Deutscher Startup Monitor: Eine Analyse aus Sicht des Ruhrgebiets

Unter dem Titel Deutscher Startup Monitor 2017 verfolgt der Bundesverband Deutsche Startups e.V. als Initiator drei Ziele.Unter dem Titel Deutscher Startup Monitor 2017 verfolgt der Bundesverband Deutsche Startups e.V. als Initiator drei Ziele.

  1. Entwicklung und Bedeutung von Startups darstellen sowie Forschungslücken aufzeigen
  2. Impulse für wirtschaftspolitische Initiativen zur Stärkung des Gründungsstandorts Deutschland und seiner regionale Ökosysteme liefern
  3. Begeisterung für den Entrepreneurship-Gedanken in der Gesellschaft fördern

Die Punkte eins und drei verfolgen wir von KMU Digital mit verschiedenen Projekten für das Ruhrgebiet selber. Zum Beispiel über die Organisation des Startup Kickerns, die Entwicklung der Startup Datenbank StartupsRuhr.de (gemeinsam mit Carmen Radeck von Ruhrgründer) und den Startup Accelerator Work Digital in Dortmund (gemeinsam mit dem Work Inn Coworking Space aus Dortmund).
In diesem Beitrag möchte ich den Deutschen Startup Monitor 2017 in Hinblick auf das Ruhrgebiet bzw. die Metropolregion Rhein Ruhr analysieren und einige Kennzahlen herausgreifen. Wie steht das Ruhrgebiet im Vergleich zum Rest der Bundesrepublik und zu anderen Regionen da? Wie ist die Entwicklung in den letzten Jahren verlaufen? An welchen Punkten gibt es Handlungsbedarf und wie können wir alle gemeinsam daran arbeiten, die Voraussetzungen und Ergebnisse zu verbessern?

Fakten zur Analyse

Auf Seite 7 des Startup Monitors geben die Macher 10 Fakten wieder. Einige dieser Fakten werde ich – neben anderen Punkten – für das Ruhrgebiet analysieren und vertiefen. Folgende Fakten ziehe ich heran:

  • Der Anteil von Gründerinnen in deutschen Startups steigt das dritte Jahr in Folge leicht auf nunmehr 14,6%.Ist das im Ruhrgebiet ähnlich? Steigt auch hier die Anzahl der Gründerinnen vergleichbar langsam?
  • Die Startups im DSM 2017 schaffen durchschnittlich 13,2 Arbeitsplätze (inklusive Gründer) und planen wieder mehr Neueinstellungen. Durchschnittlich 7,5 Mitarbeiter sollen je Startup im nächsten Jahr neu eingestellt werden.Eine spannende Zahl, insbesondere für das Ruhrgebiet. Welche Pläne “unsere” Startups diesbezüglich verfolgen, werde ich ebenfalls analysieren.
  • Die DSM-Startups sammelten bis dato knapp 2,1 Milliarden Euro an externem Kapital ein. Ihr weiterer Kapitalbedarf in den kommenden zwölf Monaten beläuft sich auf knapp 1 Milliarde Euro.Geld ist insbesondere im Ruhrgebiet und im Zusammenhang mit Startups bisher Mangelware. Wir beobachten leichte Veränderungen. Wie stehen Startups aus dem Ruhrgebiet bisher da? Worin unterscheidet sich die Finanzierungssituation zu Startups aus dem Rest der Bundesrepublik?

Neben diesen drei Punkten möchte ich außerdem auf die generelle Entwicklung eingehen. Mich interessieren dabei insbesondere die absolute Anzahl an Startups heute im Vergleich zu den letzten Jahren. Außerdem möchte ich auch die Situation der Hochschulen in der Region beleuchten. Vorweg gesagt: keine unserer Hochschulen befindet sich unter den laut DSM 2017 Top10 Gründer-Hochschulen.

Anteil von Gründerinnen

Laut dem DSM machen mit 40%, Frauen einen recht großen Anteil unter den Selbständigen aus. Mit 14,6% sind Frauen im Bundesdurchschnitt in Startups deutlich unterrepräsentiert. Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass der Frauen-Anteil an (Mit)Gründungen von Startups seit 2014 jedes Jahr leicht steigt.
In der vom DSM analysierten Region Rhein-Ruhr liegt der Anteil an Gründerinnen mit 13,6% sogar recht deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, belegt aber nach Berlin (16,2%) und Hannover/Oldenburg (13,9%) immer noch den dritten Platz im Vergleich der Regionen. Am schlechtesten schneiden hier Hamburg und München mit jeweils 10,5% ab.
Was ist der Grund für diesen niedrigen Wert in der Region Rhein-Ruhr? Vermutlich spielt – wie auch im Rest der Bundesrepublik – die Tatsache das Frauen realistischer und mit mehr Bedenken zur finanziellen Sicherheit gründen eine große Rolle. Das wir im Ruhrgebiet beim Thema Gründung generell unter einem hohen Sicherheitsdenken leiden (die Arbeitshistorie in vielen Familien legt nicht gerade nahe, dass man als junger Menschen sein eigenes Unternehmen gründet), wirkt sich der erhöhte Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit vielleicht auch stärker auf den Anteil an weiblichen Startup-Gründungen aus.
Im Bundesdurchschnitt dürfte außerdem die sehr geringe Quote an Frauen die VC-Kapital erhalten eine Rolle spielen. Nur 4% des weltweiten Risikokapitals wird an Frauen vergeben. Daher rührt ein starker Trend zu Startup-Gründungen mit Eigenkapital, was die Erfolgsquote sinken lassen dürfte und dazu führt, dass Männer schneller wachsende Startups gründen bzw. das deren Unternehmen eher das Kriterium des DSM erfüllen, dass als Startup zu bezeichnende Gründungen ein “signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum” haben sollen.

