Kunden bevorzugen Einkaufsmöglichkeiten in ihrem lokalen Umfeld

Wer meinen Blog unter http://scoop.nrw kennt, der weiß bereits das ich ein großer Verfechter des “Buy Local” Gedankens bin und für lokale inhabergeführte Einzelhändler stets auf der Suche nach Konzepten bin, wie diese in Zeiten der stark voranschreitenden digitalen Transformation Kunden erreichen und dazu bewegen, lokal einzukaufen. Nun gibt es eine neue Studie der Allensbach Stiftung mit dem Titel “lokale Welten” aus der sich entnehmen lässt, dass Kunden so oder so eher die lokalen Einkaufsmöglichkeiten bevorzugen. Eine Infografik von Locafox fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Ich kommentiere in diesem Artikel diese Erkenntnisse und ziehe Rückschlüsse für den lokalen Einzelhandel.

Inhalt

  1. Die wichtigsten Aussagen der Allensbach Studie in der Zusammenfassung
  2. Welche Rückschlüsse lassen sich aus diesen Aussagen für den lokalen inhabergeführten Einzelhandel ziehen?
  3. Wie weit ist der Weg denn noch?

Die wichtigsten Aussagen der Allensbach Studie in der Zusammenfassung

88% der befragten Kunden, schätzen am stationären Einzelhandel die Möglichkeit, Dinge haptisch zu erleben und prüfen zu können.
Für mich persönlich ist dies sehr gut nachvollziehbar. Ich treffe nur sehr ungerne eine Kaufentscheidung, ohne ein Produkt in der Hand gehalten zu haben. Es gibt natürlich Waren, die muss man einfach nicht anfassen bevor man sie kauft. Aber bei Kleidung, Elektroartikeln, vielen Lebensmitteln und sogar Büchern möchte ich die Ware persönlich gesehen und angefasst haben. “Komisch” denkt ihr? Warum will er denn Fernseher anfassen? Das ist natürlich richtig. Da geht es dann wohl doch eher darum, ein Produkt “erlebt” zu haben bevor ich es kaufe. Auch bei Büchern ist es weniger das haptische Erlebnis, als die Möglichkeit verschiedene Bücher anzulesen und irgendwie auch die Atmosphäre in einem Buchladen.

84% der befragten Kunden mögen die persönliche Beratung im stationären Handel. 34% lassen sich bei größeren Anschaffungen gerne persönlich beraten.
Diese beiden Punkt kann ich für mich persönlich nicht unbedingt bestätigen. Ich gehöre zu dem Personenkreis der eher nicht fragt und deshalb seine Informationen selber zusammen sucht. Wenn ich aber angesprochen werde, dann lasse ich mich auch mal beraten.

Die für mich erstaunliche Zahl von 85% der Befragten hat laut Allensbach die Aussage getätigt, dass sie mit den Einkaufsmöglichkeiten in ihrem Umfeld zufrieden sei. Warum das für mich so erstaunlich ist? Weil ich bei vielen Gelegenheit von sehr vielen Seiten gegenteiliges höre. Oftmals wird das lokale Angebot bemängelt und diese Tatsache dann auch gleich als Begründung für viele Onlinebestellungen herangezogen.

Die Allensbach Stiftung hat aber nicht nur Fragen zum Verhalten hinsichtlich lokalen Shoppings getätigt. Es wurden auch Fragen zur Nutzung von Online-Shopping gestellt.

Diese Zahlen kennt man so oder so ähnlich bereits. 69% der Deutschen haben bereits mindestens 1x online gekauft. Bei den 16 bis 44 jährigen sind es sogar 90% der Befragten. Weng erstaunlich und keine ganz neuen Zahlen.

Auch die Zahlen zur Häufigkeit kenne ich in ähnlicher Form bereits. Nur 3% der Deutschen gehören zu den eher exzessiven Onlineshoppern. Alle anderen decken wohl längst nicht ihren gesamten Bedarf an Waren online und sind somit interessante Kunden für den lokalen Einzelhandel.

Artikel vergriffen. Die Bestellung wird dem Kunden geliefert!

Artikel vergriffen. Die Bestellung wird dem Kunden geliefert!

Welche Rückschlüsse lassen sich aus diesen Aussagen für den lokalen inhabergeführten Einzelhandel ziehen?

