelancer aber nicht direkt liegt, mit vielen Menschen in ständigem Kontakt zu sein und diese Kontakte zu pflegen, dann nutzt ein solches Netzwerk meistens recht wenig. Trotzdem ist es sinnvoll sich auch das persönliche Netzwerk zu erhalten und dieses zumindest bei entsprechenden Gelegenheiten wie zufälligen Treffen bei Veranstaltungen zu pflegen.

Netzwerke die sich explizit an Freelancer richten und diesen spezielle Angebote machen gibt es nicht so viele. Wenn sich am Sitz eines Freelancers ein solches findet ist es in jedem Fall sinnvoll sich diesem auch anzuschließen. Solche Netzwerke werden oft von Personen organisiert denen das Netzwerken im Blut liegt. Die Betreiber solcher Netzwerke sind sehr gut in der Lage, den Bedarf der Netzwerkmitglieder zu erfassen und zu kanalisieren. Außerdem ist es immer sinnvoll jemanden zu haben der für Veranstaltungen und lockere Treffen “den Hut auf hat”.

Der Nachteil? Solche Netzwerke sind oft mit Mitgliedsbeiträgen verbunden. Als Freelancer bezahlt man eben jemanden dafür, dass er einem die entsprechende Basis bietet und organisatorische Aufgaben übernimmt. Und natürlich ist es trotzdem notwendig, sich aktiv einzubringen bei Veranstaltungen dabei zu sein und die oberste Regel des Netzwerkens (Immer erst geben und dann nehmen) zu beachten.

Grundsätzlich würde ich aber immer empfehlen sich einem Netzwerk für Freelancer anzuschließen. Insbesondere dann, wenn es sich nicht in erster Linie auf die Auftragsvermittlung konzentriert sondern den einzelnen Freelancer durch Fortbildungsangebote und aktiven Austausch unter Gleichgesinnten unterstützt. Aufträge kommen dann fast von alleine, ohne das man jemandem Provision für die Vermittlung bezahlt. Denn wer sich aktiv einbringt zu dem kommt vieles einfach so zurück!