Neue Arbeitsplätze

Im Bundesdurchschnitt schaffen die DSM-Startups 13,2 Arbeitsplätze und möchten im nächsten Jahr weitere 7,5 neue Mitarbeiter einstellen. Und in der Region Rhein-Ruhr?
Arbeitsplatz. Quelle: Work Inn Dortmund
Mit durchschittlich 10,9 Mitarbeitern (inkl. Gründern) liegt die Unternehmensgröße (gemessen an der Mitarbeiterzahl) 17,5% unter dem Durchschnitt in der Bundesrepublik. Dabei ist der Anteil der Gründer an der Teamgröße mit 2,3 Personen identisch mit dem Bundesdurchschnitt.
Niedriger ist die durchschnittliche Zahl der Arbeitsplätze je Startup nur in den Regionen Stuttgart/Karlsruhe (10,6) und Hannover/Oldenburg (10,2). Die größten Teams stellen Startups aus Berlin mit durchschnittlich 29,5 Mitarbeitern und davon ebenfalls 2,3 Gründern.
Was sind aber nun die Ursachen für diesen Vergleichsweise niedrigen Wert? Ich kann nur vermuten, dass zum einen die Kapitalsituation (wir werden gleich sehen ob diese im Vergleich schlechter ist) und zum anderen die Art der Gründungen eine Rolle spielen. Weniger Kapital bedeutet weniger Potential Mitarbeiter zu bezahlen. Und die Tatsache, dass wir in der Region Rhein-Ruhr sehr viele B2B-Startups sehen, die besonders in den Bereichen Marketing und Vertrieb schlanker aufgestellt sind, dürfte ebenfalls zu dieser niedrigen Zahl führen. Interessant wäre es, zu erfahren wie sich diese Startups entwickeln wenn sie älter werden und nicht mehr als Startups gelten. Ich vermute, dass Technologie-Gründungen im B2B-Bereich nach 10 und mehr Jahren ein deutliches Mitarbeiterwachstum zeigen und dann wesentlich stärker zur Gesamtbeschäftigung in der jeweiligen Region beitragen als solche Unternehmen die in Berlin als B2C-Startups älter als 10 Jahre sind.

Kapitaldecke

Die Ausstattung mit Fremdkapital ist in vielen Fällen ein entscheidender Erfolgsfaktor für Startups. Hilft doch viel Kapital dabei, schnell zu wachsen und innovative Geschäftsmodelle zu skalieren.
Auch in diesem Punkt unterscheidet sich die Region Rhein-Ruhr in Teilen von anderen Startup Regionen in Deutschland. Die Tatsache, dass überdurchschnittlich viele Technologie Startups gegründet werden, wirkt sich auf den Kapitalbedarf aus. Dieser ist nicht unbedingt niedriger (vielleicht sogar im Gegenteil), wird aber für andere Dinge – wie zum Beispiel technologische Entwicklung – benötigt als bei B2C-Startups oder B2B-Startups mit weniger technischem Fokus.
Leider lässt sich dem DSM nicht entnehmen wie viel Kapital Startups aus der Region Rhein-Ruhr aufgenommen oder selbst beigesteuert haben. Auch sonst ist die Informationslage zur Kapitalausstattung der einzelnen Startup Regionen recht dünn.
Der Anteil an Startups die sich ausschließlich aus eigenen Ersparnissen der Gründer finanzieren ist für die einzelnen Regionen bekannt. Hier liegt die Region Rhein/Ruhr auf Platz 3 (23,9%) hinter München (26,2%) und Hamburg (25,8%).
Außerdem hat der DSM auch ermittelt, wie hoch der Anteil an Venture Capital finanzierten Startups im Bundesdurchschnitt und in den einzelnen Regionen ist. Seit der ersten Erhebung 2014 sinkt der Anteil der deutschen Startups die VC finanziert werden. 2017 liegt dieser nur noch bei 15,9%. Leider ergeben die ermittelten Zahlen für die Region Rhein-Ruhr kein gutes Bild. Entgegen meiner persönlichen Annahme, dass die VC-Situation im Ruhrgebiet eher besser wird, zeigen die Zahlen einen starken Rückgang auf heute nur noch 8,2% VC-finanzierte Startups (2015 waren es mit 17,4% noch mehr als doppelt so viele Startups die VC-finanziert wurden). Das ist sehr enttäuschend und trägt wahrscheinlich dazu bei, dass die Zahl der neu gegründeten Startups so niedrig ist, wie wir dies aktuell beobachten.

