Die Angst vor der Digitalisierung

In der letzten Woche habe ich über die Sendung von Anne Will geschrieben, in der ein Psychologe das Ruder an sich riss und eine Angst vor der Digitalisierung befeuerte, die meiner Meinung nach nicht gesund ist. Angst haben ist ja grundsätzlich gar nicht verkehrt und Skeptiker sind in jeder Debatte wichtig, tragen sie doch dazu bei das wir bestimmte Dinge besser und wiederholt durchdenken. Das gilt auch bei allem Digitalen.

Warum aber ist besonders das Thema Digitalisierung so mit Ängsten besetzt? Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, des aktuellen Status, davor liebgewordene Gewohnheiten ablegen zu müssen (siehe hierzu auch Sascha Lobos Kolumne im Spiegel: “Korrekte Furcht vor Digitalisierung”). Ich beobachte, dass dies meistens in Verbindung mit großem Unwissen steht. Im Grunde genommen weiß kaum ein Mensch, welche Veränderungen durch Digitalisierung entstehen. Und da es uns allen im Grunde genommen recht gut geht, gehen viele davon aus das Digitalisierung nichts besser aber vieles schlechter macht.

Wie kann man als Mensch, dem bewusst ist das die Digitalisierung a) wichtig ist weil sie b) so oder so nicht mehr aufzuhalten ist, diese Angst in gesunde Bahnen kanalisieren. Hier beobachte ich wiederum sehr oft, dass versucht wird mit dem Schüren anderer Ängste entgegen zu wirken. Mittelständlern wird suggeriert, dass jeder der nicht mitmacht, schnell vom Markt verschwindet. Überrollt von irgendwelchen digitalen Startups. Dieser Weg ist falsch! Weitere Ängste verstärkendie Angst vor dem Ungewissen und führen zur Lähmung.

Manchmal ist es sehr müssig, Gegnern der Digitalisierung immer wieder dieselben Argumente zu nennen, ohne in das Verhaltensmuster der Angstmacherei zu verfallen. Es ist aber trotzdem wichtig. Vorteile darlegen, Chancen transparent machen und dabei in aller Deutlichkeit sagen, dass der Zug bereits rollt und wir die Debatte nicht mit Ängsten sondern echten Argumenten führen müssen.

Das ist übrigens eine Pflicht, die unsere Politiker aktuell nicht erfüllen. Es werden umfangreiche Förderprogramme aufgelegt und Veranstaltungen geplant. Aber im Grunde genommen läuft auch in der politischen Klasse unserer Gesellschaft eine Angstdebatte. Dabei ist es immens wichtig, nicht über Ängste zu reden und keine Technologien in den Vordergrund zu stellen. Die Herausforderungen der Digitalisierung meistern wir in erster Linie durch eine breit angelegte Debatte über die Veränderungen unserer Gesellschaft. Dazu gehören auch Diskussionen über unsere Werte.

Eine solche Diskussion würde dazu beitragen, dass sich jeder mit dem Thema auseinander setzt. Denn es würde jedem klar werden, dass wir nicht in erster Linie von Technologien und über Ängste sprechen, sondern darüber wie unser Land bzw. wie Europa in der Zukunft aussehen soll. Morgen veröffentlichen wir wieder eines unserer “Frage der Woche Videos” im SteadyNews TV. Dort geht es eigentlich um künstliche Intelligenz und deren Auswirkungen. Aber wir reißen auch die notwendige gesellschaftliche Debatte an.

Warum führen wir diese Debatte nicht schon längst? Wegen der vielen Angst, vermute ich. Denn auch Politiker sind Menschen und möchten vieles nicht verlieren bzw. verstehen oftmals gar nicht was Digitalisierung eigentlich ist. Deshalb regt niemand diese Diskussion an. Eva sagt in unserem Video sinngemäß, dass es für die Digitalisierung einen ähnlichen Anstoß bräuchte wie beim Thema Umweltschutz. Dort gelang die Wende, weil der plötzliche Wahlerfolg der Grünen das Thema Umweltschutz schnell im Parteiensystem verankerte. Der Wahlerfolg der Grünen basierte darauf, dass sich wenige vertrauenswürdige Prominente entsprechend engagierten.

Braucht es also eine Digitalbewegung so wie es eine Umweltbewegung gab und gibt? Würde diese dazu beitragen, ohne Angst über Digitalisierung zu sprechen? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass wir dringend eine echte Debatte ohne Angstmacherei und ohne irgendwelche abwegigen Forderungen brauchen.

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