Im ersten Reflex: “Ist ja alles nicht so schlimm! Da können sich die Einzelhändler ja beruhigt zurück lehnen.” Aber halt! Das ist aus meiner Sicht die komplett falsche Schlussfolgerung.

Denn auch die verschiedenen Onlineanbieter kennen die hier vorgestellten Zahlen sehr genau und arbeiten bereits daran, die Nachteile dies sich für sie daraus ergeben aufzuarbeiten. Die Eröffnung von Amazon Ladenlokalen, die Tatsache dass Apple laut eigener Aussage die eigenen Geschäfte eher als Ausstellungsräume und nicht als Verkaufsräume sieht und  die Tendenz online erheblich mehr direkte Beratung anzubieten, sind dafür deutliche Indikatoren.

Lokale Einzelhändler sollten sich also eben nicht zurücklehnen, sondern weiter an der Servicequalität arbeiten. Außerdem sollten sie die eigenen Stärken weiter verstärken. Persönliche Beratung ist gut, aber es spricht nichts dagegen in Ergänzung dazu auch die Meinung von Kunden einzuholen und anderen Kunden zur Verfügung zu stellen (in Anlehnung an Kundenrezensionen im Onlineshop).

Besonders die hohe Quote der Onlineshopper bei den 16 bis 44 jährigen sollte lokalen EInzelhändlern deutlich machen, was da noch auf sie zukommen kann. Wenn Händler es schaffen, diesen oftmals sehr digital affinen Menschen erweiterte Dienstleistungen anzubieten, dann ist schon ein großer Schritt getan. Aber vorsichtig: Wer hier gleich zu viel will, steht vor sehr großen Problemen! Ich bin nicht der Meinung, dass es gleich die Lösung mit Beacontechnologie sein muss. Auch ein Onlineshop in Ergänzung zum lokalen Handelsgeschäft halte ich für übertrieben!

Händler können aber durchaus den direkten Kundenkontakt nutzen um einen Newsletter Verteiler zu erstellen und diesen regelmäßig zu bespielen. Die Möglichkeit, Ware die nicht mehr im Ladenlokal verfügbar ist nachzubestellen und direkt an den Kunden zu liefern ist für mich auch ein guter Weg, on- und offline zu verbinden. Besonders bei Bekleidung, die nicht mehr in der richtigen Größe vorhanden ist, kann diese Maßnahme richtig Wirkung entfalten.
Ich kenne übrigens Händler, die bestellen die entsprechende Ware ggf. bei der Konkurrenz nur um den eigenen Kunden zufrieden zu stellen.

Es gibt noch viele andere Wege, die der lokale inhabergeführte Handel gehen kann bevor er sich dazu aufmacht, einen eigenen Onlineshop zu betreiben oder komplizierte digitale Lösungen im stationären Handel zu implementieren. Aussagen dazu, dass ein Einzelhändler heute unbedingt Beacons nutzen und einen eigenen Onlineshop betreiben muss, höre ich komischerweise nur von solchen Anbietern die genau solche Lösungen im Portfolio haben. Unabhängige Berater werden eine solche Lösung eher nicht als erste Maßnahme propagieren.

Digitale Möglichkeiten im Ladenlokal nutzen. Es muss aber nicht gleich die richtig große Lösung sein.

Digitale Möglichkeiten im Ladenlokal nutzen. Es muss aber nicht gleich die richtig große Lösung sein.

Wie weit ist der Weg noch?

Gute Frage. Leider ohne pauschale Antwortmöglichkeit.

Fest steht aber, dass in vielen Fällen erst jetzt das Nachdenken einsetzt. Oftmals setzen Einzelhändler weder im Laden noch im Internet die verschiedenen Möglichkeiten um. Hierin sehe ich eine große Gefahr, da die aktuelle Situation in einigen Fällen zu Reaktionen führt die über das Ziel hinaus schießen.

Mein Tipp: Versuchen Sie sich als Inhaber eines Einzelhandelgeschäfts unabhängig zu informieren. Am besten nutzen Sie dazu lokale Netzwerke in denen Anbieter und potentielle Kunden zusammen kommen. Pauschale Lösungen sind übrigens (aber das werden Sie sich auch selber denken können) meistens die falschen Lösungen!

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