Zahl der Startups generell

Ganz besonders ist mir bei der ersten Betrachtung des aktuellen DSM ins Auge gefallen wie das Wachstum der Zahl an Startups generell und in den einzelnen Regionen aussieht. Ist doch diese Zahl ein starker Indikator dafür, wie gut die Voraussetzungen zur Gründung eines Startups sind.
Dem DSM 2017 liegt eine Zahl von 1.837 Startups zu Grunde. Diese ist im Vergleich zum Vorjahr (1.224) um 33,4% höher und spiegelt den generellen Trend zu mehr Startup Gründungen in Deutschland wieder. Leider ist dieser Trend in der Region Rehin-Ruhr nicht annähernd so positiv. Konnten wir 2016 noch 14,1% aller deutschen Startups vorweisen, sind es heute nur noch 11,3%. Dies bedeutet in absoluten Zahlen zwar immer noch ein Wachstum von 35 Unternehmen. Die Wachstrumsrate liegt aber mit ca. 17% um fast 50% niedriger als im Bundesdurchschnitt.
Dieser Wert spiegelt deutlich wieder, dass alle Bemühungen die wir gemeinsam tätigen und auch die Bemühungen der Politik wenig Früchte tragen. Als wesentlichen Faktor für dieses unterdurchschnittliche Wachstum sehe ich die schlechte Ausstattung mit Fremd- und Risikokapital sowie die Tatsache, dass die Hochschulen in der Region Rhein-Ruhr keinen guten Job machen, wenn es darum geht Gründungsinteressierte Absolventen entsprechend abzuholen.

Hochschulen

Unter den Top-10-Gründerhochschulen die der DSM 2017 ermittelt hat befindet sich nicht eine einzige Hochschule aus dem Ruhrgebiet. Während München mit der Technischen Universität München und der Universität München (LMU) gleich zwei Hochschulen in den Top-Platzierungen hat, sprechen wir in der Region Rhein-Ruhr sehr viel über unsere tolle Hochschullandschaft und die Chancen die sich daraus sowie aus den hohen Studierendenzahlen ergeben. Sprechen alleine scheint aber nicht dazu beizutragen, dieses Potential auch wirklich zu nutzen.
Hoffnung macht mir dabei die Tatsache, dass es aktuell viele positive Initiativen an den verschiedenen Hochschulen gibt und auch das die Vernetzung der Hochschulen in Sachen Unternehmensgründung besser zu werden scheint. Ob diese Ansätze fruchten, werden wir aber erst in einigen Jahren sehen. Die Bretter die hier gebohrt werden sind äußerst dick und ich befürchte das die Bemühungen immer noch zu gering sind um den großen Rückstand auf Städte wie München, Berlin und Hamburg aufzuholen.

Was sollten wir tun?

Das ist die Frage aller Fragen. Was tun, wenn alles was bisher getan wurde nicht zum gewünschten Ergebnis führt?
Auch wenn ich selber ein sehr großer Freund davon bin, die Dinge selber in die Hand zu nehmen, braucht es in der aktuellen Situation wohl (auch) Initiativen etablierter Unternehmen und ganz besonders politisches Handeln. Alles was aus der Startup-Szene heraus entstanden ist, trägt alleine offenbar nicht dazu bei das unsere Region in Sachen Startups schnell stärker wird.
Deshalb sind Initiativen wie die vom Initiativkreis Ruhr eingeleiteten zu begrüßen. Die Idee einen regionalen Gründerkoordinator einzusetzen kann dazu beitragen, die Zahlen zu verbessern. Veranstaltungen wie der Ruhr-Summit (der zwar auf den ersten Blick eine Initiative eines Unternehmens ist, aber auf den zweiten Blick in engem Zusammenhang mit dem RuhrHub steht) tragen ebenfalls dazu bei, das Ruhrgebiet in den Augen von an Startups interessierten Personen aufzuwerten.
Trotzdem sollten wir als lokale Akteure der Startup-Szene nicht nachlassen und uns weiterhin engagieren. Insbesondere Projekte wie Carmen Radecks Ruhrgründer.de sowie das gerade frisch herausgebrachte Buch “Ruhrgründer Guide” von Michael Kriegel und Carmen Radeck tragen dazu bei, die Region nach Außen hin besser darzustellen und die in der Region tätigen Startups stärker untereinander zu vernetzen.

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